Berlin : Flughafen abzugeben

Die Nachnutzung Tempelhofs wird ausgeschrieben 30 000 Unterschriften für Volksbegehren gesammelt

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Die Nachnutzung des Flughafengebäudes in Tempelhof wird voraussichtlich in einem offenen Vergabeverfahren ausgeschrieben. „Das ist aus rechtlichen Gründen wohl unvermeidlich“, sagte der Chef der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), Dirk Kühnau, dem Tagesspiegel. Selbst wenn der Flugbetrieb in Tempelhof weitergehen würde, könne der Gebäudekomplex nicht an einen Interessenten freihändig vergeben werden. Kühnau spielte damit auf die Pläne des US-Investors Langhammer an, der dort ein Gesundheitszentrum errichten und den Geschäftsflugverkehr beibehalten möchte.

Die Ausschreibung für das Flughafengebäude könnte nach Schätzungen Kühnaus „noch vor dem Sommer“ erfolgen. Derzeit würden die laufenden Betriebskosten für den großen Gebäudekomplex ermittelt. Möglicherweise werde die künftige Bewirtschaftung an einen privaten Dienstleister vergeben. Man lasse sich bei der Suche nach neuen Nutzern aber nicht unter Zeitdruck setzen. Zumal das Gutachten einer – vom Bundesfinanzministerium beauftragten – Kanzlei noch aussteht. Die Juristen sollen klären, ob ein Flugbetrieb in Tempelhof auf Dauer möglich ist, ohne den Bau des Großflughafens Schönefeld zu gefährden. Der Bima-Chef geht davon aus, dass das Gutachten erst nach Ostern fertig wird. Qualität gehe vor Schnelligkeit, die Kanzlei entscheide selbst, wie viel Zeit sie brauche. „Ein Schnellschuss nützt nichts.“

Die spätere Nutzung des Tempelhofer Flughafens durch Bundesbehörden ist nach Auffassung Kühnaus „noch nicht vom Tisch“. Es solle aber niemand glauben, dass nach einer Schließung des City-Airports im Oktober 2008 sogleich Bundesministerien dort einzögen. Für die Entscheidung sei ohnehin der Bundestag zuständig. Bislang hatte die Idee, dass das Innenministerium nach Tempelhof zieht, die größte Chance auf Umsetzung. Aber die zuständigen Berichterstatter der Bundestagsfraktionen sind nach Informationen des Tagesspiegel zu der Überzeugung gekommen, dass dies aus Sicherheitsgründen nicht geht.

Kühnau bestätigte, dass es erste Gespräche zwischen seiner Behörde und der Stadtentwicklungsverwaltung gegeben habe. Der Bima-Chef geht davon aus, dass die BBI-Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg die weiteren Schritte in Sachen Tempelhof miteinander abstimmen.

Die Anhänger der Weiternutzung Tempelhofs als Flughafen wollen heute von 12 bis 20 Uhr gegenüber dem Europacenter am Breitscheidplatz zum letzten Mal Unterschriften für ihr Ziel sammeln. Die Interessengemeinschaft „City-Airport Tempelhof“ hat fast 30 000 Unterschriften von Berlinern gesammelt, die ein Volksbegehren für den Flughafen unterstützen, sagt Sprecher Wolfgang Przewieslik – ein Drittel mehr als für den Antrag eines Volksbegehrens nötig sind. Am Freitag sollen die Listen dem Landeswahlleiter übergeben werden.za/lvt

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