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Flughafen-Desaster : Tag für Tag werden neue Probleme bekannt

Ist es eine Brandschrottlage?

Fest steht: Es wurde abweichend von der Baugenehmigung gebaut, die Frischluftzufuhr funktioniert nicht, für einige Teile ist die Betriebszulassung wieder abgelaufen. Die Komponenten von Bosch und Siemens funktionieren jeweils für sich, aber nicht miteinander. Eine Genehmigung wird die Baubehörde für diese Anlage jedenfalls nicht erteilen, wie sie selbst mitteilt. Denn es ist nicht sichergestellt, dass im Brandfall 15 Minuten lang eine 2,15 Meter hohe rauchfreie Schicht entsteht, um das Terminal evakuieren zu können. Vielmehr entstehen am BER Verwirbelungen. An mehreren Stellen muss von geschossübergreifenden Lösungen auf geschossweise Anlagen umgestellt werden. Selbst Planer gaben zu, dass man wegen vieler Änderungswünsche der BER-Chefs bis Sommer 2012 an den Rand des technisch Machbaren gegangen sei. Auch die Sprinkleranlage muss verbessert werden: Neue Leitungen sind nötig, weil zusätzlich Sprinklerköpfe eingebaut werden.

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Umfrage zum BER-Desaster
Umfrage zum BER-Desaster

Muss der Beton zerstört werden?

Folgenreich sind auch Fehler beim Einbau der insgesamt 60 Kilometer langen Kühlleitungen. Die haben keine Dämmung, die aber nötig ist. Die Leitungen sind nicht nur unter Decken, sondern auch im Mauerwerk verlegt worden. Ob die Betonwände dafür wieder aufgebrochen werden müssen, steht noch nicht fest. Das trifft auf ein weiteres Problem zu: Auch die Brandschutzbeschichtung von Stahlträgern ist fehlerhaft. Zudem müssen Kabelschächte erneuert werden. Diese sind in der Chaosphase bis Mai 2012 viel zu schwer und gegen jede Vorschrift mit Leitungen bestückt worden.

Gibt es keine guten Nachrichten?

Wie man’s nimmt. Manchmal wird einfach gnadenlos übertrieben, auch wenn auf der BER–Baustelle ja so einiges möglich ist, was man vorher nicht für möglich gehalten hat. Aber entgegen aller Gerüchte kann man – nach jetzigem Stand – sagen: Nein, der Tower ist nicht schief. Nein, es steht kein Wasser im Keller. Nein, das große, neue Terminal versinkt auch nicht im Grundwasser. Und nein, die Landebahn ist nicht unterspült und senkt sich auch nicht. Problematisch, aber weit weniger dramatisch als oft dargestellt, sieht es auch an anderer Stelle aus – etwa beim Kühlsystem und bei der Tankanlage unter dem Rollfeld des Flughafens. Das Kühlsystem für die IT-Technik muss verbessert werden, um zu verhindern, dass sie im Sommer überhitzt und notfalls sogar abgeschaltet werden muss. Die Kühlaggregate sind unterdimensioniert, jetzt soll nachgerüstet werden. Und für die Tankanlage mit ihrem kilometerlangen Leitungssystem fehlen noch Sicherheitsnachweise. Außerdem gibt es Probleme mit Rohrverbindungen. Beide Probleme waren nach Angaben der Flughafengesellschaft aber für die Eröffnung im Oktober 2013 nicht „terminkritisch“ und hätten sich relativ schnell beheben lassen. Das trifft auch zu für die zu kurzen Rolltreppen, die in den unterirdischen Flughafenbahnhof führen, sowie für die undichten Belüftungsschächte, durch die bei Regen Wasser in den Bahnhof läuft. Auch das Datennetzwerk, über das der Flughafen gesteuert wird, läuft noch nicht optimal – hier muss ebenfalls nachgerüstet werden. Das ist machbar.

Was passiert mit den Computern?

Die Fußbodenfliesen zeigen erste Schäden – schlichtweg weil die Schutzabdeckung fehlt. Durch die Fahrten mit Baugeräten wie Gabelstapler haben sich Risse in den Fliesen gebildet. Zumindest sensible Technik wie Check-in-Geräte, Gepäckbänder oder Röntgenapparate wurden rechtzeitig vor Beschädigungen durch die Umbauarbeiten geschützt oder von der BER-Baustelle weggeschafft. Alle Check-in-Geräte sind durch Folien geschützt. Die Gepäckbänder laufen regelmäßig, damit sie keinen Schaden nehmen. Der Zoll hat im Sommer 2012 die eigens angeschaffte Ausstattung wie Schreibtische, Schreibtischstühle und IT-Technik in verschiedenen Zollliegenschaften eingelagert. Mittlerweile wird die Technik in anderen Dienststellen eingesetzt, unter anderem am Flughafen Tegel, wo durch erhöhtes Fluggastaufkommen und Erweiterungsbauten ein Bedarf besteht. Andere bereits eingebaute Anlagen am BER seien „gegen Beschädigung und Verschleiß geschützt“ worden. Dazu zählen zwei Gepäckröntgengeräte im Wert von je rund 50 000 Euro. Derzeit wird geprüft, ob die Geräte ausgebaut und zu anderen Dienststellen gebracht werden. Ob die Technik 2014 oder 2015, wenn der Flughafen eröffnet werden könnte, sich noch auf neuestem Stand befindet, ist unklar.

Die letzte Meldung

Nun sollen auch noch von den Landschaftsgärtnerfirmen 1000 Bäume auf dem Flughafen falsch gepflanzt worden sein, oder besser: Es sollen falsche Arten und Sorten verwendet worden sein. Das Problem: Die Bäume sind gut angewachsen, eine Komplettrodung ließe sich nur schwer rechtfertigen. Eine Bestätigung, dass nun „nur“ 600 Bäume entfernt werden sollen, gab es bislang aber nicht.

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