Flughafen Tempelhof : Streit um "Scheichklinik"

Im Streit um die Zukunft des innerstädtischen Flughafens Tempelhof beharrt die rot-rote Koalition auf ihren Schließungsplänen. Die CDU sieht dadurch über tausend Arbeitsplätze und Millionen-Investitionen gefährdet.

Berlin - SPD-Verkehrsexperte Christian Gaebler wies die Kritik der Berliner CDU und der Industrie- und Handelskammer (IHK) am Ende des dortigen Flugbetriebs scharf zurück. Deren Argumentation sei "inhaltlich falsch und riskant", da hierdurch die Pläne für den Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) gefährdet würden, sagte Gaebler. Während die Linkspartei/PDS sich der Position Gaeblers anschloss, erneuerte die CDU ihre Vorwürfe.

"Es wird mit jedem Tag deutlicher, dass der rot-rote Senat den Flughafen Tempelhof 2008 völlig ohne Not schließen will", sagte der CDU-Verkehrsexperte Rainer Ueckert. Die 350-Millionen-Euro-Investition und mehr als 1000 Arbeitsplätze würden "einfach in den Wind geschlagen."

Ueckert bezog sich damit auf die Pläne der Unternehmer Fred Langhammer und Ronald Lauder, die den Flugbetrieb in Tempelhof eingeschränkt aufrechterhalten und für 350 Millionen Euro im Flughafengebäude ein Gesundheitszentrum mit Hotel, Schulungszentrum und Gewerbe einrichten wollen. Sie hatten Ende Februar in einem offenen Brief damit gedroht, ihr Projekt auf Eis zu legen, wenn es kein positives Signal aus der Politik gäbe. Auf das Ultimatum hatte der Senat gelassen reagiert. Der Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), Eric Schweitzer, und CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger hatten daraufhin den Umgang des Berliner Senats mit den beiden Investoren scharf verurteilt.

Gaebler: Nutzungspläne unabhängig von Schließung

Nach Auffassung Gaeblers sind die Pläne der Investoren für die Nutzung des Flughafengeländes auch unabhängig von der Aufrechterhaltung des Flugbetriebs durchführbar. Es gehe im Kern lediglich um die Vermarktung des Standorts Tempelhof, sagte er.

Der Gesundheitsexperte der Linkspartei/PDS, Wolfgang Albers, stellte dagegen das Konzept der Investoren in Frage. Eine Annahme von 6000 Privatpatienten, die zur Behandlung nach Tempelhof kommen sollen, sei kritisch zu betrachten. Die Planer der "Scheichklinik" hätten zudem die Entwicklung des Berliner Gesundheitsstandorts nicht im Blick. Es gebe seit längerem in Berlin entsprechende Initiativen von anderen Betreibern.

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg hatte Mitte Februar die Schließung des defizitären innerstädtischen Airports zum 31. Oktober 2008 bestätigt. (Von Michaela Zin Sprenger und Jörn Meyn, ddp)

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