• Forderung des Bahnkundenverbands: Auf der „Städtebahn“ sollen wieder Züge fahren

Forderung des Bahnkundenverbands : Auf der „Städtebahn“ sollen wieder Züge fahren

Der Bahnkundenverband fordert den Wiederaufbau der Brandenburgischen Städtebahn, die seit Jahrzehnten stillgelegt ist.

Nur im Asphalt der Bundesstraße 102 liegen noch die Gleise der "Städtebahn" noch. Ansonsten hat ein Schrotthändler sie abgebaut.
Nur im Asphalt der Bundesstraße 102 liegen noch die Gleise der "Städtebahn" noch. Ansonsten hat ein Schrotthändler sie abgebaut.Foto: Jörn Hasselmann

Angesichts der jüngsten finanziellen Zusagen des Bundes für den Nahverkehr fordert der Deutsche Bahnkundenverband (DBV) den Wiederaufbau der Brandenburgischen Städtebahn. Diese Strecke führte einst von Treuenbrietzen über Belzig, Brandenburg (Havel) und Rathenow nach Neustadt (Dosse), also in einem weiten Bogen durch das westliche Brandenburg.

Die größeren Orte liegen an Bahnstrecken, die von Berlin aus nach Hamburg, Magdeburg und Dessau führen. Zwei Abschnitte der Städtebahn wurden nach der Wende stillgelegt, das südliche Ende bis Treuenbrietzen für den Personenverkehr bereits in den 60er Jahren durch die DDR. Befahren wird heute nur noch das mittlere Stück zwischen Brandenburg (Havel) und Rathenow, die RB51 fährt stündlich, die Fahrtzeit beträgt etwa 40 Minuten.

In der vergangenen Woche hatte der Bundestag das geänderte Gemeinde-Verkehrsfinanzierungsgesetz verabschiedet. Im Rahmen des Klimapaketes hatte die Bundesregierung beschlossen, die Regionalisierungsmittel für die Länder von 2020 an bis 2023 zu erhöhen, um den öffentliche Personennahverkehr attraktiver zu machen.

[Auf Berlins wichtigster Pendlertrasse fallen im Frühjahr die Züge des RB14 und RE6 aus. Und nicht nur die sind fünf Wochen lang betroffen - auch der RE2. Hier die Baustellenpläne zwischen Nauen und Berlin-Spandau im Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel]

"Die Trasse der einstigen Brandenburgischen Städtebahn ist auf ihrem westlichen Abschnitt Treuenbrietzen – Belzig – Brandenburg (Havel ) vollständig vorhanden", teilte der DBV mit. Der Wiederaufbau würde "eine neue, durchgehende Verbindung vom Süden des Landkreises Potsdam-Mittelmark in die Kreisstadt Belzig bedeuten und auch zur Stärkung des Tourismus im Fläming beitragen", hieß es weiter.

Tatsächlich ist die Strecke nicht nur abgebaut, sondern teilweise auch für den Eisenbahnverkehr "entwidmet". Dies ist eine Hürde für einen Wiederaufbau. Die Abschnitte nach Neustadt (Dosse) und von Brandenburg nach Belzig waren 2003 stillgelegt worden, da kaum noch Fahrgäste mitfuhren.

Das Einfahrtssignal vor dem Bahnhof Golzow hat sich erhalten. Die Schienen sind längst weg.
Das Einfahrtssignal vor dem Bahnhof Golzow hat sich erhalten. Die Schienen sind längst weg.Foto: Jörn Hasselmann

Das Gebiet ist sehr dünn besiedelt und die Bahnhöfe liegen teilweise außerhalb der Ortschaften. Die beste Auslastung hatte es zuletzt zwischen Brandenburg und Golzow gegeben. Deshalb sei dieses Stück der "Kandidat ganz oben für den Einstieg" in den Wiederaufbau. Karsten Müller, der Vorsitzender des Regionalverbandes des DBV sagte: „Die Stilllegung war ein schwerer Fehler." Bei einer Förderhöhe von 90 Prozent für die Reaktivierung bestehe nach 20 Jahren die Chance, diesen Fehler rückgängig zu machen.

Nahverkehrsfans bewerten die Idee überwiegend ablehnend, weil die Nachfrage - weitab von Berlin - sehr gering sein dürfte.

Das Empfangsgebäude der Städtebahn in Belzig
Das Empfangsgebäude der Städtebahn in BelzigFoto: Jörn Hasselmann

Bislang ist in Brandenburg nur eine Strecke wieder in Betrieb genommen worden, und zwar Ende 2018 zwischen Joachimsthal und Templin. Zunächst bis 2021 ist die Finanzierung gesichert. Die Zahl der täglichen Fahrgäste soll sich in dieser Zeit von 150 bis 300 verdoppeln, dies ist Voraussetzung für den dauerhaften Betrieb auf der Strecke.

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