Fotokünstler Harf Zimmermann : "Ich wollte wieder in einen richtigen Kiez"

Vor einem Jahr zeigte Harf Zimmermann Fotos aus der Hufelandstraße zu DDR-Zeiten. Nun ist er selbst nach Prenzlauer Berg gezogen. Ein Interview.

Harf Zimmermann mit seiner Linhof-Kamera in der Hufelandstraße in Prenzlauer-Berg
Harf Zimmermann mit seiner Linhof-Kamera in der Hufelandstraße in Prenzlauer-BergFoto: Thilo Rückeis

Vor einem Jahr haben Sie in der Galerie C/O Berlin eine Ausstellung mit Fotos aus der Hufelandstraße gezeigt, die Sie zu DDR-Zeiten mit einer Plattenkamera aufgenommen hatten – ein Riesenerfolg. Nun sind sie gerade von Mitte in die Hufeland gezogen. Ein Zufall? 

Es war im wahrsten Sinne eine Rückkehr zu den Wurzeln, ich wohnte ja von 1980 bis 1990 dort. Mein Atelier ist schon seit 2014 wieder gleich um die Ecke, nun wollte ich ganz wieder zurück. Mitte hatte sich nach 26 Jahren für mich erledigt, ich wollte wieder in einen richtigen Kiez .

Und den finden Sie wirklich an der Hufelandstraße?

Ja, ganz wunderbar. Hier trifft man Leute, die ihrem Leben nachgehen, nicht nur Flaneure wie in Mitte, die unterwegs für Kaffee, Kuchen und Kunst sind. Man merkt, dass sich die Menschen hier zu Hause fühlen, sich mit Ihrem Viertel identifizieren. Ich glaube, ich habe mit meiner Ausstellung ein wenig mitgeholfen, dass auch die neuen Bewohner ihren Kiez als etwas Besonderes wahrnehmen.

Die Hufelandstraße - 1987 und heute
Sie ist eine typische Straße in Prenzlauer Berg: die Hufelandstraße. Der renommierte Fotograf Harf Zimmermann hat sie porträtiert: 1987 und jetzt. Für diese Aufnahmen wurde er mit dem Lead Award in der Kategorie Fotoreportage des Jahres ausgezeichnet.Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: Harf Zimmermann
03.10.2010 12:40Sie ist eine typische Straße in Prenzlauer Berg: die Hufelandstraße. Der renommierte Fotograf Harf Zimmermann hat sie porträtiert:...

Was hat sich verändert im Vergleich zu früher – im Positiven wie im Negativen? 

Positiv ist auf jeden Fall, dass die Häuser gerettet sind. In den 80ern war die schöne Substanz ja schwerstgefährdet. Schade ist, dass viele Leute von damals nicht mehr hier wohnen. Andererseits sind auch viele interessante Menschen dazugekommen.

Treffen Sie überhaupt noch alte Bekannte? 

Ja. Da ist zum Beispiel Werner Dorow, früherer Meister in einem staatlichen Betrieb für Elektrogeräte. Durch die Ausstellung bei C/O Berlin haben sich zudem viele Weggezogene bei mir gemeldet.

Apropos. Was passiert mit Ihren Fotos, die ja ein einmaliges Stück Zeitgeschichte sind? 

Ich verkaufe sie in Editionen an Sammler und natürlich an Leute, die eine Beziehung zur Hufelandstraße haben, damals oder jetzt. Am liebsten würde ich sie noch einmal in der Straße selbst ausstellen. Wenn möglich, genau an den Orten, an denen sie auch gemacht sind, also beispielsweise in den Schaufenstern der Geschäfte, die ich damals fotografiert habe. Es muss auch eine Neuauflage des Buches zu Ausstellung gedruckt werden, denn die erste war nach acht Wochen vergriffen. Für all das brauche ich natürlich finanzielle Unterstützung. Wer weiß, vielleicht meldet sich ja einer der heutigen Geschäftsinhaber bei mir.

Spaziergang durch die Hufelandstraße in den 80erJahren
Angetreten zum Porträt. Der Bäckermeister mit Belegschaft vor der Nummer 27. Heute ist dort „Woodstock“, ein Geschäft für Stoffe.Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: Harf Zimmermann
25.04.2017 18:20Angetreten zum Porträt. Der Bäckermeister mit Belegschaft vor der Nummer 27. Heute ist dort „Woodstock“, ein Geschäft für Stoffe.

Harf Zimmermann, geb. 1955, ist Fotokünstler und war Mitgründer der legendären Bildagentur Ostkreuz

Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-c.hoenicke@tagesspiegel.de

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