Franziska Giffey zu Besuch in Berlin-Marzahn : Law-and-Order in der Kita

Eben noch schlug sich Franziska Giffey in Neukölln mit Clans und Rasern herum, jetzt kämpft sie als Familienministerin für mehr Lohn für Erzieher. Das kommt gut an.

Max Polonyi
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) in der Kita "Abenteuerland" in Berlin-Marzahn.
Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) in der Kita "Abenteuerland" in Berlin-Marzahn.Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Das ist gleich zu Anfang ein bisschen unangenehm für Bildungssenatorin Sandra Scheeres: Gerade eben verteilte sie gemeinsam mit Franziska Giffey Bücher an Kinder in einer Kita in Marzahn, und jetzt kommt sie nicht einmal mit aufs Foto. „Ich bin die Franziska“, hatte Giffey zu den Kindern gesagt, und „hier für euch, aus dem Kinderministerium“, als sie den Kleinen die Bücher gab. Und dann knipsen die versammelten Fotografen auch schon los, die neue Familienministerin umringt von Kindern, gutes Motiv. „Komm doch mit aufs Foto, Sandra“, sagt Giffey noch, aber zu spät. Scheeres winkt ab und lächelt das weg.

140 Kinder werden in der Kita "Abenteuerland" betreut

Die beiden Sozialdemokratinnen besuchen an diesem Gründonnerstag die Kita „Abenteuerland, die vom Bund für ihren Sprachschwerpunkt gefördert wird. Rund 140 Kinder werden hier betreut, in einem Neubau aus dem Jahr 2000 inmitten der Hochhaussiedlung. Drinnen eigelbfarbene Wände, kleine Jackenhäkchen mit Namensschildern in den Fluren, die Kinder haben Osterschmuck gebastelt - die Kita hat sich rausgeputzt für die Ministerin und die Senatorin.

Noch vor wenigen Wochen wären zu so einer Veranstaltung nicht so viele Journalisten erschienen, wäre Scheeres hier die Protagonistin gewesen. Noch vor wenigen Wochen hat sich Franziska Giffey als Bürgermeisterin von Neukölln mit kriminellen Clans und Autorasern rumgeschlagen, hat Sicherheitspersonal an Schulen durchgesetzt, hat sich dabei einen guten Ruf erarbeitet, Multikulti trifft Law-and-Order.

Jetzt ist sie frischgebackene Bundesfamilienministerin. Und deshalb ist der Ortstermin in der Kita „Abenteuerland“ ein bundespolitischer Termin, und Giffey steht im Mittelpunkt des Interesses. Hier kann sie auf Marzahner Bühne ihren ersten großen Agendapunkt präsentieren: mehr Qualität in den Kitas, mehr Lohn für Erzieher. Das gefällt auch den Mitarbeitern im „Abenteuerland“. Es ist ein Termin wie aus dem Bilderbuch für Giffeys Einstand.

Mit Stöckelschuhen über den Spielplatzsand

Weiter geht’s, runter ins Erdgeschoss und einmal über den Spielplatz ins Nebengebäude. Die Ministerin, Hochsteckfrisur, SPD-roter Blazer und schwarzer Stiftrock, ist viel zu kalt angezogen für den Berliner Osterregen. Ihre Stöckelschuhe sind nicht das Richtige für den Spielplatzsand, aber Giffey balanciert das terrainsicher aus. Es gibt jetzt ein Gespräch mit den Erziehern. Was läuft falsch, wo sind Probleme?

Die Kita-Angestellten erzählen von zu großen Kindergruppen, zu wenig Zeit, sie wünschen sich mehr logopädische Fachkräfte. Giffey hört zu und nickt. Keiner fordert bessere Bezahlung, vielleicht traut es sich niemand. Die Ministerin nimmt ihnen dieses Thema ab: „Es darf nicht sein“, sagt sie, „dass junge Menschen in Deutschland sich überlegen müssen, ob sie es sich leisten können, Erzieher zu werden.“ Die Erzieher lächeln und nicken ihr zu. Keine Widerworte, alles nach Plan.

Gerade als die Ministerin nochmal für die Kameras betont, dass sie sich sehr bemühen wolle für die Erzieher und die Kitas in Deutschland, knipst einer das Licht im Raum aus, mitten im Satz. Kurz Stile, keiner handelt, bis die Ministerin selbst die Initiative ergreift. „Mach’s Licht doch einfach wieder an“, sagt sie, und man hört dabei ganz kurz den Zungenschlag aus Neuköllner Zeiten. Und dann beginnt sie den Satz neu für die Kameras. Auf Hochdeutsch. 



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