Berlin : Frauen kommen mit Macht

Die Chefetage der Männerdomäne Bauverwaltung ist jetzt ausschließlich weiblich besetzt

Matthias Oloew

„Ich möchte Sie ermuntern, Macht auszuüben“, erklärte die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer kürzlich auf einem Empfang eines Frauen-Netzwerks: „Das ist nichts Ehrenrühriges.“ Angesprochen waren Frauen, die allesamt in der Immobilienbranche arbeiten. Traditionell sind der Bau, die Architekturbüros oder die Bauverwaltung noch eine Männerdomäne. Das könnte sich ändern. Junge-Reyer jedenfalls forderte die Frauen auf: „Nehmen Sie Einfluss auf die Gestaltung der Stadt und ich bitte Sie sehr herzlich, das mit mir zu tun.“

Das wird den Frauen aus der Baubranche jetzt leichter fallen. Denn Junge- Reyer hat die männliche Vormacht in ihrer Verwaltung gebrochen. Seit Donnerstag ist auch der letzte politische Führungsposten in ihrem Haus mit einer Frau besetzt. Regula Lüscher hat das Amt der Senatsbaudirektorin übernommen. Am morgigen Dienstag wird sie zum ersten Mal in der Amtsleitungs-Runde mit Senatorin Ingeborg Junge-Reyer sowie den Staatssekretärinnen Hella Dunger-Löper und Maria Krautzberger zusammensitzen.

Doch auch außerhalb der Büros von Senatorin und Staatssekretärinnen ist in der Führungsetage im 14. Stock der Verwaltung an der Württembergischen Straße kaum noch ein Mann zu finden. Dort arbeiten nur noch zwei Männer, allerdings in untergeordneten Positionen. Kürzlich ist mit dem Referenten der Staatssekretärin Dunger-Löper der letzte Mann in der Chefetage gegangen. So sind die Büros der Senatorin, der Staatssekretärin Dunger-Löper und auch die Pressestelle fest in weiblicher Hand.

„Ich habe mir Frau Lüscher nicht ausgesucht, weil sie eine Frau ist“, sagt Junge-Reyer. Für die Neubesetzung des Amts hat sie sich Zeit gelassen, traf sich abends, wenn alle ihre Büros verlassen hatten, am Dienstsitz der Senatsbaudirektorin Am Köllnischen Park zu vertraulichen Bewerberinnengesprächen. Dass die Führungspositionen in ihrem Haus mit Frauen besetzt werden müssen, „ist nicht unbedingt mehr nötig“, sagt sie, bekennt aber auch: „Ich freue mich, dass alle vier Posten jetzt Frauen innehaben.“

Der Grund dafür sind die Erfahrungen, die Junge-Reyer gemacht hat. Etwa bei Konferenzen der Verkehrsminister: Die Standard-Anrede laute „meine Herren“. Junge-Reyer: „Das klingt immer komisch.“ Oder bei einem ihrer ersten Auftritte als Senatorin anlässlich einer Grundsteinlegung. „Gell, Frau Senatorin“, zitiert sie einen der Bauherren aus Bayern, als sie mit Speis und Kelle hantierte, „das geht doch wie’s Kuchenbacken.“

Was machen die Frauen an der Spitze der Stadtentwicklungsbehörde also anders? Nicht viel, meint die Senatorin, insbesondere nicht, was Klatschen und Tratschen angeht („Eine Fähigkeit, zu der Männer selbst außerordentlich neigen“), aber auch nicht, was die Stadtplanung betrifft („Männer können das schließlich auch“). „Berlin ist eine Stadt der Frauen“, sagt Junge-Reyer, „und muss dies erhalten.“ Frauen achteten darauf, dass man Einkäufe nicht nur mit dem Auto erledigen könne, seien an kurzen Wegen und einem attraktiven Nahverkehr interessiert. „Ich möchte, dass Frauen nicht nur mitgestalten, sondern maßgeblich gestalten“, sagt Junge-Reyer. Die Basis dafür hat sie in ihrem Haus gelegt.

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