Freiwilligentage in Berlin : Hertha-Fans räumen am Olympiastadion auf

Berlin macht wieder „Gemeinsame Sache“: Hertha-Fans machen sauber. Die „Grünen Bienen“ des Berggruen-Gymnasiums tun es ihnen auf dem Fürstenplatz gleich.

Hertha-Fans beim Aktionstag am Olympiastadion.
Hertha-Fans beim Aktionstag am Olympiastadion.Foto: Kathrin Zauter/Paritätischer Wohlfahrtsverband

Wie lange das Bettgestell mit verwitterter Matratze schon in einem Gebüsch nahe dem Olympiastadion gelegen hat, konnten die Müllsammler nur raten. Vielleicht hatte jemand darauf vor einem Konzert übernachtet.

Doch zumindest für ein Relikt des Festivals Lollapalooza am vorigen Wochenende wirkte das Bett viel zu alt. Es war der größte Fund der mehr als 100 Helfer beim „Gemeinsame Sache“-Aktionstag am Freitag.

Sie folgten einem Aufruf des Fußball-Bundesligisten, die Stadionumgebung zu säubern. Allein in der ersten Stunde füllten sie 13 große Säcke. So gut wie alle Helfer waren treue Hertha-Fans – zum Beispiel Sina-Michelle Wagner (17) aus Wedding und Joanna Zikou (19) aus Charlottenburg, die gemeinsam jedes Hertha-Heimspiel besuchen; Sina reist außerdem zu allen Auswärtsspielen.

Die Hertha-Anhänger Marcel Stärke und Steven Driehmel kreuzten stolz ihre Besen in der Luft und erzählten, sie seien Dauerkartenbesitzer. „Zu Auswärtsspielen fahren wir, wenn wir es uns leisten können.“ Hertha servierte nicht nur Getränke und Schnittchen, sondern spendierte jedem Teilnehmer zwei Freikarten für das Heimspiel gegen Paderborn am 21. September.

Auch ein Gruppenfoto mit Klub-Maskottchen „Herthinho“ trug zur guten Stimmung bei. Nur die Hertha-Spieler konnten nicht dabeisein. „Alle sind schon unterwegs zum Auswärtsspiel in Mainz“, sagte Theresa Hentschel-Boese, die Leiterin der „Corporate Social Responsibility (CSR)“-Abteilung des Vereins.

Einsatz für eine saubere Havel

Freiwillige bei der Aktion Saubere Havel in Charlottenburg.
Freiwillige bei der Aktion Saubere Havel in Charlottenburg.Foto: Cay Dobberke

Mit Wathosen liefen Thomas Struppe und Roman Barnowski vom Verband Deutscher Sportfischer durch die Unterhavel an der Großen Steinlanke und bargen Rohre, Flaschen und Plastik. Eine Bootsbesatzung fand unter anderem zwei Plastikstühle, die mitten im Wasser standen, und eine lange Fischreuse samt einer toten Ente darin.

[In unseren Leute-Newslettern berichten wir wöchentlich den zwölf Berliner Bezirken. Die Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Die „Aktion Saubere Havel“ des Meeresschutzvereins „Project Blue Sea“ und des Naturschutzzentrums Ökowerk im Grunewald findet zum achten Mal statt. Erstmals waren rund 15 Mitglieder von Angler- und Fischervereinen unter den insgesamt etwa 50 Helfern. Bei der Müllbeseitigung am Ufer und um den Parkplatz an der Havelchaussee fielen riesige Mengen bunter Plastikblütenblätter auf. „Hier wurde wohl eine Hochzeit gefeiert“, ärgert sich Angelika Heckhausen, die Project Blue Sea in Berlin vertritt. Cay Dobberke

Die Freiwilligen ziehen eine lange Fischreuse aus der Unterhavel.
Die Freiwilligen ziehen eine lange Fischreuse aus der Unterhavel.Foto: Cay Dobberke

Berggruen-Schüler im Einsatz

Mit einer Aufräumaktion in der eigenen Schulmensa begann die Aktion „Grüne Bienen“ vor einem Jahr am Heinz-Berggruen-Gymnasium in Westend. Die Lehrerin Lena Eckart motivierte dafür Sechstklässler, die nicht am Religionsunterricht teilnahmen und so freie Zeit hatten. Bald ging es draußen weiter.

Schüler der fünften Klasse des Berggrün-Gymnasiums in Charlottenburg.
Schüler der fünften Klasse des Berggrün-Gymnasiums in Charlottenburg.Foto: Kai-Uwe Heinrich

An jedem Donnerstag im Schuljahr säubern derzeit 16 „Grünen Bienen“ das Grün auf dem nahen Fürstenplatz. Beim jüngsten Einsatz am Freitag sammelten sie vor allem Zigarettenkippen, Flaschen und Papiertaschentücher auf. Anwohner verdächtigen nicht zuletzt Oberstufenschüler, Kippen in der Parkanlage zu hinterlassen.

[Wer noch mehr über ehrenamtliches Engagement in Berlin erfahren will: Der neue Tagesspiegel-Newsletter Ehrensache erscheint monatlich, immer am zweiten Mittwoch. Hier kostenlos anmelden: ehrensache.tagesspiegel.de]

Durch die Reinigungen habe sich das Verhältnis zur Nachbarschaft stark verbessert, sagt Lena Eckart: „Wir sind mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen.“

Die Lehrerin und ihr Team denken schon weiter, sie wollen ihr Projekt auf weitere Klassenstufen ausweiten.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar