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Freiwilligentage in Charlottenburg-Wilmersdorf : World Cleanup Day 2019 in der Jungfernheide

20 Kubikmeter Müll wurden im Jungfernheidepark gesammelt: Hertha-Fans machten rund um das Olympiastadion sauber. Eindrücke aus Charlottenburg-Wilmersdorf.

Freiwillige beim Cleanup Day im Volkspark Jungfernheide.
Freiwillige beim Cleanup Day im Volkspark Jungfernheide.Foto: privat

Mehr als 50 freiwillige Helferinnen und Helfer sind heute im Rahmen des World Cleanup Days im Volkspark Jungfernheide unterwegs, um diesen vom Müll zu befreien. Im ganzen Park werden Zigarettenkippen, Lebensmittelverpackungen, Taschentücher und Kronkorken aufgesammelt, in Plastiksäcken verstaut und zum Treffpunkt am Wasserturm gebracht. Die Initiatoren der Wirtschaftsjunioren Berlin stellen dort alles an Ausrüstung bereit, was zum Sammeln gebraucht wird. Viele bringen jedoch auch ihre eigene Ausrüstung mit, erzählt eine Helferin. Leider wird im Park immer wieder Sperrmüll abgelagert, beklagt Patrick Heine von den Wirtschaftsjunioren. Jede Woche würden bei der Reinigung des Parks durch das Grünflächenamt mehr als 20 Kubikmeter Müll zusammenkommen. Auch der anliegende Waldhochseilgarten beteilige sich regelmäßig an den Aufräumaktionen, so Heine. 

Ziel der Wirtschaftsjunioren ist es, mit Blick auf den Klimawandel ein Bewusstsein für den eigenen CO2-Abdruck zu schaffen und ein langfristiges Umdenken bei den Unternehmen zu mehr klimafreundlicher Nachhaltigkeit zu schaffen. Dazu sei der heutige Aktionstag nur der Anfang. In Kooperation mit dem Stadtteil und anderen Wirtschaftsvertretern soll ein nachhaltiges Konzept für die weitere Nutzung des Volksparks Jungfernheide erarbeitet werden. Vivien Krüger

Deutsche Bank in Kooperation mit der Stiftung Kinderherz 

Vor dem großen Gebäudekomplex der Deutschen Bank am Ernst-Reuther-Platz schwebt ein riesiges aufgeblasenes rot-weißes Herz. Es steht stellvertretend für jedes der jährlich rund 7000 kranken Kinderherzen in Deutschland. 

Bei der Gemeinsamem Sache veranstaltet die Deutsche Bank an ihrem größten Berliner Standort einen Informationstag für die Stiftung Kinderherz. Vor der Kantine steht ein Tisch mit Informationsmaterial und kleinen Kuscheltierbären, die eine persönliche Widmung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die herzkranken Kinder an einer Schnur um den Hals tragen. Sie werden anschließend in die Intensivstation des Herzzentrums der Charité gebracht, die interessierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bereits im Vorfeld besucht haben.

Nicht nur am heutigen Freiwilligentag, auch an vielen anderen Tagen, darunter im kommenden Dezember, wird die Stiftung Kinderherz mit Benefizaktionen an allen Berliner Standorten der Deutschen Bank zu Gast sein. So würden regelmäßig Spenden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eingenommen werden. Grund für die hohe Spendenbereitschaft ist die fundierte Aufklärung über die Arbeit des Herzzentrums der Charité sowie die genaue Angabe, auf welchem Weg das Geld konkret den herzkranken Kindern zugute kommt, erklärt Christine Schwake, die Vizepräsidentin und Projektmanagerin der Deutschen Bank.

Ein Problem sieht sie darin, dass die herzkranken Kinder keine Lobby haben. Außerdem würden Herzerkrankungen aufgrund der Tatsache, dass sie nicht immer offensichtlich sichtbar seien, in der Bevölkerung nicht so sehr wahrgenommen werden, so Schwake. Daher sei die Arbeit der Stiftung Kinderherz und die Unterstützung für die betroffenen Kinder so wichtig. Die Kooperation sieht es als ihre Aufgabe an, das Thema in der Öffentlichkeit präsenter zu machen. 

Am Ende des Tages wurden bei der Aktion Spenden in Höhe von 2695 Euro in bar eingenommen. Damit soll ein kleiner Beitrag geleistet werden auf dem Weg, die kleinen und großen Herzen ein ganzes langes Leben lang schlagen zu lassen. Vivien Krüger

Kuscheltierbären mit Widmungen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Deutschen Bank für herzkranken Kinder in der Charité
Kuscheltierbären mit Widmungen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Deutschen Bank für herzkranken Kinder in der CharitéFoto: Vivien Krüger

Herbstputz rund um den Leon-Jessel-Park

„Diesmal haben wir sogar einen Stargast“, freute sich Ingrid Lienke vom Wilmersdorfer Verein „Miteinander im Kiez“ bei der Aktion „Herbstputz rund um den Leon-Jessel-Platz“. Damit meinte sie die frühere Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John, die heute Vorstandvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtverbands Berlin ist – des Mitveranstalters unserer Freiwilligentage. „Ich habe hier schon letzte Woche Bänke gestrichen“, erzählte John. Sie wohnt nicht direkt im Kiez um den Platz, aber in der Nähe nördlich des Hohenzollerndamms. Unter den engagierten Anwohnern war auch der gebürtige Inder Dipankar Das mit seinen zwei Kindern. „Dass wir hier sind, hat aber nichts mit Frau John zu tun“, sagte er. Man reinigte unter anderem Grünflächen und den Wasserpilz-Brunnen. Cay Dobberke

Am Leon-Jessel-Platz wird aufgeräumt.
Am Leon-Jessel-Platz wird aufgeräumt.Foto: Cay Dobberke

Der Drache soll wieder glänzen

Zu den Attraktionen auf dem pädagogisch betreuten „Abenteuerspielpatz im Güntzelkiez“ an der Holsteinischen Straße 45 in Wilmersdorf gehört eine vier Meter breite und 2,50 Meter hohe Drachenfigur mit integrierter Sitzfläche, die mit Mosaiken und Glaskugeln verziert ist. Wegen starker Verschmutzung und einiger Schäden konnten Kinder seit einiger Zeit nicht mehr darauf sitzen. Deshalb reinigten zwei Auszubildende und ein Geselle des Gebäudedienstleisters Niederberger die Skulptur nun kostenlos. Diesen Einsatz hatte die Messe Berlin vermittelt, um im Vorfeld der Reinigungsfachmesse „CMS Berlin 2019“ (24. bis 27. September) zu zeigen, „wie wichtig Sauberkeit und Hygiene in allen Lebensbereichen ist“.

Die Helfer setzten chemiefreie und umweltschonende Methoden ein, nämlich ein Vakuumstrahlverfahren, Heißdampf sowie „ganz klassisch“ eine Wurzelbürste und biologisch abbaubaren Seifenreiniger. Die Gebäudereiniger hatten schon in den letzten Jahren an ungewöhnlichen Orten Aktionen gemacht. Gereinigt wurden etwa der weit oben hängende Kronleuchter der Passionskirche am Marheinekeplatz, das Gebiss des größten Sauriers im Naturkundemuseum und im Aquarium die Innenscheibe des Haifischbeckens bei laufendem Betrieb. Dem Spielplatzträger „Nachbarschaftszentrum in der ufa-Fabrik“ gelang es dank Materialspenden auch, beschädigte Mosaike zu ersetzen. Endlich können sich die Kinder wieder wie Drachenreiter fühlen. Cay Dobberke

Bücherstube hübsch gemacht

Die Bücherstube an der Heerstraße 12 in Charlottenburg nimmt gespendete Bücher entgegen und verkauft sie dann gegen Spenden ab 1 Euro pro Stück. Alle Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig. Der Erlös kommt dem Trägerverein „Verein für Integrative Therapeutische Angebote“ (VITA) zugute, der unter anderem betreutes Wohnen für Menschen mit seelischen und körperlichen Behinderungen anbietet. Wenig einladend fand das Team aber bisher eine Außenfläche vor dem Eingang. Mit Fördergeld des Landes konnten quadratische Holz-Pflanzkübel und Blumen beschafft werden. Am Mittwoch machten Vereinsmitglieder zusammen mit weiteren ehrenamtlichen Helfern alles schick und bepflanzten die Kübel. Cay Dobberke

Verschönerung des Umfelds der Bücherstube Heerstraße.
Verschönerung des Umfelds der Bücherstube Heerstraße.Foto: Cay Dobberke

"Bürger für den Lietzensee"

Zu den ältesten Bürgerinitiativen in Charlottenburg und treuesten Teilnehmern bei der „Gemeinsamen Sache“ zählen die „Bürger für den Lietzensee“. Seit 15 Jahren pflegen sie den denkmalgeschützten Lietzenseepark, der 2020 genau 100 Jahre alt wird. Diesmal wurden die Anwohner von CDU-Mitgliedern unterstützt – darunter der Bundestagsabgeordnete Klaus-Dieter Gröhler und die Unternehmerin Carola Zarth, die auch Präsidentin der Handwerkskammer ist. Zuletzt hatten die „Bürger für den Lietzensee“ insbesondere den sich stark ausbreitenden Götterbaum bekämpft. Am Sonnabend aber konzentrierten sie sich auf die Reinigung und Pflege des Grüns am Ufer nahe dem Witzlebenplatz. Cay Dobberke

Gemeinsame Sache 2019 am Lietzensee.
Gemeinsame Sache 2019 am Lietzensee.Foto: Cay Dobberke

Hotel Intercontinental putzt

Warum legt jemand einen alten Röhrenfernseher in ein Gebüsch am Landwehrkanal? Darüber wunderten sich elf Angestellte des Hotels Intercontinental, die das Katharina-Heinroth-Ufer säuberten. Laut Sprecherin Christiane Reisberger verband das Interconti die „Gemeinsame Sache“ mit der eigenen Aktion „Giving for good“ der Hotelgruppe IHG. Deren Mitarbeiter sollen jeweils im September eine gute Tat vollbringen. Für jede spendet die IHG vier Dollar an wohltätige Organisationen. Cay Dobberke

Hertha-Fans räumen auf

Wie lange das Bettgestell mit verwitterter Matratze schon in einem Gebüsch nahe dem Olympiastadion gelegen hat, konnten die Müllsammler nur raten. Vielleicht hatte jemand darauf vor einem Konzert übernachtet.

Doch zumindest für ein Relikt des Festivals Lollapalooza am vorigen Wochenende wirkte das Bett viel zu alt. Es war der größte Fund der mehr als 100 Helfer beim „Gemeinsame Sache“-Aktionstag am Freitag.

Sie folgten einem Aufruf des Fußball-Bundesligisten, die Stadionumgebung zu säubern. Allein in der ersten Stunde füllten sie 13 große Säcke. So gut wie alle Helfer waren treue Hertha-Fans – zum Beispiel Sina-Michelle Wagner (17) aus Wedding und Joanna Zikou (19) aus Charlottenburg, die gemeinsam jedes Hertha-Heimspiel besuchen; Sina reist außerdem zu allen Auswärtsspielen.

Die Hertha-Anhänger Marcel Stärke und Steven Driehmel kreuzten stolz ihre Besen in der Luft und erzählten, sie seien Dauerkartenbesitzer. „Zu Auswärtsspielen fahren wir, wenn wir es uns leisten können.“ Hertha servierte nicht nur Getränke und Schnittchen, sondern spendierte jedem Teilnehmer zwei Freikarten für das Heimspiel gegen Paderborn am 21. September.

Auch ein Gruppenfoto mit Klub-Maskottchen „Herthinho“ trug zur guten Stimmung bei. Nur die Hertha-Spieler konnten nicht dabeisein. „Alle sind schon unterwegs zum Auswärtsspiel in Mainz“, sagte Theresa Hentschel-Boese, die Leiterin der „Corporate Social Responsibility (CSR)“-Abteilung des Vereins.

Hertha-Fans beim Aktionstag am Olympiastadion.
Hertha-Fans beim Aktionstag am Olympiastadion.Foto: Kathrin Zauter/Paritätischer Wohlfahrtsverband

Einsatz für eine saubere Havel

Freiwillige bei der Aktion Saubere Havel in Charlottenburg.
Freiwillige bei der Aktion Saubere Havel in Charlottenburg.Foto: Cay Dobberke

Mit Wathosen liefen Thomas Struppe und Roman Barnowski vom Verband Deutscher Sportfischer durch die Unterhavel an der Großen Steinlanke und bargen Rohre, Flaschen und Plastik. Eine Bootsbesatzung fand unter anderem zwei Plastikstühle, die mitten im Wasser standen, und eine lange Fischreuse samt einer toten Ente darin.

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Die „Aktion Saubere Havel“ des Meeresschutzvereins „Project Blue Sea“ und des Naturschutzzentrums Ökowerk im Grunewald findet zum achten Mal statt. Erstmals waren rund 15 Mitglieder von Angler- und Fischervereinen unter den insgesamt etwa 50 Helfern. Bei der Müllbeseitigung am Ufer und um den Parkplatz an der Havelchaussee fielen riesige Mengen bunter Plastikblütenblätter auf. „Hier wurde wohl eine Hochzeit gefeiert“, ärgert sich Angelika Heckhausen, die Project Blue Sea in Berlin vertritt. Cay Dobberke

Die Freiwilligen ziehen eine lange Fischreuse aus der Unterhavel.
Die Freiwilligen ziehen eine lange Fischreuse aus der Unterhavel.Foto: Cay Dobberke

Berggruen-Schüler im Einsatz

Mit einer Aufräumaktion in der eigenen Schulmensa begann die Aktion „Grüne Bienen“ vor einem Jahr am Heinz-Berggruen-Gymnasium in Westend. Die Lehrerin Lena Eckart motivierte dafür Sechstklässler, die nicht am Religionsunterricht teilnahmen und so freie Zeit hatten. Bald ging es draußen weiter.

Schüler der fünften Klasse des Berggrün-Gymnasiums in Charlottenburg.
Schüler der fünften Klasse des Berggrün-Gymnasiums in Charlottenburg.Foto: Kai-Uwe Heinrich

An jedem Donnerstag im Schuljahr säubern derzeit 16 „Grünen Bienen“ das Grün auf dem nahen Fürstenplatz. Beim jüngsten Einsatz am Freitag sammelten sie vor allem Zigarettenkippen, Flaschen und Papiertaschentücher auf. Anwohner verdächtigen nicht zuletzt Oberstufenschüler, Kippen in der Parkanlage zu hinterlassen.

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Durch die Reinigungen habe sich das Verhältnis zur Nachbarschaft stark verbessert, sagt Lena Eckart: „Wir sind mit vielen Leuten ins Gespräch gekommen.“

Die Lehrerin und ihr Team denken schon weiter, sie wollen ihr Projekt auf weitere Klassenstufen ausweiten.

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