Friedhöfe : Eine goldene Decke aus Laub, die wegmuss

Ein Schauspieler und zwei Pfarrer machen sich für historische Friedhöfe stark – und laden einmal mehr zum Laubharken.

Dem Laub zeigen, was ’ne Harke ist: Mitmacher werden gesucht.
Dem Laub zeigen, was ’ne Harke ist: Mitmacher werden gesucht.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Es ist Zeit. Die Wege und Wiesenstücke auf dem Kirchhof Dreifaltigkeit II sind an manchen der sonnigen Herbsttage beinahe verschwunden, so viel Laub weht der Wind aus den Baumkronen. Sieht hübsch aus, legt eine goldgelbe Decke über die historische Anlage, muss aber weg – und das ist allein von den Friedhofsgärtnern und -mitarbeitern nicht zu schaffen. Deshalb treten die Recher von Kreuzberg wieder in Aktion und zeigen, was ’ne Harke ist: Schauspieler und Rezitator Hans-Jürgen Schatz als vielfach karitativ engagierter Künstler, Pfarrer Jürgen Quandt, Geschäftsführer des Evangelischen Friedhofsverbands Berlin Stadtmitte und sein designierter Nachfolger im Amt, Pfarrer Tillmann Wagner.

Sie wollen am Donnerstag, dem 15. November, zusammen mit möglichst vielen freiwilligen Helfern auf dem Friedhofsgelände, harken, kehren, sammeln – und hoffen wieder auf rege Beteiligung der Tagesspiegel-Leser. Das hat schon zweimal in den vergangenen Jahren bestens geklappt: Erst zusammen werkeln und dann den Arbeitstag in netter Runde im Café Strauß an der Bergmannstraße ausklingen lassen – bei wärmender Suppe, Kaffee und Blechkuchen. Die Stärkung spendiert der Friedhofsverband.

Den Dreien geht es aber nicht nur um die Friedhofs-Ordnung. Sie wollen in der Öffentlichkeit einmal mehr das Bewusstsein schärfen für den drohenden Verfall historischer Grabmale, die nicht weniger sind als Spiegel der Geschichte. Für die Pflege und Erhaltung allerdings fehlt es an Geld.

Immer weniger Menschen werden beerdigt

Hans-Jürgen Schatz setzt sich schon seit Jahren mit der Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe und dem Verein „Denk mal an Berlin“ für die Restaurierung von Grabmalen bedeutender Persönlichkeiten ein, sammelt Spenden, redet mit Politikern, organisiert und hält Benefizveranstaltungen.

Mit eigenem finanziellen Engagement, mit Spendengeldern und mit Unterstützung durch den Bund konnten mittlerweile 13 Gräber auf den Friedhöfen an der Bergmannstraße und am Halleschen Tor gerettet werden, darunter die von Künstlern, Theologen, Wissenschaftlern wie August Wilhelm Iffland, Charlotte von Kalb, Friedrich Daniel Schleiermacher, Karl Lachmann, Philipp Marheineke, Adolph Menzel oder Amalie Wolff.

Für Erhaltung und Pflege „seiner“ Kirchhöfe fehlen Pfarrer Jürgen Quandt zunehmend die Einnahmen aus Friedhofsgebühren und dem Grabpflegegeld. Das liegt auch daran, dass sich die Bestattungskultur verändert: Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Urnenbestattung, die Zahl der anonymen Sammelbestattungen nimmt zu.

Viele verzichten – auch der hohen Kosten wegen – auf ein Grab mit Stein und Inschrift, entscheiden sich zum Beispiel für eine Ruhestätte im Friedwald – für zeitgemäßere Alternativen. Quandt, Wagner und Schatz wollen versuchen, die Friedhöfe als letzte Ruhestätte ins Bewusstsein zu rücken, sie attraktiver zu machen und bürgerschaftliches Engagement anzuregen – und sei es beim Laubharken mitten in einem der großen Freiluftmuseen Berlins.

Die Helfer treffen sich am Donnerstag, 15. November, um 11 Uhr am (Friedhofs-)Café Strauß, Bergmannstr. 42, Kreuzberg. Die Aktion soll etwa zwei Stunden dauern. Bitte festes Schuhwerk mitbringen und Arbeitshandschuhe. Alle Werkzeuge wie Rechen, Besen und Harken werden gestellt.
Anmeldung bitte bis spätestens Mittwoch, 14. November, beim Friedhofsverband Stadtmitte unter Telefon 61 20 27 14 (9 bis 15 Uhr) oder per Mail unter info@evfbs.de

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