Die Notwendigkeit bringt sie zusammen.

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Friedrichshain : Planungen für ein neues Stück Berlin

Die Notwendigkeit, – oder besser: die Not? – bringt sie zusammen: Bezirk und Investor, weil der eine Baurecht will und der andere bezahlbare Wohnungen, und beide mit den Anwohnern, die unter der Wohnungsnot leiden. Friedrichshain- Kreuzberg ist nach Pankow der am stärksten wachsende Bezirk. Im Sanierungsgebiet Traveplatz/Ostkreuz hat sich die Bevölkerung seit 1995 verdreifacht.

„Die bauen jede Lücke zu, trotzdem gibt es keine bezahlbaren Wohnungen für normal Verdienende“, sagt Doreen Schulz. Die junge Mutter ist auf dem Weg ins Kindercafé, die dreijährige Tochter Lilly auf dem Laufrad vorneweg. „Wer einen WBS-Schein hat oder eine Eigentumswohnung bezahlen kann, der findet hier was“, sagt Doreen Schulz. Sie und ihr Mann dagegen, die beide berufstätig sind und das berlinüblich niedrige Einkommen beziehen, seien „gekniffen“.

Bürgermeister Schulz, der sozial bewegte Grüne, weiß das auch: „Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist das Ergebnis von zehn verlorenen Jahren“, sagt er mit Blick auf die SPD-geführte Senatsbauverwaltung. Diese habe die Realität des Wohnungsmarktes „verleugnet“. Andererseits erfüllt auch Schulz nicht alle Erwartungen. Größere Wohnungen für Familien mit mittleren Einkommen fehlen in Friedrichshain. In fast allen Baulücken entstehen Eigentumswohnungen, auch in den nahe gelegenen Gebieten Revaler Spitze, Rummelsburger Bucht oder Alter Schlachthof. „Eigentlich sind wir mal dran“, sagt ein Anwohner mit drei Kindern, der bis zu zehn Euro warm pro Quadratmeter für eine Mietwohnung bezahlen würde – aber nichts findet.

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1 von 17Grafik: TSP/Bartel
09.03.2012 15:16Mediaspree: Die Neubauvorhaben

„Wenn es was Schickes und Nobles ist, wird es attackiert“, warnt ein Mitarbeiter des Copyshops an der Boxhagener Straße mit Blick auf das gegenüberliegende Baufeld. Der Farb- und Teer-Angriff auf das Almodovar-Hotel in der Holteistraße ist noch nicht vergessen. Und beim Gedenkmarsch für den ermordeten Hausbesetzer Silvio Meier unkten sogar Polizisten, dass auch dieses Gebiet bald zur Zielscheibe linksradikaler Aktionisten werden könnte. Das Quartier sei eben „stark alternativ besetzt“, sagt Vereinsvertreter Tramp. Früher habe es hier Lücken und Freiräume gegeben, wo mal ein Zirkuszelt aufgestellt wurde oder sich Initiativen entfalten konnten. „Je enger es wurde, desto härter wurden auch die Auseinandersetzungen“, sagt Tramp. „Instabil“ nennt Bezirksbürgermeister Schulz die Lage in der Rigaer Straße sogar, wo früher viele Häuser besetzt waren und heute noch an manchen Wochenenden Lagerfeuer entzündet werden, mitten auf Kreuzungen.

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