Frühere Abhörstation im Grunewald : Bauaufsicht sperrt Ruine auf dem Teufelsberg

Auf dem Trümmerberg im Grunewald darf das Hauptgebäude der Ex-Abhörstation nicht mehr betreten werden. Ein Gutachter meldete Sicherheitsmängel.

Cay Dobberke
Auszeit. Solche Besuche in der Ex-Abhörstation sind nun vorerst verboten, zumindest im Bereich der alten Antennenkuppeln.
Auszeit. Solche Besuche in der Ex-Abhörstation sind nun vorerst verboten, zumindest im Bereich der alten Antennenkuppeln.Foto: Cay Dobberke

So ein Schild sieht man selten: „Aufgrund von Neid und Missgunst“ habe das Bauamt das Hauptgebäude der einstigen Abhörstation auf dem Teufelsberg sperren müssen, lesen Besucher derzeit am Eingang der Ruinenlandschaft im Grunewald. Der Rest des Geländes mit kleineren Nebengebäuden ist noch geöffnet, der Eintrittspreis wurde von acht auf fünf Euro gesenkt. Tatsächlich hat ein Statiker das Haupthaus untersucht und dem Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf schwere Mängel gemeldet. Pächter Marvin Schütte erfuhr davon erst, als „ich zur Bauaufsicht einbestellt wurde“.

Dazu könnten Meinungsverschiedenheiten zwischen den Eigentümern des 4,7-Hektar-Areals geführt haben. Bezirksbaustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) bestätigt, man habe mit der Sperrung auf ein Gutachten reagiert, das von „Miteigentümern aus Köln“ in Auftrag gegeben worden sei. Dort gibt es eine Investorengruppe um den Architekten Hartmut Gruhl. Er ist sich über die Zukunft des Bergs seit Jahren uneins mit weiteren Besitzern um den Architekten Hanfried Schütte aus Bad Pyrmont.

Brandschutzmängel und fehlende Rettungswege

Schüttes Sohn Marvin übernahm im Herbst 2015 die Bewirtschaftung mit Führungen. Zuvor war ein anderer Pächter wegen eines Streits ums Geld herausgeklagt worden. Das anprangernde neue Eingangsschild stamme nicht von ihm, sagt Schütte junior. Demnach muss es ein Mitarbeiter angebracht haben. Am Dienstag will Schütte sich mit Architekten, Statikern und Brandschutzexperten beraten. „Einstürzen wird das Hauptgebäude sicher nicht.“ Im Gutachten gehe es um Brandschutz und den fehlenden zweiten Rettungsweg. Man wolle die Probleme „so schnell wie möglich“ lösen.

Damit das übrige Grundstück bis dahin attraktiv bleibt, denkt Schütte zum Beispiel an „eine Schnitzeljagd und Schatzsuche“. Vom Hauptgebäude sind nur noch das Betonskelett und drei der markanten Antennenkuppeln übrig. Deren weiße Hüllen flattern großenteils zerfetzt im Wind. Außenwände existieren nicht mehr, als Schutz vor Stürzen wurden Gitter installiert. Beliebt wurde der Bau als Aussichtspunkt und wegen der Street-Art-Bilder an vielen Wänden.

Neubauten sind nicht mehr zulässig

Der rund 120 Meter hohe Berg war nach dem Zweiten Weltkrieg aus Häusertrümmern aufgeschüttet worden. Im Kalten Krieg belauschten Amerikaner und Briten in der „Field Station Berlin“ den Militärfunk in Ostblockstaaten. Nach dem Alliierten-Abzug kauften die heutigen Eigentümer das Gelände für 5,2 Millionen D-Mark vom Berliner Senat, um Luxuswohnungen und ein Hotel zu errichten. Doch dieses und andere Projekte scheiterten. Schließlich erklärte Berlin die Bergspitze zum Waldgebiet, in dem nichts mehr gebaut werden darf.

Schütte plant im Haupthaus ein Ausflugscafé und ein Spionagemuseum. Die Finanzierung ist noch unklar. Andernorts auf dem Areal gibt es eine kleine Kaffeebar und einen Grill-Imbiss. Bezirks- und Landespolitiker haben wiederholt Denkmalschutz für die Ruinen gefordert. Einen entsprechenden Beschluss des Landesdenkmalamts (LDA) gibt es aber noch nicht. „Die Denkmaleigenschaft für die einstige Abhörstation auf dem Teufelsberg ist bekannt und anerkannt“, teilte die Senatskulturverwaltung, zu der das LDA gehört, auf Nachfrage mit. „Allerdings ist hier die Abstimmung aller beteiligten Ebenen noch nicht abgeschlossen.“

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