Für ein besseres Berlin : Tagesspiegel sammelt 400 000 Euro

Der Spendenverein "Menschen helfen!" verzeichnet einen neuen Rekord. Am 3. April ist auch die Sozialsenatorin zur Feier geladen. Doch es geht nicht nur um Geld.

Spendenaktion für den "Mädchenladen" in der Reichenberger Straße. Im Bild: Ada, Jessica, Aisha, Safah, Sarah und Melek.
Spendenaktion für den "Mädchenladen" in der Reichenberger Straße. Im Bild: Ada, Jessica, Aisha, Safah, Sarah und Melek.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Frau aus Zehlendorf wird 72, ihre Stimme klingt quicklebendig, begeistert und beseelt. „Sie haben so eine tolle Spendenaktion beim Tagesspiegel, und ich bin in Gedanken bei den Mädchen vom Kottbusser Tor und dem ganzen Team!“ Die Leserin ist eine der Spenderinnen der Tagesspiegel-Weihnachtsaktion „Menschen helfen!“, und sie ist eine besondere Spenderin. Als sie nämlich den Artikel des Autoren Niklas Liebetrau über den Mädchenladen von „Loyal e.V.“ gelesen hat, der am 11. Dezember 2018 erschien, rief sie in der Redaktion an und sagte: „Ich will den gesamten Betrag spenden, damit die nötigen Kosten für Ausflüge, Bücher, Betriebskosten und Staubsauger da sind, also die ganzen 7300 Euro! Damit will ich den Mädchen, dem Team und auch mir selbst eine Weihnachtsfreude machen.“

Und so ist es gekommen. Die Zehlendorferin hat das Geld überwiesen, und am kommenden Mittwoch, 3. April, werden die Mitarbeiterinnen des Hilfevereins aus dem Kreuzberger Kiez eine entsprechende Spenden-Info erhalten. So gern wollte Loyal die Spenderin einladen, sich bedanken, aber die freundliche Dame sagt am Telefon: „Lassen Sie mal gut sein, ich bin in Gedanken und im Gebet bei allen. Ich weiß, wie schwer der Spagat für Kinder zwischen Geliebt-werden-Wollen und Eigenständigkeit ist.“

Die Tagesspiegel-Leserin hat selbst früher einigen Kindern mit Liebe und einem Zuhause auf den Lebensweg geholfen und ist heute glückliche Großmutter. Den Tagesspiegel hatten schon ihre Eltern seit den 1960er Jahren abonniert, „die Zeitung ist Mitglied der Familie“. Und sie habe schon öfter von Projekten gelesen, dann gespendet und auch persönlich geholfen, „als die Computer neu aufkamen, haben wir unsere aussortiert und Jugendprojekten vermacht“.

Diese Geschichte steht stellvertretend für so viele. Seit 26 Jahren gibt es die Tagesspiegel-Spendenaktion „Menschen helfen!“, und viele Leserinnen und Leser identifizieren sich mit ihrer Zeitung, viele User informieren sich im Internet oder über die Newsletter, spenden regelmäßig. In der Regel, und so ist es auch gedacht, in einen großen Topf, aus dem der Spendenverein nach Bedarf effektiv verteilt.

Hilfe für alte Menschen und für suizidgefährdete Jugendliche

Es ist die besondere Verbundenheit, die das ehrenamtliche Team des Spendenvereins so stolz macht und zugleich immer wieder Auftrag ist: Der Stadt Berlin, dem Nachbarbundesland Brandenburg und auch von Naturkatastrophen gezeichneten Menschen im Ausland zu helfen. Einige Leser haben für „Menschen helfen!“ längst Daueraufträge eingerichtet. Wir bekommen sogar Erbschaften oder Testamente vermacht. Und geben das Geld, das Vertrauen, die Nächstenliebe, die Fürsorge für Menschen, die es aus verschiedenen Gründen schwer im Leben haben, an unsere Spendenempfänger weiter.

Diesmal sind das 63 mildtätige oder gemeinnützige Vereine, Verbände, Organisationen, freie Träger, Ehrenamtsinitiativen. Deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und viele Ehrenamtler kümmern sich um Menschen, die sich in Drogen flüchteten. Die keine Heimat mehr haben, räumlich wie seelisch. Deren Familien zerbrachen, die erkrankten.

Der Schwerpunkt von „Menschen helfen!“ 2018/19 liegt auf der Hilfe für alte Menschen, für von sexualisierter Gewalt betroffene Kinder und für suizidgefährdete Jugendliche. Auch alle anderen sozialen Felder werden bedacht.

Am Mittwochfrüh werden bei der Spendenfeier im Tagesspiegel-Verlagshaus auch Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke), Tagesspiegel-Geschäftsführerin Ulrike Teschke sowie Chefredakteur Lorenz Maroldt einen neuen Rekord feiern: 60 000 Euro mehr als bei der vergangenen Runde, über 400 000. Mehr wird aber noch nicht verraten.

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