Berlin : Ganz schön biestig

Letzte Proben für Musical „Beauty and the Beast“ Schönheitsköniginnen als Premierengäste

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Im wahren Leben kommt es natürlich nie vor, dass Frauen ihm einen Korb geben. Musical-Darsteller Kevin Kraus ist groß, durchtrainiert und gut aussehend. Einer, dem das weibliche Geschlecht zu Füßen liegt. Die Rolle des Gaston im Musical „Die Schöne und das Biest“ ist für ihn deshalb eine neue Erfahrung. Warum? Weil ihm darin die hübsche Belle (Leah Delos Santos) eine böse Abfuhr erteilt. Statt in den dunkelhaarigen Recken verliebt sie sich in das optisch fragwürdige Biest (Yngve Gasoy-Romdal). Verstehe das, wer will. Kraus tut es jedenfalls nicht.

Ab Freitag wird sich Kevin Kraus einmal täglich einen Korb holen. Da feiert „Die Schöne und das Biest“ im Theater am Potsdamer Platz vor geladenem Publikum – darunter einem Dutzend Schönheitsköniginnen – die Berlin-Premiere. Erste Deutschland-Station war Oberhausen; 1994 lief das Musical erstmals am Broadway. Das Stück passe gut nach Berlin, findet Theater-Geschäftsführer Ulf Dewald. Ob’s an der Schönheit oder der Biestigkeit der Berliner liegt, ließ er allerdings offen. Wie lange das Disney-Werk in Berlin zu sehen sein wird, soll vom Publikumszuspruch abhängen. Dewald plant bis Herbst, schließlich war schon der gleichnamige Zeichentrickfilm sehr erfolgreich.

Mehr als sieben Millionen Euro hat sich die Produktionsfirma Stage Entertainment das Musical kosten lassen. Ein Großteil des Geldes ist in das aufwändige Bühnenbild geflossen. Aber auch das Theater, in dem bis vor kurzem noch die Blue Man Group residierte, wurde umgebaut. Es erhielt eine neue Bühnensteuerung und eine neue Bestuhlung. Um rechtzeitig zur Premiere fertig zu werden, mussten die Helfer mit den Arbeiten noch während der Berlinale beginnen. Trotz des fortlaufenden Spielbetriebs haben sie es dennoch geschafft.

Geschafft ist auch Barbara Raunegger. Sie spielt in dem Musical die Rolle der Madame Pottine und gehörte schon in Oberhausen zur Bestzung. Drei Stunden lang steht sie als übergroße Kaffeekanne auf der Bühne. Das wäre eigentlich kein Problem, wäre da bloß nicht das Kostüm: Es wiegt fast 20 Kilo und lässt nur wenig Bewegungsfreiheit zu. Aber so ist das eben im Show-Geschäft: An manche Dinge müssen sich die Darsteller erst gewöhnen. hey

Premiere im Theater am Potsdamer Platz am Freitag 19 Uhr. Danach täglich. Tickets ab 30 Euro unter Tel.: 018054444

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