Gegen Hass und Diskriminierung in Berlin : "Wir machen keine Anti-AfD-Demo"

Am Sonntag demonstriert ein breites Bündnis aus Aktivisten gegen Hass und Diskriminierung im Regierungsviertel. Sie wollen auch die AfD überzeugen.

Sophie Krause
Ankündigung der Demo durch Avaaz-Aktivisten am Paul-Löbe-Haus.
Ankündigung der Demo durch Avaaz-Aktivisten am Paul-Löbe-Haus.Foto: dpa/Paul Zinken

Zwei Tage, bevor der neu gewählte Bundestag zum ersten Mal zusammentritt, wollen tausende Menschen mit einem Demonstrationszug durch das Regierungsviertel gegen Hass und Diskriminierung protestieren. „Unabhängig von Aussehen, Herkunft oder Charakter können Hass und Diskriminierung jeden treffen“, sagt der Demo-Initiator Ali Can, der mit seiner Telefon-Hotline für besorge Bürger bekannt wurde. Die Protestaktion beginnt um 12 Uhr am Brandenburger Tor.

Der Lehramtsstudent mit türkischen Wurzeln setzt sich ehrenamtlich für Verständnis und Toleranz ein: „Hass und Diskriminierung können auch deutschstämmige Menschen treffen und sich sogar gegen AfD-Funktionäre richten. Das ist genauso zu verurteilen“, erklärt Can. Der Demo vorausgegangen war ein offener Brief des Kampagnennetzwerkes Avaaz, den über 500.000 Menschen unterschrieben haben.

Darin heißt es: „Sehr geehrte AfD, wir sind die 87 Prozent, die euch nicht gewählt haben.“ Die Unterzeichner rufen zu Vielfalt und Weltoffenheit auf. Weil der Brief online so großen Zuspruch erhielt, wollten die Initiatoren ihr Anliegen nun offline weiterführen. Bei der Versammlungsbehörde seien 10.000 Menschen angemeldet, so ein Avaaz-Sprecher. Man rechne mit mehreren tausend Demo-Teilnehmern.

Die Route der "Demo gegen Hass und Diskriminierung"
Die Route der "Demo gegen Hass und Diskriminierung"Grafik: Tsp / Schmidt

"Unsere Demo ist gelebte Demokratie"

Initiator Can erklärt: „Es werden definitiv Menschen kommen, die ihren Protest gezielt an die AfD richten. Wenn der fundiert ist, also explizit auf den Rassismus der AfD hinweist, dann begrüße ich das sehr.“ Er werde sich dem jedoch nicht anschließen, sondern gegen Hass und Rassismus im Allgemeinen sowie bei anderen Parteien demonstrieren. „Deshalb ist es keine Anti-AfD-Demo“, erklärt Can.

Am Freitag hatte der stellvertretende AfD-Fraktionschef Peter Felser die Demo als einen „Anschlag auf die Demokratie“ kritisiert. Can entgegnet: „Unsere Demonstration ist kein Anschlag auf die Demokratie, sie ist gelebte Demokratie.“ Die Protestaktion richte sich nicht gegen den Einzug der AfD in den Bundestag. Vielmehr solle ein Zeichen gesetzt werden, „dass Rassismus und Diskriminierung jeder Art im Bundestag keinen Platz haben“. Wenn die AfD-Abgeordneten ihre Position überdenken könnten, dann sei eine Versöhnung möglich.

Auch die Menschen, mit denen Can in seiner Hotline spricht, erlebten Vorurteile. Etwa, wenn ein sächsisch sprechender ehemaliger DDR-Bürger nach Aachen fahre und dort aufgrund seines Dialekts und seiner Herkunft Ablehnung erlebe: „Ich unterstelle den Bundestagsabgeordneten, dass sie das genauso verstehen wie die besorgten Bürger. Niemand von uns mag Vorurteile.“

Seine Bewegung wolle deshalb für mehr Vertrauen in der Gesellschaft werben und die Mauern in den Köpfen, die 1989 überlebt hätten, einreißen. Finanziert wird die Kampagne von Spenden sowie den Unterstützern Avaaz und Campact. Momentan sei man 15.000 Euro im Minus, so Can. „Wir hoffen auf weitere Spenden. Sonst muss ich sehr lange arbeiten.“

"Demo gegen Hass und Diskriminierung": Sonntag, 22. Oktober, 12 Uhr am Brandenburger Tor, Platz des 18. März. Musikauftritte unter anderem von Culcha Candela, Ende um ca. 17 Uhr.

Weitere Informationen unter: www.demo-grib.de

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