• „Gemeinsame Sache“ in Lichtenberg: „Wir haben einen guten Kompromiss von Erhalten und Gestalten gefunden“

„Gemeinsame Sache“ in Lichtenberg : „Wir haben einen guten Kompromiss von Erhalten und Gestalten gefunden“

Die Aktiven im „Museum Kesselhaus“ bewahren die Geschichte – und bangen dabei um ihre Zukunft.

Die Aktiven des Kesselhaus-Vereins haben viel bewegt – nun hoffen sie auf eine langfristige Perspektive.
Die Aktiven des Kesselhaus-Vereins haben viel bewegt – nun hoffen sie auf eine langfristige Perspektive.Foto: promo

Direkt vor dem „Museum Kesselhaus“ befindet sich der Müllplatz des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge in Lichtenberg. Schon viele Besucher der unter Denkmalschutz stehenden Backsteinperle wurden vom Anblick irritiert. Ein Müllplatz vor der Haustür: Fluch oder ein Segen? Diese Frage stellen sich die Aktivisten vom Museum Kesselhaus.

Für Freitag, 18. September, rufen sie von 14 bis 18 Uhr zu einer Mitmachaktion auf. Zum einen wird sauber gemacht, zum anderen über Perspektiven der Fläche nachgedacht. Handwerkliche Kreativität für den Bau von einfachen Konstruktionen und gärtnerisches Geschick sind erwünscht.

Die Fragestellung Fluch oder Segen hat für Peter Ameis, Vorsitzender des Fördervereins Museum Kesselhaus Herzberge, eine tiefere Bedeutung: „Was kann man aus alten Materialien, egal ob Holz oder Eisen, neu gestalten – das ist eine spannende Sache. Es ist nicht alles unbrauchbar, was weggeworfen wird.“

Hinter diesen Überlegungen verbirgt sich eine noch viel wichtigere Frage: Ist das alte Kesselhaus, erbaut von 1889 bis 1893, zum langsamen Dahinsiechen verurteilt oder hat es eine blühende Zukunft? Peter Ameis und seine Mitstreiter sind in Sorge um den Fortbestand ihres ambitionierten Projekts. „Wir haben hier einen guten Kompromiss von Erhalten und Gestalten gefunden und wollen nun gern wissen, ob wir hier eine langfristige Sicherheit bekommen.“ Doch bei der Berliner Immobilienmanagement GmbH, die sich um landeseigene Grundstücke und Gebäude kümmert, hält man sich bedeckt.

Nach dem Ende der Nutzung als Kesselhaus für den Klinikstandort Herzberge im Jahre 1992 diente das Gebäude als Lager. Um die Jahrtausendwende kam die Idee auf, den roten Backsteinbau als Museum zu nutzen. Es fanden sich Mitarbeiter aus dem Krankenhaus, die sich für das Projekt engagierten. Im September 2003 nahm das Museum nach dreijähriger öffentlich geförderter Sanierung den Betrieb auf.

Drei Generationen der Heiztechnik werden präsentiert

Zunächst waren die noch vorhandenen Reste der Kessel so instandgesetzt worden, dass sie Besuchern gezeigt werden konnten. Drei Generationen der Heiztechnik aus der Zeit von 1893 bis 1988 werden seither am Originalstandort präsentiert. Die technischen Erläuterungen zur früheren Energieversorgung wurden bald ergänzt mit einer Ausstellung, die Hermann Blankenstein, den Erbauer des Krankenhauses, würdigt.

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Medizinhistorisches Inventar aus dem Spital kam hinzu. Und das Kesselhaus bietet Raum für Veranstaltungen. „Wir verbinden ganz verschiedene Elemente, erinnern an die Vergangenheit, vermitteln Technikgeschichte und geben Künstlern ein kreatives Zuhause.“ Für den 23./24. Oktober ist etwa das Klangkunstfestival „Borsig Amp Fest“ auf drei Bühnen mit 19 Musikprojekten geplant.

Ein Treff für Kreative

Das Museum am östlichen Rand des Krankenhauskomplexes ist zudem ein offenes Haus für Hochzeitsgesellschaften, aber auch für Klinikpatienten, die das Gelände für Spaziergänge nutzen. Der gelernte Historiker Ameis möchte in das Projekt möglichst viele einbeziehen. So wurden über die Jahre Werkstätten für Künstler eingerichtet. Ameis wünscht sich, dass auf Dauer ein Treff für Kreative entsteht, der harmonisch mit dem Hospital verknüpft ist.

Der 13. September, der Tag des offenen Denkmals, steht im Kesselhaus unter dem Motto „Chance Denkmal: Erinnern, Erhalten, Neu Denken“. Am Freitag, 18. September, sind Freiwillige zum Mitgestalten eingeladen, für Getränke und eine kleine Verpflegung ist gesorgt.

Peter Ameis: „Wir freuen uns, wenn viele Berlinerinnen und Berliner zu Besuch kommen und uns kennenlernen möchten. Vielleicht haben einige dann auch Lust, unser Projekt auf die eine oder andere Art zu unterstützen.“

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