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Gemeinsame Sache in Neukölln : Reggea-Klänge im Refugio

Musik erklingt beim Community-Abend. Im Rathaus werden tragbare Aschenbecher verschenkt, bei der Kirchengemeinde Genezareth geht es ums Upcycling.

Leonard Scharfenberg
Tanja Dickert, die Leiterin der Touristinformation im Rathaus Neukölln.
Tanja Dickert, die Leiterin der Touristinformation im Rathaus Neukölln.Foto: Niklas Liebetrau

Der Frauenchor Shechoir folgt auf eine afghanische Folk-Gruppe und einen ghanaischen Reggae-Sänger. Das Musikprogramm auf dem Community-Fest der Organisation “Give something back to Berlin” ist genauso bunt, wie das gespannt lauschende Publikum. Mehr als Hundert Leute sind am Mittwochabend ins Refugio in Neukölln gekommen. Der Abend ist, wie die Geschäftsführerin der Organisation Lucy Thomas erklärt, dazu da, dass sich die Menschen aus den unterschiedlichen Projekten gegenseitig kennenlernen und neue Freiwillige niederschwellig Eintritt in die Projekte finden.

Und natürlich um “gemeinsam einfach Spaß zu haben”, sagt sie. Die junge Neuköllner Organisation hat das Ziel Geflüchtete und Berliner zusammenzubringen. Bis jetzt bietet “Give something back to Berlin” Sprachcafés, Kochen mit der Berliner Obdachlosenhilfe und Englischkurse an. Außerdem gründete sich im Rahmen der Organisation die Musikschule Open-Music-School. Leonard Scharfenberg

Spaziergang durch Rixdorf

„Lasst uns nochmal kurz überlegen, war der Richardplatz gut ausgeschildet, gab es genügend Gehwegbegrenzungen und Bordsteinabsenkungen?“, fragt Alena Kühn. „Nein!“, ist die einstimmige Antwort. Dieser Gang durch das historische Rixdorf ist etwas Besonderes. Das liegt nicht nur an den spannenden Orten, die besucht werden, wie zum Beispiel der Rixdorfer Schmiede, sondern vor allem an den Teilnehmern. Schon seit 2011 bringt das Projekt LieblingsOrte bei Kiezspaziergängen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen, um schöne Orte zu erkunden und echte Teilhabe zu ermöglichen. Teilnehmer heute ist sogar der Bezirksbürgermeister und Schirmherr des Projektes Martin Hikel.

„Ich finde es total spannend, weil sich die Leute selbst ihre Orte aussuchen, die sie gerne besuchen wollen“, sagt er. Dies sei eine Wertschätzung in beide Richtungen, dem Kiez, aber vor allem auch den Menschen gegenüber, die diese besuchten. In mitgebrachten Fragebögen werden Anregungen der Teilnehmenden in Bezug auf Barrierefreiheit gesammelt und anschließend an die Behindertenbeauftragte des Bezirks, Katharina Smaldino, übergeben. Aber dann steht auch wieder die Schönheit und das Erkunden der Umgebung im Vordergrund, und so zuckelt diese bunte Truppe weiter Richtung Comeniusgarten. Niklas Liebetrau

Spaziergang durch Rixdorf mit Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD).
Spaziergang durch Rixdorf mit Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD).Foto: Niklas Liebetrau

Für die Kippe danach

„Viele Menschen waren heute schon hier", sagt Tanja Dickert, die Leiterin der Touristinformation im Rathaus Neukölln. Seit 2015 werden hier Touristen, aber auch Berliner darüber informiert, was man im Bezirk alles anstellen kann.

„Wir versuchen, Gutes zu tun und nachhaltig zu sein.“ Aus diesem Grund informiert Dickert auch über Nachbarschaftsprojekte und ruft zu mehr Umweltbewusstsein auf. Am „Gemeinsame Sache“-Aktionstag am Freitag werden kleine, tragbare Aschenbecher aus Pappe verschenkt, „eine Erinnerung, seine Kippen nicht gedankenlos auf die Straße zu schnippen.“

Daneben will Dickert auch Vorurteile abbauen. „Viele Neuköllner meinen ja, es sind die Touris, die hier alles verschmutzen, aber das stimmt nicht. Daran versuche ich zu appellieren.“ Und so geht sie auf jeden zu, egal ob Tourist oder Einheimischer, und fragt herausfordernd: „Rauchst du? Dann schmeiß deine Kippe bitte nicht auf den Boden!“ Niklas Liebetrau

Fest im Refugio in Neukölln, auf der Bühne: Shechoir.
Fest im Refugio in Neukölln, auf der Bühne: Shechoir.Foto: Leonard Scharfenberg

Hochbeete im Bürgerhaus Neukölln

Schwarze Tomaten, Kiwis und Kürbisse recken sich auf der Dachterrasse des Neuköllner Bürgerhauses dem Himmel entgegen. Die Hochbeete, in denen die Pflanzen wachsen, sind am Samstagmittag neu gestrichen worden. 24 Freiwillige kamen dazu in die Einrichtung des paritätischen Wohlfahrtsverbandes - fünf von ihnen waren sogar zum ersten Mal dabei.

Die Freiwilligen vom Bürgerhaus Neukölln.
Die Freiwilligen vom Bürgerhaus Neukölln.Foto: Detlef Friedenberger

Zusammen haben die Freiwilligen viele Aufgaben rund um das Haus erledigt: Hecken schneiden, Rasen mähen, Fenster putzen. Auch die Landesvorsitzende des Trägers und ehemalige Ausländerbeauftragte von Berlin, Barbara John, kam vorbei.

Am Ende gab es noch ein gemeinsames Mittagessen – mit frisch gepflücktem Gemüse. Leonard Scharfenberg

Akazienbäume wässern wegen Personalnot im Grünflächenamt

Das Akazienwäldchen an der Blaschkowallee ist ein ruhiger, schöner und aufgeräumter Ort. „Das war vor einem Jahr noch ganz anders“, sagt Sebastian Hasse. Immer wieder war dem Neuköllner in BVV-Sitzungen der Personalmangel beim Grünflächenamt aufgefallen. Irgendwann nahm er sich ein Herz und kümmerte sich selbst um den Park.

Aufgrund von Personalnot im Grünflächenamt helfen Freiwillige bei der Bewässerung der Akazienbäume in Neukölln.
Aufgrund von Personalnot im Grünflächenamt helfen Freiwillige bei der Bewässerung der Akazienbäume in Neukölln.Foto: Niklas Liebetrau

Seitdem treffen er und weitere Freiwillige sich jeden Samstag und wässern, wegen der Trockenheit, die Akazienbäume. „Ich will damit ein politisches Statement machen: das Grünflächenamt soll mehr Personal einstellen, das sich um die Sauberkeit und die Bewässerung im Park kümmert.“

Aber natürlich macht er es auch für sich und die Anwohner des Kiezes. „Wir wollen uns doch alle hier wohlfühlen.“ Mit seinen Aktionen, wie der heutigen, konnte Hasse die Anwohner bereits soweit sensibilisieren, dass der Park spürbar sauberer geworden ist. Niklas Liebetrau

Neukölln – Fair & Engagiert

Auf dem Rondell um die Kirchengemeinde Genezareth am Herrfurthplatz fand am Freitag ein Tauschmarkt mit 15 Ständen von Organisationen statt, die sich auf verschiedene Weise für Nachhaltigkeit engagieren: So entwickelt Yeşil Çember zweisprachige, türkisch-deutsche Materialien wie das Umwelt-Wörterbuch.

Der Verein Vincentino setzt an Schulen Kunst- und Medien-Projekte um und „DYCLE“ schlägt einen neuen Weg der Babywindelherstellung vor.

Masken basteln mit dem Verein Kunst-Stoffe e.V. in Neukölln.
Masken basteln mit dem Verein Kunst-Stoffe e.V. in Neukölln.Foto: Corinna von Bodisco

In der Kirche können die Besucher Workshops zum Thema Upcycling und gerettete Lebensmittel besuchen. So türmen sich in einem Raum bunte Materialien auf dem Tisch: "In unserer Zentralstelle in der Rollbergstraße lagern wir viele Dinge, die wir wiederverwenden", erklärt Anna Nonnenmacher von Kunst-Stoffe e.V. Heute bastelt sie mit den Kindern Masken – aus schwer recycelbarem Tetra Pak.

Rund um die Kirchengemeinde Genezareth am Herrfurthplatz fand am Freitag ein Tauschmarkt statt.
Rund um die Kirchengemeinde Genezareth am Herrfurthplatz fand am Freitag ein Tauschmarkt statt.Foto: Corinna von Bodisco

„Nachhaltigkeit hat nicht nur mit der Umwelt, sondern auch viel mit dem sozialen Miteinander zu tun“, weiß Eva Hein. Sie ist Nachhaltigkeitsbeauftragte des Bezirksamtes und wünscht sich, dass im Kiez nachhaltige Gemeinschaften und Engagements entstehen.

Damit sich Freiwillige für Projekte finden, hat das Neuköllner Engagementzentrum einen Papierbaum aufgestellt: Alle die wollen, können ein Engagement ziehen. Corinna von Bodisco

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