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Gemeinsame Sache in Treptow-Köpenick : Aus Altem etwas Neues schaffen

Nachhaltigkeit steht hier im Mittelpunkt. Im Industriesalon wurde fleißig genäht. Die Eindrücke aus Treptow-Köpenik.

Vivien Krüger
Upcycling - Werberbanner werden zu Taschen.
Upcycling - Werberbanner werden zu Taschen.Foto: Niklas Liebetrau

In Schöneweide gibt es für alte Materialien heute ein zweites Leben. Wie das große Industriegebiet der DDR mit Unternehmen wie AEG einst nach der Wende erst zusammenfiel und dann durch Künstler wie Olafur Eliasson und Brian Adams ein zweites Leben bekam, werden hier im Industriesalon heute alte Veranstaltungsbanner zu Taschen und Plakate zu Tischsets verarbeitet. „Wir machen Führungen durchs Industriegebiet, sind Museum, Veranstaltungs- und Begegnungsstätte zugleich“, sagt Büroleiterin Rußwurm. „Wir wollen nachhaltig sein, durch das Nähen entstehen neue Verbindungen, das ist einfach schön.“

Immer wieder steht sie auf, erklärt einer der etwa 15 Damen, wo eine Naht hingehört und was alles mit den Taschen gemacht werden kann. Nachhaltig sein, Dingen eine zweite Chance geben und Verbindungen knüpfen, im Industriesalon wird heute auf vielfältige Weise etwas Neues erschaffen. Niklas Liebetrau

Vorgestern - Gestern - Heute

Die Teilnehmer des Kiezspaziergangs im Kiez Köpenick Nord entlang der Wuhle sind überwiegend schon etwas in die Jahre gekommen und wohnen seit langem hier. Und dennoch nehmen ausgesprochen viele von ihnen heute teil, um zu erfahren, wie sich der Kiez im Laufe der Zeit verändert hat. Organisiert wird der Spaziergang, an dem auch eine Vertreterin der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales teilnimmt, vom Netzwerk Leben im Kiez. „Wir sind hier im Kiez die Anlaufstelle für alle, die Hilfe und Unterstützung benötigen und nicht wissen wo sie diese finden“, erzählt Gründerin, Helga Walter.

Ob es um Hilfe zu Hause beim Putzen oder Kochen geht, oder um Pflegeunterstützung bei Krankheit, das Netzwerk vermittelt. Zudem werden dort auch Weiterbildungen für Ehrenamtliche und auch für Anwohner angeboten. „Wir wollen, dass die Mieter so schlau werden, dass sie selbst ihren Nachbarn helfen können. Zum Beispiel erklären wir, wie man Demenz frühzeitig erkennt“, so Walter. Doch heute geht es in erster Linie nicht ums vergessen, sondern ums Erinnern daran, wie dieser Kiez einst war – vor vielen Jahren. Niklas Liebetrau

Kiesspaziergang: Unser Köpenick Nord, Vorgestern - Gestern - Heute.
Kiesspaziergang: Unser Köpenick Nord, Vorgestern - Gestern - Heute.Foto: Niklas Liebetrau

Aktion: Smoothie-Workshop

Im Kiezclub Alte Schule in Adlershof haben Freiwillige im Rahmen des Projekts Gemeinsame Sache am Mittwoch einen Roten Smoothie und einen Golden Detox Shot gemixt. Ermöglicht wurde der Workshop durch die Zusammenarbeit mit der Kontaktstelle Pflegeengagement und dem Projekt Deli. Die Rezepte für den Rote Beete-Bananen-Granatapfel-Smoothie und den Ingwer-Zitronen-Kurkuma-Kokos-Smoothie stammen vom Projekt Deli, einer gemeinnützigen Gesellschaft, die sich für psychisch kranke Menschen engagiert. Zum Beispiel mit einem Projekt, bei dem zusammen mit geistig beeinträchtigten Menschen verschiedene vegane Pasten hergestellt wurden, die es mittlerweile sogar in manchen Supermärkten zu kaufen gibt. 

Beim Smoothie-Mixen hat Jacqueline Milde vom Kiezclub Alte Schule der rote Smoothie wegen seiner leuchtend roten Farbe und der interessanten Kombination aus Roter Beete und Banane überzeugt. 

Im Kiezclub arbeiten sie nach dem Motto: miteinander, füreinander, erzählt sie. Ob Poetryslam, Herbstfest oder russischer Abend, es sei ein Geben und Nehmen, das sei das Schöne beim nachbarschaftlichen Engagement. Vivien Krüger

Aktion: Smoothie-Workshop.
Aktion: Smoothie-Workshop.Foto: Vivien Krüger

Argumentationstraining zum Umgang mit rechten Parolen  

Was tun, wenn auf der anderen Straßenseite eine Frau von Neonazis rassistisch beleidigt wird? Was, wenn im Freundeskreis jemand den Holocaust verharmlost? Darum ging es heute beim Argumentationstraining in den Räumlichkeiten des Zentrums für Demokratie, das zusammen mit Unterstützung der Initiative ARAS (Antirassistische Bildung an Schulen) abgehalten wurde. „Als erstes haben wir versucht, vertraute Situationen zu sammeln, in denen wir mit rechten Äußerungen konfrontiert wurden aber nicht wussten, was wir sagen sollten“, erzählt Jeannine Löffler, eine der Leiterinnen der Veranstaltung.

Anschließend ging es darum verschiedene Strategien zu entwickeln und diese in praktischen Übungen auszuprobieren. Ein spannender Nachmittag in Treptow-Köpenick, der einerseits die Unsicherheit im Umgang mit Rechten deutlich machte, andererseits aber auch die Motivation, nicht zur schweigenden Masse zu gehören, sondern den Mund aufzumachen und sich zu positionieren. Niklas Liebetrau

Unterstützung der Gartengruppe

Bei Kaffee und Brötchen wird am Mittwochmorgen im Garten des PSV Treptow gejähtet, umgegraben und gepflanzt. Jede Woche treffen sich ehrenamtlich Engagierte und Mitarbeiter, um bei der Gartenarbeit zu helfen. Eigentlich dient der Garten Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Lernbehinderungen. Durch die gemeinsame Arbeit werden die sozialen Kontakte gepflegt und eine externe Tagesstruktur erhalten, erklärt Nicole Katschewitz vom PSV Treptow. Ihr Verein bietet ein betreutes Wohnen und individuelle Unterstützung für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen in allen Lebenslagen.

Der Hinterhofgarten bietet - gerade im Sommer - die Möglichkeit, aus den anliegenden Gruppenräumen herauszutreten, und die frische Luft und entspannte Atmosphäre als Rückzugsort für Gruppen oder Einzelgespräche zu nutzen. Aber auch die Freiwilligen haben etwas davon: Durch die Gartenarbeit sei man unter Leuten und könne sich zudem noch sinnvoll engagieren, erzählt eine Seniorin. Vivien Krüger

Ehrenamtlich Engagierte des Vereins PSV Treptow bei der Gartenarbeit.
Ehrenamtlich Engagierte des Vereins PSV Treptow bei der Gartenarbeit.Foto: Vivien Krüger

Reparieren statt Wegwerfen

Er nennt es „Gedankentüftelei“. Der Bildhauer, der sich jeden zweiten Freitag im Monat im „Café Grenzenlos“ in Alt-Treptow ehrenamtlich engagiert, kann sich gut in Objekte hineinversetzen, diesmal ist eine eine Kuckucksuhr. Das Pendel hatte irgendwie die Verbindung zur Mechanik verloren, nun ist sie wiederhergestellt. Repair-Café nennen sie die Veranstaltung, zu der jeder seine defekten Geräte mitbringen darf. Hauptsächlich Männer sind gekommen.

Die Kunden bringen meistens Küchengeräte oder alte CD-Spieler, sagt Nicole Katschewitz, die das Café leitet. An einem Wasserkocher wird gerade gewerkelt, für einen alten Mixer fehlte leider der richtige Schraubenzieher. „Es kommt ja weniger auf das Reparieren als die Haltung dahinter an“, sagt der Bildhauer aus Kreuzberg. Im Café Grenzenlos arbeiten psychisch labile Menschen, Betreiber ist der Psychosoziale Verbund Treptow. Thomas Loy

Schrauben, kleben, retten. Im Repair-Café wird gebastelt.
Schrauben, kleben, retten. Im Repair-Café wird gebastelt.Foto: Thomas Loy

Blumengrüße und Schmalzbrote

Vor dem historisches Rathaus Friedrichshagen steht ein langer Tisch mit bunten Blumen und Bindegrün. Dahinter stehen etwa zehn Helfer: Sie schneiden, binden Sträuße und verschenken sie an Senioren, die zufällig vorbeilaufen.

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„Wir wollen einen Impuls setzen, um Menschen Freude zu machen“, sagt Simone Ulrich-Bochmann. Seit sechs Jahren helfe sie bei der Aktion der Sozialstiftung mit. Einen Bringservice gibt es auch: Wolfgang Weiß lädt dafür eine Kiste Sträuße auf sein Fahrrad und fährt sie an private Adressen.

Bestellt wurden Blumen für etwa 130 Sträuße, da ist in zwei Stunden einiges an Binde- und Verschenkarbeit zu tun. Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Gernot Klemm verschenkt beim "Gemeinsame Sache"-Aktionstag auch mit, Ehrenamtsförderung „wird im Bezirk groß geschrieben“. Corinna von Bodisco

Die Helfer schneiden und binden Sträuße und verschenken sie an Senioren, die zufällig vorbeilaufen.
Die Helfer schneiden und binden Sträuße und verschenken sie an Senioren, die zufällig vorbeilaufen.Foto: Corinna von Bodisco

Unsere Flure werden bunt

Im Haus Hebron in Treptow-Köpenick ist man an diesem Nachmittag müde aber auch sehr zufrieden. „Wir haben schon echt richtig geackert“, sagt Sozialarbeiterin Jessica Güneri.

Vier Freiwillige von der Berliner Sparkasse haben sich heute hier zusammengefunden, um zusammen mit ihr die Flure des Hauses in einem freundlichen Grün zu streichen. Das Haus Hebron ist ein sozialarbeiterisches und ambulant pflegerisches Wohnprojekt für Wohnungs- und Obdachlose. Die Sparkasse stellt schon seit 2014 jedes Jahr eine große Gruppe von Mitarbeitern frei, damit diese sich sozial engagieren können. Niklas Liebetrau

Im Haus Hebron in Treptow-Köpenick werden die Flure bunt angestrichen.
Im Haus Hebron in Treptow-Köpenick werden die Flure bunt angestrichen.Foto: Niklas Liebetrau

Alle für das Herbstfest

Beim Kiezclub Vital im Myliusgarten hat das „Stullenkommando“ am Freitag ordentlich geschmiert: „Schmalzbrote mit Gürkchen zur Stärkung für die Freiwilligen“, erklärt Ingrid Dedeleit. Im Hof des Kiezclubs Vital werkeln die Helfer, bauen Pavillons auf, bringen Kaffee, Grillgut und Instrumente.

Der "Gemeinsame Sache"-Aktionstag beim Kiezclub Vital.
Der "Gemeinsame Sache"-Aktionstag beim Kiezclub Vital.Foto: Corinna von Bodisco

Alles für das große Herbstfest, bei dem sich die Leute der zahlreichen Kiezclub-Gruppen von Yoga über Spanisch bis zur Hockergymnastik zum Feiern treffen.

Georg Stieler hilft seit vier Jahren überall im Club mit – vom Kaffee ausschenken bis zur Türschlossreparatur. „Wir sind für die Menschen im Kiez da, bieten ihnen einen Treffpunkt“, sagt die Leiterin Anke Westphal. Auf die Musik der „Volksmusik Oldies“ und des australischen Sängers Andrew Carrington freuen sich schon alle. Corinna von Bodisco

Spielen, basteln, backen mit Kids aus dem Kiez

Freiwillige beim Waffel- und Sandwichbacken beim Hoffest im Bohnsdorfer „Heim und Kiez“.
Freiwillige beim Waffel- und Sandwichbacken beim Hoffest im Bohnsdorfer „Heim und Kiez“.Foto: Corinna von Bodisco

Alice steht hinter dem Waffeleisen und alle Bewohner wollen eine haben. Die 27-Jährige engagiert sich beim Hausfest, seit einem halben Jahr wohnt sie im Bohnsdorfer „Heim und Kiez“ des Unionhilfswerks in der Dahmestraße.

Falls sie mal umziehe, wäre „eine Kommune toll“, meint sie. Ein bisschen Kommune ist das Wohnheim ja auch: Wohnungslosen Menschen wird dort ein Obdach zur Verfügung gestellt.

Aktuell seien es etwa 80 Bewohner, darunter viele Familien, erzählt die Organisatorin Melanie Büchner. Dank der Interessengemeinschaft zur Förderung junger Menschen und Peter Sonnenberg konnte das Fest finanziert werden.

Zehn Bewohner halfen bei der Vorbereitung, darunter André Machajewski. Er finde es schade, dass bald in ein betreutes Wohnen zu ziehen, „weil ich so gut mit den Leuten hier klarkomme“. Doch heute ist erst mal Tischtennis, Beutel bemalen und Waffelessen angesagt. Corinna von Bodisco

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