Genickbruch ohne Betäubung : Tierschützer belasten Geflügelzüchter von Wiesenhof

Ein Video zeigt schockierende Bilder von misshandelten Hühnern, der Landwirt produziert für "Wiesenhof". Nun reagiert die Firma und beendet den Vertrag.

Bilder aus einem Video auf www.soko-tierschutz.org über Wiesenhof.
Bilder aus einem Video auf www.soko-tierschutz.org über Wiesenhof.Foto: Soko „Tierschutz"

Brandenburgs neuer grüner Landwirtschaftsminister Axel Vogel bekam die schrecklichen Bilder am Rande der Grünen Woche zu sehen: „Er hat sie als furchtbar und unerträglich bezeichnet“, sagte seine Sprecherin Frauke Zelt am Dienstag dem Tagesspiegel.

Die Aufnahmen, die dem RBB-Verbrauchermagazin Super.Markt von Tierschützern zugespielt worden waren, entstanden mit versteckter Kamera in Ställen, die durch selbstständige Landwirte in und um Königs Wusterhausen für den Geflügelproduzent der Marke „Wiesenhof“, die PHW-Gruppe, betrieben werden.

Sie sollen nicht artgerechte Haltungsbedingungen dokumentieren: Tierkadaver etwa, die Tage lang nicht entsorgt wurden, und an denen andere Hühner pickten. Vor allem aber zeigen sie einen Mann, der die Tiere tötet, in dem er ihnen ohne jegliche vorherige Betäubung das Genick bricht.

Der Wiesenhof-Produzent hat reagiert und den Vertrag mit dem „selbstständigen Farmleiter, der in Lieferbeziehung zu einer Schlachterei der PHW-Gruppe steht“ gekündigt, wie es in einer Antwort auf die Anfrage des Tagesspiegels heißt: „Die auf dem gezeigten Betrieb durchgeführte Art und Weise der Nottötungen" stelle „einen klaren Verstoß gegen das geltende Tierschutzrecht sowie gegen unsere internen Vorgaben und Schulungsinhalte" dar.

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Auch sei der Landwirt verpflichtet, mehrmals am Tag die toten und nicht lebensfähigen Tiere auszusortieren. Betäubt würden die Hühner dann in der Regel mit einem sogenannten Betäubungsstab. Da der zuständige Farmleiter trotz zahlreicher theoretischer und praktischer Schulungen und eines Sachkundenachweises einige Tiere ohne Betäubung tötete, habe die PHW-Gruppe auch eine Strafanzeige gegen ihn bei der Cottbuser Staatsanwaltschaft gestellt und die zuständige Veterinärbehörde im Landkreis Dahme-Spreewald informiert.

Mülln: „Im Alltag fehlt schlicht die Zeit, um jedes Huhn artgerecht zu betäuben"

Bei der Staatsanwaltschaft wusste man am Dienstag noch nichts von der Anzeige, eine Sprecherin des Landkreises sagte, dass das zuständige Veterinäramt am 5. Dezember 2019 von der Soko „Tierschutz“ informiert wurde, jedoch ohne Bild- oder Videomaterial.

Am Mittwoch hat die PHW-Gruppe dem Tagesspiegel ein Schreiben vorgelegt, wonach der Eingang der Strafanzeige bereits am vergangenen Freitag durch die Staatsanwaltschaft bestätigt wurde.

Erst einen Tag zuvor habe eine veterinärbehördliche, unangekündigte Kontrolle in betroffenen Betrieb stattgefunden, bei der keine Mängel festgestellt wurden. Das gelte in ähnlicher Weise auch für eine am 18. Dezember durchgeführte Kontrolle durch mehrere amtliche Tierärzte.

Für Friedrich Mülln von der Soko „Tierschutz“ ist das nicht überraschend. „Die Veterinärbehörden können in einem Betrieb von solcher Größe mit dutzenden Hallen und mehr als einer Million Hühnern gar nicht unangemeldet kommen“, sagt er: „Und natürlich werden die Mitarbeiter im Beisein von Kontrolleuren tierschutzgerecht töten. Aber im Alltag fehlt schlicht die Zeit, um jedes Huhn erst durch einen Schlag auf den doch recht kleinen Kopf zu betäuben.“

Auch dass die PHW-Gruppe sich von dem beschuldigten Tierhalter getrennt hat, sage wenig aus, meint Mülln: „So ist man erstmal aus dem Schneider und nach einiger Zeit schließt man einen neuen Vertrag.“ Für Mülln gibt es nur eine Lösung des Problems: die Umstellung auf pflanzliche Lebensmittel. „Selbst bei Wiesenhof beginnt man ja inzwischen zu begreifen, dass das Fleischzeitalter definitiv zu Ende geht.“

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