Gentrifizierung in Berlin : Milieuschutz rund um die Kurfürstenstraße geplant

Berlins Bezirke weiten die sozialen Erhaltungsgebiete aus. In Mitte soll in bis zu zehn Kiezen Verdrängung gestoppt werden. Auch in Wilmersdorf tut sich was.

Belebt, beliebt, viel diskutiert: die Kurfürstenstraße.
Belebt, beliebt, viel diskutiert: die Kurfürstenstraße.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Gegend um die Kurfürstenstraße in Tiergarten soll zum Milieuschutzgebiet werden. Das kündigte Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) an. Eine entsprechende Untersuchung laufe bereits. Im Bezirk gibt es schon fünf soziale Erhaltungsgebiete, zehn weitere werden derzeit untersucht.

Davon befinden sich vier in Wedding (Soldiner Straße, Kattegatstraße, Reinickendorfer Straße und Humboldthain Nord-West) und sechs im „Stadtraum Zentrum“: Gutachten sollen bis August zeigen, ob in den Gebieten Oranienburger Straße, Alexanderplatzviertel, Invalidenstraße, Thomasiusstraße, Lützowstraße und Körnerstraße noch Menschen leben, die eine „schützenswerte Bevölkerung“ darstellen, also nicht unbedingt Gutverdiener sind.

In Milieuschutzgebieten gibt es unter anderem Auflagen für Modernisierungen, um Mieterhöhungen zu begrenzen. Wenn Wohnhäuser verkauft werden, kann der Bezirk ein Vorkaufsrecht ausüben, wie das in Mitte kürzlich zum ersten Mal in der Rathenower Straße in Moabit der Fall war. Gothe ist zuversichtlich, dass dadurch der Anstieg der Mieten gedämpft werden kann.

Bürger am Fasanenplatz sammeln Unterschriften

Auch in Wilmersdorf tut sich was beim Thema Milieuschutz: Die Bürgerinitiative „Quartier Fasanenplatz“ hat eine Unterschriftensammlung für ein entsprechendes Gebiet gestartet. „Die Mietpreisbremse funktioniert nicht und die Politiker tun nichts für die Kiezstruktur“, klagen die Mit-Initiatoren Peter Gnielczyk und Jasmin Dulic.

Zu viele Mieter würden durch Luxusmodernisierungen oder die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen verdrängt. Es geht um die Bereiche rund um die Schaperstraße, den Ludwigkirchplatz, den Nikolsburger Platz und den Prager Platz. Das Gebiet würde westlich bis zur Uhland- und der Sächsischen Straße reichen, im Osten bis zur Bamberger Straße, im Norden bis zur Lietzenburger Straße und im Süden bis zu Teilen der Berliner Straße.

Für einen Einwohnerantrag in der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf sollen jetzt mindestens 1000 Unterschriften gesammelt werden. Bezirksbaustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) begrüßt den Vorstoß. Bis zum Sommer wolle die Verwaltung ohnehin prüfen, wo noch Milieuschutz ausgewiesen werden kann. Bereits beschlossen sind zwei Gebiete am Gierkeplatz und auf der Mierendorffinsel. Ein drittes ist im Klausenerplatz-Kiez geplant, wo Bürger ebenfalls Unterschriften gesammelt haben.

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