Germania-Insolvenz : Frust und Tränen bei Passagieren in Tegel

Acht Flüge von Germania fallen am Dienstag ab Berlin aus. Die Antwort, die Passagiere von ihren Reisebüros hören, lautet nicht selten: abwarten.

Gestrichen: Passagiere nach Gaziantep und Lanzarote schauten am Morgen in die Röhre.
Gestrichen: Passagiere nach Gaziantep und Lanzarote schauten am Morgen in die Röhre.Foto: Amy Walker

Seit heute morgen um 7 Uhr wartet Selim Kolbüken mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern am Flughafen Tegel auf eine Antwort. Mit dem Germania-Flug 3086 wollte die Familie um 10.05 Uhr nach Gaziantep in die Türkei fliegen - doch die in der Nacht bekannt gewordene Insolvenz der Airline machte ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Laut einem Sicherheitsbeauftragten hatten sich am Morgen etwa 30 Menschen am Gate versammelt, die das Schicksal der Familie Kolbüken teilten. Bis 9 Uhr verteilten sich die Menschen wieder. Von Tegel hätten am Dienstag fünf Germania-Flüge starten sollen, etwa nach La Palma, Lanzarote und Tel Aviv. Drei Maschinen hätten in Schönefeld abheben sollen.

Insolvenzantrag um 1.45 Uhr in der Nacht

"Wir haben hier in Berlin Verwandte besucht", sagt Selim Kolbüken, während seine Frau versucht, die weinenden Kinder zu beruhigen. "Heute wollten wir wieder nach Hause." Seit Stunden versuche er, das Reisebüro zu erreichen, dort laute die Antwort aber stets: abwarten. Jetzt hofft die Familie, einen Flug am Abend zu bekommen.

Um 1.45 Uhr am frühen Dienstagmorgen hatte Germania mitgeteilt, dass die zentralen Teil-Gesellschaften Germania Fluggesellschaft mbH, Germania Technik Brandenburg GmbH und Germania Flugdienste GmbH den Insolvenzantrag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eingereicht hätten. Der Flugbetrieb sei noch in der Nacht eingestellt worden.

Karsten Balke, Geschäftsführer und wichtiger Miteigentümer der Germania Fluggesellschaft mbH, ließ mitteilen: "Leider ist es uns schlussendlich nicht gelungen, unsere Finanzierungsbemühungen zur Deckung eines kurzzeitigen Liquiditätsbedarfs erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Wir bedauern sehr, dass uns als Konsequenz daraus keine andere Möglichkeit als die der Insolvenzantragstellung blieb."

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