Berlin : „Gesicht zeigen!“ gegen zunehmenden Rassismus

Sabine Beikler

Ein trauriger Rekord: 2006 wurden mehr als 11 000 rechte Straftaten verübt. Das ist so viel wie nie seit 2001, als bundesweit ein neues System zur Erfassung politisch motivierter Straftaten eingeführt wurde. „Es gibt deshalb keinen Grund zur Entwarnung“, sagte der frühere Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye gestern. Es sind nicht nur brutale Übergriffe auf Ausländer oder Deutsche, denen man den Migrationshintergrund ansieht. Auch der Alltagsrassismus nehme zu. Heye ist Vorsitzender des Vereins „Gesicht zeigen!“, der seit dem Jahr 2000 Projekte gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus initiiert. Der Verein hat bundesweit 400 Veranstaltungen organisiert, die während der Aktionswoche vom 17. bis 25. März stattfinden. Auch Prominente wie die Schauspielerin Renan Demirkan oder Max V. Martens unterstützen das gestern vorgestellte Programm.

Eine wesentliche Ursache für die zunehmende Fremdenfeindlichkeit sieht Heye im Bildungssystem. Pro Jahr würden rund 80 000 bis 90 000 Jugendliche die Schulen ohne Abschluss verlassen. „Neue Verlierer“, sagt Heye, die ohne Perspektive auf der Straße stünden. Hinzu komme, dass künftige Lehrer nicht ausreichend auf „ethnische Minderheiten“ vorbereitet würden. Heye fordert eine „umfassende Reform“ des föderalen Bildungssystems. Zugleich kritisiert er das „viel zu bürokratische“ Bundesprogramm gegen Rechts. Dass sich finanzschwache Initiativen zu 50 Prozent an Projekten beteiligen müssten, sei „absurd“. Das könnten viele nicht aufbringen. Das Bundesprogramm stellt rund 19 Millionen Euro pro Jahr für Projekte gegen Rechts zur Verfügung. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte weitere fünf Millionen Euro an. In der diesjährigen Aktionswoche bietet „Gesicht zeigen!“ Diskussionsrunden, Lesungen, Filmvorführungen oder Konzerte an.

Die Aktionswoche im Internet:

www.gesichtzeigen.de

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