• Gesucht: Ein neuer Besitzer für den Fernsehturm Deutschlands höchstes Bauwerk zu verkaufen

Berlin : Gesucht: Ein neuer Besitzer für den Fernsehturm Deutschlands höchstes Bauwerk zu verkaufen

Experten schätzen den Wert auf 50 Millionen Euro

Christian van Lessen

Wer will Deutschlands höchstes Bauwerk kaufen – den Fernsehturm am Alexanderplatz? Und was macht er daraus? Diese Fragen könnten nach der Ankündigung der Deutschen Telekom, sich möglicherweise von ihrer Tochtergesellschaft „Deutsche Funkturm“ (DFMG) zu trennen, bald akut werden. Denn dieser Gesellschaft gehört auch der Fernsehturm.

Das Unternehmen ist deutschlandweit für Sendeanlagen zuständig. Die Telekom überlegt, die Gesellschaft, die rund 500 weitere Türme, 6000 Masten und 14 000 Dachsendestationen besitzt, zu verkaufen. Damit sollen Mittel für die Mobilfunksparte locker gemacht werden. „Alles ist noch in der Prüfung, wir können nichts über potenzielle Käufer und Preise mitteilen,“ sagte gestern Luisa Vollmar von der DFMG. Diese hat rund 600 Beschäftigte und plant, baut und vermarktet Antennenanlagen. Sender und Mobilfunkbetreiber zahlen dafür Entgelte an die Telekom-Tochter. Die Gesellschaft meint, es werde sich am Sendestandort Fernsehturm nichts ändern. „Wie es aber im Endeffekt aussieht, wissen wir nicht.“

Senatssprecher Günter Kolodziej sagte am Freitag, in diesem frühen Stadium wolle man sich zu den Verkaufsplänen noch nicht äußern. Die Bauverwaltung ließ vorsorglich wissen, dass ein Abriss des Turmes nach einem Verkauf nicht in Frage komme. Die Anlage stehe unter Denkmalschutz. Der Bezirksbürgermeister von Mitte, Christian Hanke (SPD), zeigte sich zuversichtlich, dass die Sendeanlage ihren Käufer findet. Besonders wichtig sei aber, dass der Turm als touristischer Magnet erhalten bleibe.

Der Berliner Grundstücksexperte Gottfried Kupsch hält die Immobilie für lukrativ. Der künftige Eigentümer werde viel Geld durch die Antennen einnehmen, für Finanzinvestoren könne der Fernsehturm außerdem eine „wunderbare Reklametafel“ sein. Vielleicht werde der Riese irgendwann „Vodafone-Turm“ heißen. Der Verkaufswert allein dieser Anlage könne gut und gern bei rund 50 Millionen Euro liegen, wenn sich Reklameflächen nutzen ließen.

Die Finanzverwaltung teilte mit, für den Funkturm auf dem Messegelände, ebenfalls ein Wahrzeichen der Stadt, hege das Land keine Verkaufspläne. Von hier werden seit 1973 keine Radioprogramme mehr ausgestrahlt.

Der Fernsehturm wurde 1969 nach fünfjähriger Bauzeit für und 200 Millionen DDR-Mark fertiggestellt und zum Wahrzeichen Ost–Berlins. Der offiziell verliehene Spitzname „Telespargel“ setzte sich nicht durch. Nach der Wende erbte die Telekom die Anlage, die bis dahin auch für Techniker der Post verbotene Räume besaß. Sie waren nur Stasi-Leuten vorbehalten. Am Fuße des Turms wachte die Volkspolizei. Der Turm, 368 Meter hoch, zählt mit jährlich rund einer Million Besuchern zu den Attraktionen der Stadt. Von hier aus werden auch die meisten Fernseh- und Radioprogramme ausgestrahlt.

Die Telekom, die den Turm in den vergangenen Jahren modernisiert hatte, nutzte seine Höhe im letzten Sommer, um anlässlich der Weltmeisterschaft mit einer Fußballfolie in ihren Farben auf der Kugel des Restaurants zu werben. Sie hatte erkannt, dass sie mit dem Turm eine der markantesten Werbeflächen der Stadt besaß. Künftig könnte sie für solch eine Nutzung viel Geld zahlen müssen.

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