• Gesundheitspolitik in Berlin: „Wenn die Hebammensuche länger dauert als die Schwangerschaft"

Gesundheitspolitik in Berlin : „Wenn die Hebammensuche länger dauert als die Schwangerschaft"

An der Situationen der Hebammen in Berlin muss sich etwas ändern. Darin sind sich die Parteien einig. Doch wie? Da gehen die Vorstellungen auseinander.

In Berlin ist es schwierig, eine Hebamme zu finden. Das Problem beschäftigt auch die Politik. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
In Berlin ist es schwierig, eine Hebamme zu finden. Das Problem beschäftigt auch die Politik. Foto: Kitty Kleist-HeinrichFoto: Kitty Kleist-Heinrich

Die meisten Fraktionen waren sich einig. An der Situation der Hebammen in Berlin muss sich etwas ändern. Nachdem der Senat am Dienstag ein Aktionsprogramm für eine sichere und gute Geburt beschlossen hatte, war der Hebammenmangel am Donnerstag Thema im Abgeordnetenhaus. „Wenn die Hebammensuche länger dauert als die Schwangerschaft – Die Geburtshilfe in Berlin braucht dringend Hilfe“ lautete das Thema auf Antrag der FDP-Fraktion.

„Immer häufiger wird die Geburt nicht zum schönsten, sondern zum stressigsten Moment“, sagte der Sprecher für Gesundheit der FDP-Fraktion, Florian Kluckert. Er kritisierte das verabschiedete Aktionsprogramm als zu wenig konkret. „Dass nach 400 Tagen im Amt der Senat lediglich eine Liste mit Verbesserungsvorschlägen vorlegt, ist ein Armutszeugnis“, sagte Kluckert im Abgeordnetenhaus. Von einem Problem in der öffentlichen Infrastruktur sprach SPD-Gesundheitspolitiker Thomas Isenberg. Diese müsste mit der wachsenden Stadt mitwachsen. Er warf der CDU und dem ehemaligen Gesundheitssenator Mario Czaja vor, sich nicht rechtzeitig um mehr Ausbildungsplätze gekümmert zu haben. „Vielen Müttern könnte es besser gehen, wäre hier konsequenter gehandelt worden.“ Der rot-rot-grüne Senat ginge die Probleme aber nun an.

Pro Tag eine Geburt mehr als zwei Jahre zuvor

Gottfried Ludewig (CDU), der wohl seine letzte Rede im Abgeordnetenhaus hielt – er wechselt in das Gesundheitsministerium –, sah in dem Aktionsprogramm wesentliche Punkte erfüllt, forderte aber eine zügige Umsetzung. „Sie werden sich daran messen lassen, dass die 20 Millionen den Kreißsälen zur Verfügung stehen. Wenn das nicht der Fall ist, dann haben Sie politisch versagt.“

Wolfgang Albers, Sprecher für Gesundheit der Linken-Fraktion, rechnete vor: 2015 habe es in der Charité 5161 Geburten gegeben, 2017 seien dann 5495 Kinder zur Welt gekommen, also habe es knapp eine Geburt mehr pro Tag gegeben. Natürlich sage solche Statistik nicht alles über die Lage in den Krankenhäusern. „Geburt ist nicht planbar“, sagte Albers, „wir werden immer wieder Engpässe erleben.“ Er betonte, dass kein geburtlicher Notfall von einer Klinik abgewiesen wurde.

Die AfD-Fraktion forderte, dass das Land einen Großteil der Versicherungsgebühren für Hebammen und andere Heilberufe übernehme. Der Sprecher für Gesundheit führte die steigenden Geburtenraten auf die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung zurück.

Zahl der praktizierenden Hebammen sinkt

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Silke Gebel, selbst im sechsten Monat schwanger, berichtete von ihren persönlichen Erfahrungen bei der Hebammensuche, die schwierig sei. Gebel betonte, wie wichtig eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Hebammen sei. „Wir können doch nicht ernsthaft über einen Mangel von Hebammen auf der einen Seite diskutieren und gleichzeitig akzeptieren, dass die Kliniken sie zu Putz- und Organisationsarbeit verdonnern“, sagte sie.

Gesundheitssenatorin Dilek Kolat machte noch einmal deutlich, dass das Aktionsprogramm gemeinsam mit allen Beteiligen erarbeitet worden sei. Es gäbe einen gespaltenen Trend in Berlin. Immer mehr Hebammen seien beim Landesamt für Gesundheit und Soziales gemeldet. Doch die Zahl der praktizierenden Hebammen sinke. 2007 habe es 706 registrierte Hebammen gegeben, 2016 seien es 1021 gewesen. Die Zahl der praktizierenden Hebammen sei nur von 601 auf 693 gestiegen. „Das hält mit dem Babyboom nicht Schritt“, sagte Kolat.

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