Gewalt im Berliner Tiergarten : "Wir haben die Täter im Visier"

Immer wieder kommt es im Tiergarten zu Überfällen und Gewalttaten. Die Antwort? Mehr Streifen, sagt der zuständige Polizeichef Gunnar Berndt im Interview.

Max Polonyi
Sieht eigentlich ganz harmlos aus: der Berliner Tiergarten
Sieht eigentlich ganz harmlos aus: der Berliner TiergartenFoto: Getty Images/iStockphoto

Herr Berndt, ist der Große Tiergarten ein unsicherer Ort?

Wir haben nach dem Morddelikt 2017 beschlossen, dort noch mehr zu tun. Seitdem setzen wir durchgängig mehr Streifen dort ein. Mit Blick auf die wärmere Jahreszeit und den Tourismus steigt auch unser Fokus auf bestimmte Delikte, wie Taschendiebstahl. Es gibt in jeder Stadt immer Orte, an denen man sich unwohler fühlt. Den Tiergarten würde ich aber nicht als solchen beschreiben, nein.

Am Wochenende gab es aber wieder schlechte Nachrichten: Zwei Radfahrer wurden überfallen, geschlagen, mit einem Messer bedroht und beraubt. Haben Sie die Täter ermittelt? Sind sie frei?
Die mutmaßlichen Täter wurden ermittelt und dem Haftrichter vorgeführt; alle wurden von dort entlassen.

Anwohner und Touristen klagen über Prostitution, Drogen, Kriminalität. Wie ist die Situation im Tiergarten aus Ihrer Sicht?
In einem Areal des Tiergartens war 2017 die sogenannte Cruiserszene aktiv. Wir hatten Hinweise, dass Minderjährige sich prostituieren und mit Drogen handeln. In diesem Jahr sehen wir das bisher nicht. Wir verzeichnen außerdem einen Rückgang, was Delikte, die das Sexualstrafrecht betreffen, angeht: 2017 gab es im ersten Quartal 13 Anzeigen, dieses Jahr hatten wir bis zum 31. März sechs.

Auch Körperverletzungsanzeigen sind rückläufig: 16 hatten wir im ersten Quartal 2017, 2018 haben wir zwölf. Leider registrieren wir eine Zunahme bei Raubdelikten, wie etwa der Überfall am Wochenende. Vergangenes Jahr hatten wir bis zum 31. März drei Anzeigen, 2018 sind es im gleichen Zeitraum neun. Wir haben eine Tätergruppe im Visier. Wir vermuten sie auch hinter dem Überfall am Wochenende.

Wer sind die Täter?
Eine sieben- bis achtköpfige Gruppe aus Heranwachsenden, mit denen wir seit einiger Zeit zu tun haben. Drei der Täter, die wir am Wochenende festgenommen haben, sind afghanische Staatsbürger – sie gehören dazu. Wir führen die Steigerung der Raubdelikte auf diese Gruppe zurück. Weil wir sie im Blick haben, hoffen wir, dass sich das bald erledigt hat.

Im letzten Jahr haben sich im Tiergarten Zeltstädte gebildet, auch der mutmaßliche Mörder Susanne Fontaine wird dem Umfeld zugerechnet. Wie gehen Sie in Zukunft mit solchen Lagern um?
Ich kann nicht jedem Zeltlager eine hochkriminelle Energie zurechnen. Wir wollen aber nicht zulassen, dass wieder Zeltstädte entstehen oder Ähnliches. Wir sind stetig an dem Thema dran und lösen solche Camps in Absprache mit dem Bezirksamt auf. Auch dieses Jahr haben wir erste Anzeichen solcher Camps registriert.

Gunnar Berndt ist Leiter des Berliner Polizeiabschnitts 34, zu dem unter anderem der Große Tiergarten gehört. Das Gespräch führte Max Polonyi.

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