Berlin : Global, lokal

Ulrich Zawatka-Gerlach

Früher warb die Stadt mit der Berliner Luft. Das ist ein bisschen aus der Mode gekommen. Schade, denn CO2-arme Luft in Dosen könnte ein neuer Exportschlager werden. Wäre da nicht Vattenfall. Der freundliche Energieprotz aus Schweden, der vor ein paar Jahren die Bewag schluckte, würde uns gern ein Kohlekraftwerk unterjubeln und mit Kohlendioxid umnebeln. Es ist das alte Lied der Stromkonzerne, das hier gesungen wird: Seid froh, dass wir Milliarden Euro investieren und gebt uns dafür Ablass beim Klimaschutz.

Das ist ein fragwürdiger, gefährlicher Slogan, und es ist schön zu sehen, dass die Berliner Parteien dagegen gemeinsam in Abwehrhaltung gehen. Sie üben ja nicht einmal Fundamentalopposition, sogar die Grünen wären notfalls bereit, ein Gaskraftwerk zu akzeptieren. Wenn dafür zum Beispiel eine alte Dreckschleuder in Lichtenberg abgeschaltet würde. Aber: Mühsam hat Berlin in den vergangenen Jahren erreicht, einen Teil des CO2 umweltschützerisch wegzusparen – jetzt lassen wir uns den Klimakiller nicht über zweifelhafte Wirtschaftsinvestitionen neu in die Stadtluft blasen.

Die SPD hat dabei offenbar noch Bauchschmerzen, aber das wird sich schon legen. Es gibt Fragen, da muss man prinzipienfest sein, und die Rettung des Weltklimas für künftige Generationen gehört dazu. Auch moderne Kohlekraftwerke sind, so gesehen, eine Naturkatastrophe. Global denken, lokal handeln – pardon Vattenfall!

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