• Grelle Blitze über dem Spielfeld: Neue LED-Flutlichtanlage lässt das Olympiastadion wie ein UFO leuchten

Grelle Blitze über dem Spielfeld : Neue LED-Flutlichtanlage lässt das Olympiastadion wie ein UFO leuchten

Eine „Weltneuheit“, ein „neuer Maßstab“ für Stadien – der Geschäftsführer des Olympiastadions schwärmt von der Lichttechnik.

Mit der Anlage sollen 142 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.
Mit der Anlage sollen 142 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden.Foto: Reiher&Seidel

Eine gewaltige blaue Welle bewegte sich durch die leeren Ränge, grelle Blitze zuckten durch die Nach. Mit einer bombastischen Lightshow des finnischen Lichtdesigners Mikki Kunttu präsentierte das Olympiastadion am Donnerstagabend seine neuartige LED-Flutlichtanlage – allerdings ohne Publikum. Coronabedingt konnten nur der Sportsenator Andreas Geisel (SPD) und einige Pressevertreter teilnehmen. 

Die LED-Anlage sei „eine Weltneuheit“ und setze einen „neuen Maßstab für die internationale Stadionarchitektur“, schwärmte Timo Rohwedder, der Geschäftsführer der Olympiastadion Berlin GmbH. Bereits 1966 wurde erstmals ein Flutlicht im denkmalgeschützten Hertha-Stadion installiert.

Mit der Sanierung 2004 kam die Dachkonstruktion mit der Lichtanlage „Ring of Fire“ hinzu. Jetzt können Rasen und Laufbahn punktgenau mit bis zu 2300 Lumen erleuchtet werden. Doch die Anlage kann nicht nur in Hertha-blau-weiß strahlen, versichert Rohwedder, sondern in allen Farben.

Bei Firmenevents könne das Stadion zum Beispiel komplett in den Unternehmensfarben ausgeleuchtet werden. Bei Veranstaltungen wie dem Pokalfinale am 4. Juli solle das Stadion etwa im Grün des Deutschen Fußball-Bundes leuchten. Die Anlage entspreche natürlich auch allen Anforderungen der internationalen Sportverbände wie etwa der UEFA, sagte Rohwedder.

Frank Neubauer, der technische Leiter des Olympiastadions, betonte auch die Bedeutung von Nachhaltigkeit: „Licht ist bei uns im Stadion der Großverbaucher“. Die LED-Lichter sollen eine Energieersparnis von etwa 50 Prozent gegenüber der alten Anlage bringen, gleichzeitig aber die doppelte Beleuchtungsstärke. Auf die Weise will das Stadion stolze 142 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

Bei Tageslicht ist die Veränderung kaum sichtbar. Größtenteils sind die neuen Leuchten dort verbaut worden, wo vorher bereits Lampen waren. Neubauer zufolge wurden 4500 Leuchten ausgebaut, aber 9000 neue eingebaut.

Blau-Weiß, wie die Hertha.
Blau-Weiß, wie die Hertha.Foto: Reiher&Seidel

Die seien jedoch deutlich leichter, statt 55 Tonnen würden sie insgesamt nur noch 27 Tonnen wiegen. Jede einzelne Leuchte könne jetzt gezielt angesteuert werden. Innerhalb einer Millisekunde könne sie jede beliebige Farbe darstellen.

Die Kosten für die ganze Anlage bewegen sich laut Stadionbetreiber im „unteren siebenstelligen Bereich“. Eingebaut hat sie die Lanz Manufaktur, ein mittelständisches Unternehmen aus Rheinland-Pfalz. Geschäftsführer Rüdiger Lanz hat nach eigenen Angaben bereits die Skyline von Schanghai beleuchtet. 

Die Anlage wurde finnischen Lichtdesigners Mikki Kunttu entworfen.
Die Anlage wurde finnischen Lichtdesigners Mikki Kunttu entworfen.Foto: Reiher&Seidel

Wie er sich gegen größere Mitbewerber durchsetzen konnte? Der Clou sei eine spezielle Reflektortechnik, erklärt er. Diese ließe sich im Gegensatz zur üblichen Linsen-Technik auf den Punkt genau ausrichten und gebe kein störendes Streulicht ab. Die Außenbeleuchtung des Stadions soll bis August fertiggestellt sein.

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Dem ursprünglichen Zeitplan zufolge hätte die Lichtanlage im Mai fertiggestellt werden sollen. Die Coronakrise machte einen Strich durch die Rechnung. Rohwedder erlaubt sich zu träumen: Vielleicht könne man die Videos der Lichtshow einmal für eine Olympiabewerbung verwenden, sagte er fast beiläufig. 

Im vergangenen Jahr hatte Sportsenator Andreas Geisel (SPD) eine deutsche Bewerbung für das Jahr 2036 vorgeschlagen und damit Irritationen ausgelöst. Denn das wäre genau 100 Jahre nach den vom Nazi-Regime propagandistisch ausgenutzten Spielen von 1936.

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