Berlin : Großer Auftritt für den kleinen Knut

Ab morgen ist der Baby-Eisbär für Besucher zu sehen – Journalisten aus aller Welt dürfen das schon heute

Annette Kögel River Tucker

Das war eine ganze besondere Nacht für Knut. Diese dicken Schneeflocken! Da war das Eisbärbaby in seinem Element. Klar durfte Knut in der Nacht zu Donnerstag raus, sollte er doch durch den ersten Schnee seines Eisbärlebens tapsen können. Heute ist es vorbei mit der Romantik. Am Vormittag soll die tierische Zoo-Attraktion in die Kameras der Medienvertreter blinzeln – die hoffentlich nicht blitzen. „Sobald wir den Eindruck haben, dass er sich nicht wohlfühlt, nehmen wir ihn wieder rein, sein Wohl ist das wichtigste“, sagt Zoo-Kurator Ragnar Kühne.

Jetzt wird der Zoo zu einem der angesagtesten Orte der Stadt. Weit mehr als 100 Journalistenteams haben sich heute angekündigt: Übertragungswagen für Sender aus den USA werden dort parken, Journalisten aus Skandinavien, aus Pakistan und Südafrika ihre Kameras zücken. 5000 Besucher zählt der Zoo an einem konventionellen Tag, mehr als 10 000 Gäste waren es, als der kleine Elefant Kiri sich im Jahr 2000 präsentierte. Jetzt werden es wohl noch mehr; die Zoo-Internetseite war gestern jedenfalls überlastet. „Wir lassen am Sonnabend alle rein“, sagt Kurator Kühne. Viele Berliner werden versuchen, schon heute einen Blick auf das weiße Knäuel zu erhaschen. Ab morgen soll er sich täglich zwischen 11 und 13 Uhr mit seinem Pfleger auf der Brillenbärfreianlage am Spielplatz zeigen. Heute ist Bundesumweltminister Sigmar Gabriel mit dabei, Knut-Pate – denn „der Eisbär symbolisiert die Folgen der Erderwärmung“. Im kleinen Zoo-Laden hinter dem Bärengehege bereiten sich die Mitarbeiterinnen – alle erklärte Knut-Fans – auf einen Ansturm vor. Morgen arbeiten sie zu dritt, normalerweise sind es zwei Verkäuferinnen. Im Lager stapeln sich Kisten mit Stoffeisbären. Verkäuferin Ana Maria Heu stapelt die Plüsch-Knuts – Pfleger Thomas Dörflein hatte dem jetzt neun Kilo schweren Baby-Raubtier übrigens den Namen gegeben. Bald soll es einen Stand mit DVDs und CDs mit einen Knut-Kinderlied geben. Der Erlös geht an den Zoo, sagt Vivian Kreft, zuständig fürs Knut-Merchandising. Das KaDeWe bietet eine „limitierte Knut-Kollektion“ für 89,90 Euro von Hermann-Spielwaren – 250 Stück. Auch die Berlin Tourismus-Marketinggesellschaft weiß um den Werbefaktor des Raubtiernachwuchses. „Knut ist Sympathieträger und zieht das Wappentier, den Berliner Bären, imagemäßig mit. Jetzt hoffen wir nur auf eine positive Zukunft für den Eisbären, wenn er größer wird.“

Alles zu Knut im Internet:

www.tagesspiegel.de/knut

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