Grüne Energie und Tierfutter : Was aus Berlins Weihnachtsbäumen wird

Ab sofort werden die Weihnachtsbäume abgeholt. Die ausrangierten werden verheizt, die nicht verkauften bekommen Zoo und Tierpark.

Obstsalat an Tannengrün. Neujahrsmenü für den Kleinen Panda.
Obstsalat an Tannengrün. Neujahrsmenü für den Kleinen Panda.Foto: Tierpark Berlin

Die Weihnachtsbäume sind nicht umsonst gestorben: Nach ihrem Deko-Dienst in den Wohnungen, Büros und Foyers der Stadt treten sie in den nächsten beiden Wochen ihre letzten Reisen an. Die führen zunächst in den Müllwagen der BSR zum Schredder und anschließend weiter in vier Kraftwerke, wo sie als klimafreundliche Biomasse Fernwärme und Strom liefern.

Diese Verwertung ist energetisch sinnvoller als die noch vor zehn Jahren übliche Kompostierung der Holzschnitzel. So günstig wie in den Anfangsjahren ist sie allerdings nicht mehr: Bis 2012 bekam die BSR für das Holz noch Geld, seit 2013 zahlt sie – trotz Ausschreibung der Entsorgung – zu.

Laut BSR-Sprecherin Sabine Thümler ist die Zuzahlung aktuell aber zumindest etwas geringer als in früheren Jahren. Und die Kraftwerke befänden sich allesamt in der Region. 2013 waren die Bäume – in rund 100 Lkw-Ladungen – nach Dresden gekarrt worden.

Energie für 500 Haushalte

Die BSR betreibt zwar an der Gradestraße in Neukölln ein eigenes Biomasse-Heizwerk, aber das ist nach Auskunft von Thümler nicht geeignet, um eine derart große Brennstoffmenge auf einmal aufzunehmen. In früheren Jahren hatte Vattenfall den Schnitzelberg abgenommen und der BSR im Gegenzug übers Jahr verteilt kleinere Portionen für deren Heizwerk geliefert. Die Energie der etwa 350.000 eingesammelten Bäume reicht aus, um 500 Haushalte ein Jahr lang mit Energie zu versorgen.

Über die Biotonnen sollen die Bäume möglichst nicht entsorgt werden. Denn deren Inhalt wird größtenteils nicht mehr kompostiert, sondern in Spandau zu Biogas vergoren – was allerdings bei Holz viel schlechter funktioniert als beispielsweise bei Küchenabfällen.

In Zoo und Tierpark sind die Reste vom Feste bereits angekommen. Allerdings landen dort keine ausrangierten Bäume, an denen womöglich noch Schmuck hängt, der den Tieren schadet. Zoo und Tierpark erhalten nur solche, die die Händler nicht verkauft haben. Die Kontakte zur Branche gebe es seit Jahren, sagt Sprecherin Christiane Reiss.

Seit 28. Dezember seien die Baumspenden an die Tiere verteilt worden. Klassiker sind die Elefanten, die die Bäume vorsichtig zerlegen und die grünen Zweige fressen. Aber auch andere Tiere sollen ihren Spaß haben – und Beschäftigung, indem sie Futter aus dem Geäst fummeln, das die Pfleger dort befestigt haben: Obst und Bambus für die Kleinen Pandas im Tierpark (nicht zu verwechseln mit den Großen im Zoo), Paprika fürs Panzernashorn.

Auch Antilopen, Hirsche und Rinder seien an den Bäumen interessiert, berichtet Reiss. Vielleicht auch die Großen Pandas. Aber die Bären Meng und Jiao Qing sind zu besonders für Experimente: „Bei denen wollten wir lieber nicht testen, ob sie die ätherischen Öle vertragen“, heißt es im Zoo.

Abholtermine

Für jeden Kiez gibt es zwei Abholtermine im Abstand von einer Woche. In den meisten Bezirken ist die BSR jeweils mehrere Tage lang unterwegs. Nur Reinickendorf, Marzahn-Hellersdorf und Spandau werden jeweils komplett an einem Tag abgefahren. Die Bäume müssen abgeschmückt und unverpackt spätestens um 6 Uhr morgens am Straßenrand liegen.

Die erste Sammelrunde dauert vom kommenden Montag, dem 8. Januar, bis Sonnabend, 13. Januar. Die zweite Runde folgt in der Woche darauf, also vom 15. bis 20. Januar.

Alle Termine für die Ortsteile einschließlich Adresssuche gibt es online unter www.bsr.de/weihnachtsbaum sowie telefonisch beim Service-Center der BSR: (030) 7592 4900.

Für Nachzügler schaltet die BSR erfahrungsgemäß die „Weihnachtsbaumentdecker-Hotline“ – als Notlösung.

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