Gummiband-Affäre : Elf Müllsheriffs für Friedrichshain-Kreuzberg

Rote Bänder säumen Fußwege und Hausflure im Kiez. Von wem sie stammen, ist unklar. Doch Waste Watcher sollen für Ordnung sorgen. Eine Glosse.

Der Görlitzer Park beim Fest am 1. Mai - hier hätten die Müllsheriffs gewiss alle Hände voll zu tun.
Der Görlitzer Park beim Fest am 1. Mai - hier hätten die Müllsheriffs gewiss alle Hände voll zu tun.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Rote Gummibänder auf dem Fußweg, rote Gummibänder im Hausflur. Vor zwei Wochen habe ich an dieser Stelle über die Fundstücke berichtet, die ich regelmäßig in meinem Kreuzberger Kiez aufsammle. Mein Verdacht: Solche Gummibänder verwendet doch die Post.

Wie das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg jetzt mitteilte, handelt es sich auch bei weggeworfenen oder achtlos fallengelassenen Gummibändern um „Verstöße nach dem Berliner Straßenreinigungsgesetz, die mit Bußgeldern bis zu 10.000 Euro (gesetzlich angedrohtes Höchstmaß) geahndet werden können. Im Regelfall werden jedoch Verwarnungsgelder zwischen 20 und 35 Euro erhoben“.

In diesem Fall passiert aber bisher weder das eine noch das andere. Der Grund dafür laut Bezirksamt: „Entscheidend ist und bleibt, dass eine eindeutige Zuordnung eines Verstoßes zu einer bestimmten (natürlichen oder juristischen) Person erforderlich ist.“ Und wer, bitteschön, sollte den zweifelsfreien und gerichtsfesten Nachweis erbringen, wer wo welches rote Gummiband verloren hat?

Als Tatverdächtige kommen Deutsche Post und Pin AG in Frage

Über die juristischen Personen, die als Tatverdächtige für die illegale Müllablagerung in Frage kommen, hatten wir berichtet: Die Deutsche Post erklärte auf Anfrage, ihre Briefe nur bei der Zustellung an größere Firmen oder in Hochhaussiedlungen mit Gummibändern zu bündeln.

Gummibänder des Anstoßes: Die roten Bänder von der PIN AG (l) und der Deutschen Post im Vergleich.
Gummibänder des Anstoßes: Die roten Bänder von der PIN AG (l) und der Deutschen Post im Vergleich.Foto: Peter Kaiser / PIN AG

Von der Pin AG war zu hören, man nutze solche Bänder, aber die Zusteller seien darauf bedacht, sie zu sammeln und wiederzuverwenden. Aber natürlich sei nicht auszuschließen, dass hin und wieder mal ein Gummi verloren gehe. Die Pin AG lieferte auch ein Foto, das die Gummiband-Variante des eigenen Unternehmens (lang) neben dem der Post (kurz) zeigt. Danke für die Hilfe bei unseren Ermittlungen.

Das Phänomen des Verlusts von Gummibändern durch Postdienstleister ist nicht neu: Die Organisation „Keep Britain tidy“ hält der „Royal Mail“ seit Jahren vor, massenweise Gummibänder in der Umwelt zu entsorgen. Nach eigenen Angaben verbraucht die staatliche britische Post jährlich 338 Tonnen Gummibänder, verweist aber darauf, dass die Gummis biologisch abbaubar seien.

Waste Watcher sollen für Sauberkeit sorgen

In Berlin sollen künftig Waste Watcher darauf achten, dass natürliche und juristische Personen sich reinlicher verhalten. „Sauberes Berlin“ heißt das Programm des Senats, das stadtweit 100 Müllsheriffs vorsieht. Elf davon sollen in Friedrichshain-Kreuzberg zum Einsatz kommen, „von denen jedoch bislang erst vier Stellen besetzt und geschult werden konnten“, heißt es aus dem Rathaus.

Die frisch ausgebildeten Waste Watcher sollten sich vielleicht nicht gleich mit großen Postfirmen anlegen. Bevor sie die Beschattung von Briefträgern aufnehmen, könnten sie zur Übung niedrigschwellig einsteigen und es bei natürlichen Personen mit sanfter Pädagogik versuchen.

Für den Anfang wäre die Gemeinschaftsschule bei uns in der Nachbarschaft ein geeigneter Einsatzort. Jeden Morgen um kurz vor acht Uhr häufen sich in der Umgebung der Schule leere Brötchentüten, Kaffeebecher und was sonst an Verpackungen vom Frühstück aus dem Supermarkt übrigbleibt.

Die Schülerinnen und Schüler sind sicher dankbar für einen freundlichen Hinweis, wo sich der nächste Abfalleimer befindet – und wie man ihn benutzt.

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