Halloween 2019 : Das sind Berlins gruseligste Stadtphänomene

Horrorclowns, Untote, Blutspritzer überall: Halloween ist gruselig, doch Berlin ist gruseliger. Eine Sammlung schauriger Stadtphänomene.

Der Alex gehört für viele zu den gruseligsten Orten Berlins – egal ob zu Halloween, zum Oktoberfest oder zur Weihnachtszeit.
Der Alex gehört für viele zu den gruseligsten Orten Berlins – egal ob zu Halloween, zum Oktoberfest oder zur Weihnachtszeit.Foto: Hohlfeld/ imago

Am 31. Oktober wird in den USA, aber auch mancherorts in Deutschland Halloween gefeiert. Dabei gilt in der Hauptstadt ohnehin die Devise: „In Berlin ist jeden Tag Halloween“. Ein Überblick über die schaurigsten Stadtphänomene.

1. Straßenmimen

„Möööp!“, macht die Tröte in der Hand des bunt gekleideten Mannes mit dem weiß geschminkten Gesicht, der es offenbar witzig findet, sie direkt an das Ohr eines Menschen zu halten, der nichts Böses ahnend über den Kurfürstendamm schlendert. Horrorclown oder Straßenpantomime? Egal – nicht witzig!

Straßenmimen sind überall, so scheint es. Manche halten still und tun so, als seien sie eine Statue. Als wäre das nicht gruselig genug, verfolgen andere hilflose Passanten. Dabei weiß doch jeder: Berliner wollen nicht viel, nur auf der Straße in Ruhe gelassen werden. rori

2. S- und U-Bahnmusiker

Aus dem Lautsprecher dröhnt so laut „Hit the Road Jack“, dass es sogar das Geschrei der Schulklasse übertönt, die sich im ganzen Waggon ausgebreitet hat. Dazu spielt einer Trompete, trifft nur jeden zweiten Ton. Trotzdem: Der Ohrwurm sitzt fest.

Manche der Musiker begrüßt man innerlich wie alte, ungeliebte Bekannte. Etwa den großen Mann mit der Gitarre, der oft in der S1 Opern schmettert. Oder den Engländer, der immer leicht angetrunken klingt und nie den richtigen Text zu den bekanntesten Liedern kennt. Und dann ist da natürlich noch der Panflötenspieler, dessen Musik einen länger verfolgt als jeder Horrorfilm-Soundtrack. rori

3. Düstere Grünanlagen

Wer sich öfter in Neukölln herumtreibt, ist ohnehin abgehärtet. Die ultimative Mutprobe aber ist ein nächtlicher Gang durch die Lessinghöhe, ein kleiner Park nahe dem U-Bahnhof Karl-Marx-Straße. Will man zwischen Kienitzer- und Thomasstraße keinen Umweg laufen, muss man sich wohl oder übel auf die unbeleuchteten Wege wagen, die besonders finster sind, weil Bäume und Gebüsch hier so dicht und hoch am Rand stehen. Das kommt bei Junkies besonders gut an, bei Angsthasen eher nicht.

Ein Knacken aus dem Dickicht, was war das? Kommt dahinten jemand? Das Dunkel verschluckt den lächerlichen Lichtkegel der Handy-Taschenlampe. Menschen, Lärm, Lichter, alles scheint so weit weg zu sein. Aber für einen Rückzieher ist es zu spät, man ist schon mittendrin in diesem Schwarzen Loch. Und wenn die Angst besonders groß ist, läuft man eben etwas schneller, joggt – nein! –, rennt, so schnell man kann. Sieht ja eh keiner. apo

4. Rolltreppen

Irgendwer steht immer falsch. Endlich hat man es geschafft, sich an all den fälschlicherweise links stehenden Menschen vorbeizudrücken, hoch, bis ans Ende der Rolltreppe, raus in die Freiheit – doch dann geht es nicht mehr weiter, weil immer irgendwer einfach stehen bleibt, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens oder dem Topf voll Gold am Ende des Regenbog... äh, der Rolltreppe – wer weiß das schon?

Von den Nachrückenden kommt niemand mehr vorbei. Der Puls steigt, Wut macht sich breit und Angst, vor dem inneren Auge ein Katastrophenszenario von sich stapelnden Menschen, die rückwärts die Treppe hinunterfallen. Und dann geht es doch weiter, geschafft, rein in die S-Bahn, bis zur nächsten Station, bis zur nächsten Rolltreppe. Irgendwer steht immer falsch. jaw

5. Kleine Hilfszombies

Zum Fürchten sind die Horden von Bürgerkinder, die am 31. Oktober über ahnungslose Nachbarn herfallen. An 364 Tagen gibt es bei ihnen daheim höchstens Grünkohlchips aus fairem Handel. Aber einmal im Jahr darf es dann ruhig mal eine abgelaufene Familienpackung Weingummi aus osteuropäischer Überproduktion sein.

Wie durch ein Wunder haben auch die Allergien von Leon-Luca und Luisa-Marie pünktlichst halloweenfrei – im Gegensatz zu den Eltern. Die stehen, während die gern als peinliche Hilfszombies verkleideten Sprösslinge bei irritierten Mietern betteln, eine halbe Treppe tiefer und beobachten die Kohlehydratschnorrerei mit seligem Gesichtsausdruck. Aber schon am nächsten Tag heißt es dann zurück zu Grünkohlchips – und: „Nimm nur nichts von Fremden!“ ling

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