Hasenheide in Berlin-Neukölln : Unbekannte schlachten Schaf in Streichelzoo

Unbekannte brechen in den Berliner Tierpark Neukölln ein. Die Täter werfen zwei Schafe über einen Zaun und schlachten ein trächtiges Tier.

Foto: dpa

Die Häuschen, Ställe und Gehege sehen aus wie im Bilderbuch. Hühner gackern, Ziegen meckern, Schafe kauen gemächlich am Futtertrog im Tierpark Neukölln in der Hasenheide. Landidyll mitten in der Stadt.

Doch seit fünf Tagen ist die Stimmung dort stark getrübt. Wie jetzt bekannt wurde, kletterten unbekannte Täter in der Nacht zum vergangenen Freitag über den Zaun der Anlage. Sie fingen ein zweijähriges Jungtier und ein trächtiges Mutterschaf ein, warfen beide Tiere über die Einzäunung, schlachteten das erwachsene Schaf in einem angrenzenden Gebüsch und weideten es fachmännisch aus. Am Jungtier vergriffen sie sich nicht, es erlitt aber beim Wurf über den Zaun Verletzungen an den Klauen und einen Schock, weshalb es seither tierärztlich behandelt wird.

Die Tierpfleger sind fassungslos

Die Tierpfleger des kleinen, von einer gemeinnützigen GmbH im Auftrag des Bezirks betriebenen Streichelzoos sind noch immer fassungslos. „Wir trauern um Rose, auf deren Lamm wir uns schon gefreut hatten“, sagt Gruppenleiter Gerrit Harre. Das trächtige Tier gehörte zur kleinen Herde der ostfriesischen Milchschafe. Nun überlegt das Team des Tierparks, wie die Gehege in der Nähe des Haupteingangs der Hasenheide am Hermannplatz eventuell besser gesichert werden könnten.

Der Schutzzaun war mit Stacheln versehen

Nach ersten Ermittlungen der Polizei überwanden die Täter den etwa 2,30 Meter hohen Zaun, obwohl dieser am oberen Rand mit Metallstacheln versehen ist. Nachdem sie das Mutterschaf ausgeweidet hatten, ließen sie nur dessen Klauen, den Kopf, das Fell und die Organe zurück. Es seien saubere, kundige Schnitte gesetzt worden, heißt es. Alles deutete auf eine professionelle Schlachtung hin. Weshalb die Täter das Jungtier Emma verschonten, ist unklar. Möglicherweise fühlten sie sich von anderen nächtlichen Parkbesuchern gestört.

Polizei und Tierpark hoffen auf Zeugen

Polizei und Tierpark bitten nun mögliche Zeugen des Geschehens, sich zu melden. Die Polizei ermittelt „wegen Diebstahls und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz“, so eine Sprecherin.

Der Tierpark Neukölln gehört seit etwa sechs Jahren zur gemeinnützigen „USE gGmbH“. Das soziale Unternehmen beschäftigt rund 30 Menschen im Streichelzoo, die vom Arbeitsamt aus verschiedenen Gründen besonders gefördert werden. Hinter den Zäunen gibt es Damwild, Weißstörche, Geflügelrassen, Ponys und neben den ostfriesischen Schafen schottische Soayschafe. „Unser Schwerpunkt“, sagt Tierpfleger Gerrit Harre, „liegt auf alten, bedrohten Haustierrassen.“

Der Tierpark ist von November bis März, 9-15.30 Uhr geöffnet; von April bis Oktober, 9-19.30 Uhr. Eintritt kostenlos. Im Internet: www.tierpark-neukoelln.berlin.de

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