Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg : Es bleibt bei drei BER-Managern

Der neue BER-Airport wird nun doch keinen vierten Manager bekommen. Lütke Daldrup soll dafür ein Jahr länger im Amt bleiben – bis 2021.

Warten kann man schon am neuen Flughafen. Nur die Passagiere und die Flugpläne fehlen – und noch ein paar Handgriffe an der Baustelle.
Warten kann man schon am neuen Flughafen. Nur die Passagiere und die Flugpläne fehlen – und noch ein paar Handgriffe an der...Foto: Sophia Kembowski/dpa

Das Management der Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB), die seit 2006 den neuen BER-Airport baut, wird nun doch nicht um einen vierten Geschäftsführer erweitert.

Nach Tagesspiegel-Informationen wird die Vorlage von Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider, mit der Carsten Wilmsen, bisher Immobilien- und Bauchef am Flughafen München, zum neuen Technikchef und vierten FBB-Geschäftsführer bestellt werden sollte, von der Tagesordnung der heutigen Sitzung des FBB-Aufsichtsrates in Tegel genommen.

Wilmsen soll weiterhin Technikchef am Flughafen werden. Wie sein Vorgänger Jörg Marks ist er dann aber nicht zugleich Geschäftsführer. Das ist der Kompromiss, den dem Vernehmen nach Lütke Daldrup vorgeschlagen hat. Ob dieser am Freitag bereits beschlossen wird, blieb am Vortag unklar.

Arbeitnehmervertreter intervenierten

Schon im November 2017 hatten Bretschneider und Lütke Daldrup vergeblich versucht, Wilmsen zum Technikchef und vierten Geschäftsführer zu machen. Damals war die Mehrheit im Aufsichtsrat sogar dafür, doch hatte Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) ein Veto eingelegt. Diesmal war es andersherum. Die Gesellschafter – auch Brandenburg – hatten keine Einwände.

Doch in den vergangenen Wochen hatten die Arbeitnehmervertreter, die jeden zweiten Aufsichtsrat stellen, massiv gegen das Vorhaben interveniert. Dem Vernehmen nach fühlten sie sich durch das Verfahren brüskiert, drängten auf eine Ausschreibung und wollten die Schaffung des neuen Postens und die Besetzung mit Wilmsen nicht abnicken. Die Mehrheit dazu habe gefehlt, hieß es in Aufsichtsratskreisen.

Vorgesehen bleibt wie bisher, dass Wilmsen vor allem die als FBB-Tochter geplante neue Projektgesellschaft aufbauen soll, die den Bau des schnell benötigten Erweiterungsterminals am BER managen soll. Es geht um Investitionen von jährlich rund 180 Millionen Euro.

Und die Zeitpläne sind auch dort knapp. So muss das neue Terminal (T2) für Billigflieger im Oktober 2020 fertig sein, da sonst der Berliner Innenstadtflughafen Tegel nicht geschlossen werden könnte – und bereits jetzt sind die Arbeiten in Verzug. Klar ist, dass die BER-Baustelle selbst Chefsache und damit in Zuständigkeit von Lütke Daldrup bleibt.

Dieser hatte sich von einem vierten Geschäftsführer Entlastung versprochen, um sich in der heißen Phase bis zur geplanten Eröffnung im Herbst 2020 ganz auf den BER konzentrieren zu können. Zudem müsse er sich um den neuen BER-Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses kümmern, hieß es.

Auf der Tagesordnung steht auch die Verlängerung des bisherigen Drei-Jahres-Vertrages von Lütke Daldrup um ein weiteres Jahr, da er sonst im März 2020 kurz vor dem BER-Eröffnungstermin aufhören würde. Daran haben weder Gesellschafter noch Aufsichtsräte ein Interesse.

Lage auf der Baustelle bleibt prekär

Denn die Lage auf der Baustelle bleibt prekär. Zwar betont Lütke Daldrup bei öffentlichen und internen Auftritten, dass die Eröffnung im Oktober 2020 nicht gefährdet sei. Doch die Reserven sind auf wenige Monate geschrumpft. Der Umbau der Sprinkleranlage und die Beseitigung der Mängel etwa bei Kabeln dauert länger als erwartet.

Inzwischen geht der Flughafen davon aus, dass die Wirk- und Prinzipprüfungen – also die entscheidenden Tests aller Systeme im Zusammenspiel – erst im Juni 2019 beginnen. Spätestens im Oktober 2019 muss die Flughafengesellschaft den Eröffnungstermin förmlich offiziell bestätigen, da etwa die Airlines ein Jahr Vorlauf brauchen. Und wie immer geht es um Geld.

Es fehlt eine halbe Milliarde Euro. Eigentlich hat die FBB den Auftrag, diese über unverbürgte Kredite zu finanzieren – mit hohen Zinsen. Der Bund hat deshalb seinen Anteil im Haushalt eingestellt, was der Bundesrechnungshof ausdrücklich befürwortete. Inzwischen wird vom Flughafen ein anderes Modell favorisiert, die Kredite erst nach der BER-Eröffnung aufzunehmen. Bis dahin ist genug Geld da, da die früher für Erweiterungen bewilligten 1,1 Milliarden Euro nun für den BER selbst ausgegeben werden.

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