• Haus der Gesundheitswirtschaft in Berlin-Marzahn: Ein Labor für Hightech in der Senioren-Plattenbauwohnung

Haus der Gesundheitswirtschaft in Berlin-Marzahn : Ein Labor für Hightech in der Senioren-Plattenbauwohnung

Auf dem Campus des Unfallkrankenhauses Berlin (ukb) entsteht gerade ein Neubau: Hier sollen Senioren und Unfallopfer Hightech für den Hausgebrauch ausprobieren.

So soll es aussehen, das neue „Zentrum für selbstbestimmtes Leben und Gesundheit“ in Berlin-Marzahn.
So soll es aussehen, das neue „Zentrum für selbstbestimmtes Leben und Gesundheit“ in Berlin-Marzahn.Foto: Smart Living am ukb Campus Berlin e.V.

Noch baumeln Stromkabel von der Betondecke und am Fahrstuhlschacht, den man hier für nur ein Stockwerk eingebaut hat, schützen Bretter den Baustellenbesucher vor einem Absturz.

Und doch bekommt man schon einen guten plastischen Eindruck von diesem Gebäude auf dem Gelände des Unfallkrankenhauses Berlin (ukb) am Blumberger Damm in Marzahn. Es soll nach der für den 1. März geplanten Eröffnung unter anderem ein bundesweit einzigartiges „Zentrum für selbstbestimmtes Leben und Gesundheit“ beherbergen.

Der Trägerverein und ihr ehrenamtlicher Vorsitzender, der CDU-Abgeordnete Christian Gräff, präsentieren es auch als anglophil als „Smart Living & Health Center“ (hier eine Projektbeschreibung als PDF-Download), da sie mit ihrem Projekt auch internationale Partner aus der Industrie gewinnen möchten, hier ihre innovativen Produkte auszustellen.

Produkte, die Menschen mit körperlicher Einschränkungen das Leben in der gewohnten Umgebung erleichtern beziehungsweise ermöglichen sollen: Griffe, Halter, Rampen, Sensoren. Die Phantasie kennt keine Grenzen.

Laut Gräff ist Marzahn und speziell der Campus, der über die Jahre rund um das Unfallkrankenhaus entstanden ist, aus zwei Gründen optimal gewählt: Erstens ist die ab Mitte der 1970er Jahre errichte Großsiedlung Marzahn einer der jüngsten Stadtteile Berlin. Zugleich sind die meisten der damals Hinzugezogenen mittlerweile alt und mitunter greise geworden. Sie sind ein Teil der Zielgruppe, die hier mit ihren Angehörigen die neusten Hilfswerkzeuge der Medizintechnik ausprobieren sollen.

Die Baustelle des „Hauses der Gesundheitswirtschaft“ am Blumberger Damm in Berlin-Marzahn.
Die Baustelle des „Hauses der Gesundheitswirtschaft“ am Blumberger Damm in Berlin-Marzahn.Foto: Kevin P. Hoffmann

Deshalb präsentiert Gräff beim Rundgang auch einen Grundriss einer typischen Plattenbauwohnung. Diese soll im Obergeschoss mit verschiebbaren Wänden bis auf den Zentimeter genau nachgebaut werden können. Inklusive einem Badezimmer, wo Besucher zum Beispiel den kostengünstigen Umbau einer barrierefreien Duschkabine testen können.

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„Es gibt sogar schon Sensoren, die den Körper eines Besuchers scannen, um dann automatisch die Höhe aller Badmöbel optimal auf seine oder ihre Körpergröße einzustellen“, freut sich Gräff. Das und andere Technologien seien natürlich auch für ältere Bewohner von Einfamilienhäusern, die es in Marzahn-Hellersdorf ebenfalls zu Tausenden gibt, interessant.

Christian Gräff, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus, engagiert sich seit fünf Jahren für das Projekt.
Christian Gräff, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus, engagiert sich seit fünf Jahren für das Projekt.Foto: Kevin P. Hoffmann

Und natürlich für manche Patienten, die das Unfallkrankenhaus leider nur mit körperlichen Einschränkungen verlassen können, aber weiter selbstbestimmt leben wollen.

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Rund 5,5 Millionen Euro kostet der Bau. Etwa eine Million davon haben Land Berlin und der Bezirk aufgebracht, der Großteil stammt vom BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin (ukb), wie es offiziell heißt. Neben dem künftig durch Spenden finanzieren Smart Living & Health Center finden in hier auch ein Pflegestützpunkt der AOK-Nordost und das Zentrum für Notfalltraining vom ukb ihren Sitz.

„Hier üben Ärzte, Pflegepersonal und Rettungskräfte aus unserer Klinik und anderen Krankenhäusern unter anderem in professionellen Simulationsszenarien, wie sie auch in Stresssituationen Entscheidungen und Abläufe bei der Behandlung von Schwerverletzten oder -erkrankten optimal gestalten“, sagt Professor Axel Ekkernkamp, der Ärztliche Direktor und Geschäftsführer des ukb.

Prof. Dr. med. Axel Ekkernkamp, Geschäftsführer des Unfallkrankenhauses Marzahn (aufgenommen 2014).
Prof. Dr. med. Axel Ekkernkamp, Geschäftsführer des Unfallkrankenhauses Marzahn (aufgenommen 2014).Foto: Kitty Kleist-Heinrich

„Das dient letztendlich der Patientensicherheit. Mit dem Neubau am Blumberger Damm schlagen wir damit zwei Fliegen mit einer Klappe: Wir fördern die medizinische Kompetenz und Versorgung der Region Ost. Und wir stärken die Gesundheitsbranche in Marzahn-Hellersdorf weiter.“ Schon jetzt sei das ukb mit rund 2500 Beschäftigten der größte Arbeitgeber im Bezirk.

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