Herthas Finanzchef über Stadion-Neubau : „Das sind gut kalkulierbare Risiken“

Ingo Schiller möchte den Olympiapark beleben und glaubt, dass der Verein ein eigenes Stadion finanzieren könnte. Auch einen Namenssponsor soll es geben.

So stellt sich die Hertha ihr neues Stadion vor.
So stellt sich die Hertha ihr neues Stadion vor.Foto: Promo

Herr Schiller, was haben Sie aus dem Sportausschuss des Berliner Parlaments mitgenommen, der sich vor drei Wochen mit Herthas Stadionplänen befasste?

Erst einmal viele Fragen, die uns die Abgeordneten gestellt haben. Die Themen bearbeiten wir jetzt zügig. Es wird nach der Sommerpause sicher noch eine weitere Beratungsrunde im Sportausschuss geben, vielleicht sogar noch eine dritte.

Hertha BSC will für den Neubau ein 53 400 Quadratmeter großes Grundstück am Rand des Olympiaparks pachten. Was wird das kosten?

Der Gutachterausschuss des Landes Berlin veröffentlicht jeweils zum Jahresanfang die Spanne der Verkehrswerte für sogenanntes Nichtbauland. In diese Kategorie fällt auch das Plangebiet, damit liegt ein erster Anhaltswert vor. Es handelt sich um eine unbebaute Sportfläche, da gibt es durchaus vergleichbare Fälle. Ich denke beispielsweise an das Areal eines Fußballvereins in Köpenick. Wenn der Wert ermittelt ist, müssen wir uns über einen Erbbauzins einigen …

… 6,5 Prozent? Das zahlt der 1. FC Union für seine Immobilie.

Ich bin guter Hoffnung, dass Hertha ein faires Angebot für die Erbpacht bekommt. Am Ende kommt es uns nicht auf 10 000 Euro Pacht mehr oder weniger an, sondern auf eine Gesamtlösung, die für beide Seiten tragfähig ist. Ohne das Grundstück werden wir in Berlin kein Fußballstadion bauen können, das ist klar. Und der Senat hat ein vitales Interesse, den einzigen Bundesligaverein Berlins in der Stadt zu halten.

Hertha BSC will das Stadion selbst finanzieren. Stehen die Investoren aus USA oder China schon Schlange?

Es gibt eine ganze Reihe interessierter Banken, Versicherungen, Fonds und Einzelinvestoren, die solche Infrastrukturprojekte gern finanzieren. Ein Fußballstadion ist ein interessantes Anlageobjekt, das stabile Renditen verspricht. Ich persönlich glaube nicht, dass wir Geldgeber außerhalb Europas haben werden, aber es ist noch zu früh, das zu entscheiden. Es gibt auch noch weitere Finanzierungsbausteine: Eigenkapital, eingesparte Miete für das Olympiastadion, Einnahmen aus Sponsoring-Verträgen und aus dem neuen Stadion.

Was ist mit dem Namensrecht?

Das einzige Erstliga-Stadion in Berlin benennen zu dürfen, wäre sicher für viele Unternehmen spannend, die in der Stadt ansässig sind oder dort Geschäfte machen. Ich bin sehr davon überzeugt, dass es uns gelingen wird, für ein solches Leuchtturmprojekt den richtigen Partner zu finden. Aber erst muss das Stadion gebaut werden. Dafür wird es eine vertragliche Fertigstellungsgarantie geben.

Trotz Ihrer optimistischen Einschätzung – manche Politiker trauen es dem Verein nicht zu, ein Investitionsprojekt von 200 Millionen Euro allein zu stemmen.

Diese Sorgen kann ich den Skeptikern nehmen. Es gibt viele Stadien in der ersten Liga, die wirtschaftlich betrieben werden. Auch in schwierigen Zeiten. Das sind gut kalkulierbare Risiken. Auch Hertha kann die Refinanzierung mit Zins und Tilgung langfristig tragen.

Es gibt noch andere Probleme, die Sie nicht nur mit Senat und Abgeordnetenhaus, sondern auch mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf besprechen müssen: etwa den Lärmschutz, der bisher für das Olympiastadion, das Maifeld und die Waldbühne gilt. Mit dem neuen Stadion käme eine weitere Lärmquelle hinzu.

Wir sind im guten Kontakt mit den Behörden, einschließlich unserem Heimatbezirk. Für den Lärmschutz haben wir schon erste Untersuchungen in Auftrag gegeben. Mit dem neuen Stadion ändert sich grundsätzlich nichts, es wird 17 Heimspiele pro Saison geben, aber keine zusätzlichen Großveranstaltungen. Selbst wenn wir im Einzelfall ein Konzert aus dem Olympiastadion übernähmen, weil es dort nicht die Ränge füllt, wäre das nur eine Verschiebung der Lärmquelle. Hinzu kommt, dass unser Stadion einen besseren Schallschutz bieten wird.

Machen Sie in einem solchen Fall halbe-halbe? Damit die landeseigene Olympiastadion GmbH nicht auch noch Konzerteinnahmen verliert?

Das ist alles Verhandlungssache. Es lassen sich, was eine mögliche Zusammenarbeit beider Stadien betrifft, viele Dinge vertraglich regeln.

Dem Olympiastadion geht, wenn Hertha auszieht, eine Jahresmiete von fünf Millionen Euro verloren. Für den Senat ist das ein Riesenproblem.

Wie gesagt: Wir bieten eine Kooperation an, die auch dem Olympiastadion hilft. Außerdem steht, wenn Hertha in der neuen Arena spielt, der Bundesliga-Spielkalender nicht mehr im Weg, um andere attraktive Veranstaltungen für das Olympiastadion langfristig zu akquirieren.

In München gibt es, nachdem die Bayern 2005 in die Allianz-Arena wechselten, für das dortige Olympiastadion noch kein befriedigendes Nutzungskonzept. Verstehen Sie nicht die Sorgen des Berliner Senats?

Doch, diese Sorgen nehmen wir ernst. Allerdings unterscheidet sich die Situation ganz grundsätzlich, denn in Berlin liegen beide Stadien nur einen Steinwurf auseinander. Die Hertha-Arena wäre Teil des Olympiageländes, das eine Vitalisierung gut vertragen kann.

Wie darf man sich das vorstellen?

Wir werden am Hertha-Stadion auch wochentags Gastronomie für jedermann anbieten, wir planen für die Sommerzeit auch einen Biergarten. Das ist nur ein Beispiel, wir sind erst am Anfang der Überlegungen und wollen gemeinsam mit dem Land Berlin ein Konzept entwickeln. Uns geht es darum, das Gelände zu beleben und die Mitnutzer – Sportvereine, Poelchau-Schule und Verbände – einzubinden und zu unterstützen.

Ist der Denkmalschutz ein Problem?

Ich denke, wir haben den Behörden gute Argumente geliefert, um dem Neubau zuzustimmen. Das Stadion liegt zu zwei Dritteln außerhalb des Olympiaparks und wird teilweise ins Erdreich eingelassen. Meiner Meinung nach wäre ein Umbau des Olympiastadions zu einer Fußballarena für den Denkmalschutz viel bedenklicher als unsere Arena.

Wer zahlt für die Verkehrserschließung im direkten Umfeld des neuen Stadions? Beispielsweise muss die Hanns-Braun-Straße nach Norden verschwenkt werden.

Verkehrswege sind erst mal Aufgabe der öffentlichen Hand. Im Rahmen einer Gesamtlösung wird auch dieses Thema besprochen. Bei der Hanns-Braun-Straße geht es um 200 Meter zweispurige Straße, die Rominter Allee und andere Stadionzugänge bleiben, wie sie sind. Die meisten Fans kommen ohnehin mit S- und U-Bahn. Auch aus Sicht einer ökologischen Verkehrspolitik ist der Standort für das neue Fußballstadion sehr nachhaltig. Die Anbindung ist ideal.

Vom Stadionbau sind sechs Häuser an der Sportforumstraße betroffen, die einer Berliner Genossenschaft gehören. Auch die Bildungsstätte der Sportjugend muss weichen. Wie gehen Sie damit um?

Es wird eine neue Bildungsstätte gebaut, da sind wir mit dem Sportbund in guten Gesprächen. Über die 24 betroffenen Wohnungen befinden wir uns mit der Genossenschaft im Austausch. Uns ist es sehr wichtig, eine verträgliche Lösung zu finden.

Hertha hofft, dass Rot-Rot-Grün bis Ende 2018 über den Stadionbau entscheidet …

… positiv entscheidet.

Sie glauben, dass es bis dahin klappt?

Wir haben unsere Pläne vorgestellt. Jetzt ist die Politik am Zuge. Wir stehen für einen konstruktiven Dialog jederzeit zur Verfügung. Mit Blick auf die notwendige Planungs- und Bauzeit, insgesamt fünf Jahre, hoffen wir, bis zum Jahresende zu einer Einigung zu kommen.

Herthas Finanzchef Ingo Schiller möchte den Olympiapark beleben. Für das neue Stadion soll es einen Namenssponsor geben, wie es bei anderen Erstliga-Klubs längst üblich ist.

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