Hoffest des Regierenden Bürgermeisters : Die lebensfrohe Seite Berlins

4000 Gäste folgen der Einladung von Michael Müller. Im Hof des Roten Rathauses wird so manches Projekt für die zweite Jahreshälfte klar gemacht.

Michael Müller, Regierender Bürgermeister und Gastgeber, macht bei seinem Hoffest Werbung für den 40. CSD am 28. Juli.
Michael Müller, Regierender Bürgermeister und Gastgeber, macht bei seinem Hoffest Werbung für den 40. CSD am 28. Juli.Foto: Paul Zinken/dpa

Dafür, dass Berlin bald eine Vier-Millionen-Stadt sei, laufe vieles eigentlich richtig gut, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller und nutzte als Kontrastprogramm zum häufigen Gemecker den Anlass, sich bei den Beschäftigten der Verwaltung mal ausdrücklich zu bedanken. Beim alljährlichen Hoffest zeigt sich Berlin traditionell von seiner Schokoladenseite: kreativ, spritzig, lebensfroh.

Knapp 4000 Gäste waren am Dienstagabend der Einladung zur großen Party in den Höfen des Roten Rathauses gefolgt. Zwei von ihnen hob der Gastgeber in seiner Begrüßung besonders hervor: Österreichs früheren Bundeskanzler Werner Faymann, den er spontan dazu gebeten hatte, und Berlins neue Ehrenbürgerin Margot Friedländer.

Sie ist ganz präsent im gesellschaftlichen Leben der Stadt, bei diesem Fest war sie aber zum ersten Mal und fand es gleich wunderschön. Mit Walter Momper und Klaus Wowereit zeigten auch die Amtsvorgänger, dass dieser lebendige sommerliche Kontakthof mit verschiedenen Generationen Berliner Honoratioren gut genutzt werden kann.

Programm mit den "Welthits des letzten Jahrtausends"

Viele Partner hatten sich darauf vorbereitet, Berlin ein facettenreiches, farbenfrohes Gesicht zu geben. „The 12 Tenors“ etwa, präsentiert von der Bar jeder Vernunft und dem Tipi am Kanzleramt, wollten eine Hommage an die "Welthits des letzten Jahrtausends" präsentieren. Zur Einstimmung hatte Moon Glow mit dem Bigband-Sound der 1930er Jahre erste Schwingungen in die Berliner Luft geschickt.

Die Deutsche Oper hatte die Funkbrothers und Soulsängerin Pat Appleton an den Start geschickt. Deutschen Power-Pop mit Herz und Schnauze sollten Eißzeit präsentieren, die Breakdancer der Flying Steps Bach und Breakdance kombinieren, und die Dirty Honkers hatten für die Nacht Elektro-Swing im Gepäck.

Künstler des Friedrichstadt-Palastes posieren beim Hoffest des Regierenden Bürgermeisters.
Künstler des Friedrichstadt-Palastes posieren beim Hoffest des Regierenden Bürgermeisters.Foto: Paul Zinken/dpa

Das Motto des diesjährigen Hoffestes lautete „#FreiheitBerlin“. Der Regierende Bürgermeister, der bis Ende Oktober auch Präsident des Bundesrats ist, erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass von dem Fest auch das Signal ausgehen solle, dass Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung in Berlin keinen Platz haben und fügte hinzu: „Die Bereitschaft, auch weiterhin Menschen in Not zu helfen, zeichnet uns aus.“

Bei „Unbeschwertem Deutsch Pop“ und Marching Jazz der 20er Jahre wurde auch manches Projekt für die zweite Jahreshälfte schon klar gemacht. Ideen sprudelten beim Smalltalk spätestens nach einigen berlintypischen Getränken, zu denen ja längst nicht mehr nur Bier und Weiße gehören, sondern auch ein gut gentrifizierter Wein. Man könnte zu dem Schluss kommen, das Hoffest sei ein idealer Ort, um Investoren noch mehr Appetit auf die Stadt zu machen, die sie in den letzten beiden Jahrzehnten auch ohne Zusatzmotivation schon erobert haben.

Berlin ganz bei sich

Eine andere Lesart sieht in dem Fest Berlin ganz bei sich selbst, als Stadt der Kultur und Kulturschaffenden, also letztlich auch als Zentrum der deutschen und internationalen Bohème, die singt, tanzt und sich in den Schönheiten und Abgründen des Lebens verwirbelt. Und dabei durchaus sozial orientiert ist. Der Kinderzirkus Cabuwazi etwa präsentierte Nachwuchsartisten aus Marzahn-Hellersdorf, die mit ihren künstlerischen Performances weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt geworden sind. Großen Applaus gab es für die kleinen Einrad-Fahrer.

Gleich am Anfang warb ein Flashmob in Gestalt von Christopher-Street-Day-Aktivisten in Regenbogenfarben, die „Stoppt Homophobia“ skandierten, für die Parade am 28. Juli. Offiziell war das wohl nicht geplant. Sehr gelobt von vielen Gästen wurde im Laufe des Abends die laue Berliner Luft, die nicht unbeträchtlich zur aufgeräumten Atmosphäre beitrug.

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