Ideen der Tagesspiegel-Redaktion : So kommen Sie gut gelaunt durch den Corona-Lockdown

Berlin fährt runter – und das im Herbst. Wir haben Tipps für Sie gesammelt, mit denen Sie den November ohne Blues, dafür aber mit guter Laune überstehen.

Das Beste draus machen. In Pfützen springen – nur echt mit nassen Socken und einem breiten Grinsen.
Das Beste draus machen. In Pfützen springen – nur echt mit nassen Socken und einem breiten Grinsen.Foto: mauritius images / Westend61 / Christian Gohdes

Angeblich ist der November in Berlin ja ganz besonders grau. Wir haben deshalb hier Tipps für Sie gesammelt, mit denen Sie den kommenden Monat trotzdem mit guter Laune überstehen.

1. In die Pfützen hüpfen
Das beste Mittel gegen schlechte Laune bei Regen: Gummistiefel anziehen und hemmungslos in Pfützen springen. Der Spaß beginnt, wenn das Wasser in die Stiefel läuft. Sind die Socken danach noch trocken, hat man es nicht richtig gemacht. Zur Entspannung kann man sich anschließend zu Hause an den Strand träumen, am besten in der Hängematte.

Um die sicher im Raum anzubringen, braucht man lediglich: zwei gegenüberliegende, starke Wände aus Stein oder Beton, zwei sogenannte Vier-Schrauben-Wandhaken (erhältlich zum Beispiel in Online-Shops für Hängematten), Schrauben, passende Dübel – und natürlich eine Hängematte. Nach der harten Montagearbeit fühlt sich das Abhängen umso mehr nach Urlaub an. Ultimativer Musikvideo-Tipp dazu: „Sunshine Reggae“ von Laid Back.

2. Dokus aus dem Stadtdschungel
Ziemlich coronasicher und auch bei bescheidenem Wetter reizvoll sind die Ausflugstipps von Derk Ehlert, Wildtierexperte der Senatsumweltverwaltung. Die jeweils etwa zehnminütigen Videos sind als Ersatz für den ausgefallenen Langen Tag der Stadtnatur entstanden. Inzwischen gibt es sechs Folgen mit Expeditionsempfehlungen zwischen Schöneberger Südgelände, Tiergarten und Moorlinse Buch (umweltkalender-berlin.de/empfehlungen).

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Die kann man bei ganz schlechtem Wetter gucken – und sich dann bei etwas besserem auf den Weg machen. Man freut sich mit Ehlert, wenn er etwa im Pankower Norden die Kraniche einschweben sieht oder frühmorgens einen Turmfalken mit Maus über dem Teufelsberg entdeckt oder im Tiergarten begeistert „Eineisvogeleineisvogeleineisvogel!“ ruft, als einer der gefiederten Edelsteine vorbeifliegt.

Man kann eine Menge lernen, über die Aufstehzeiten der Vögel (Krähen sind Langschläfer) oder warum Nutrias mehr Ärger machen als Biber oder warum die Ringeltaube, auf deren Federreste Ehlert im Naturpark Südgelände zufällig stößt, nur von einem Bussard gefressen worden sein kann und nicht von einem Säugetier. Wer erst die unterhaltsamen Videos guckt und dann loszieht, hat doppelt Spaß. Und klüger wird man sowieso.

3. Die Wohnung dekorieren
Schon in normaleren Zeiten ist im Herbst Cocooning angesagt. Erinnerungen an Kindertage werden wach, in denen man es richtig gemütlich hatte, wenn der Regen gegen die Scheiben prasselte und man nirgendwohin musste.

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Dazu gehörte es, kleine Tiere aus Kastanien zu basteln. Die Igel waren am einfachsten, gefolgt von Raupen. Spinnen mit Zahnstocherbeinen gehen auch ganz gut. Oder kleine Männchen mit Eichelhüten als Topping. Und für die Erwachsenen: Aus Kastanien, kombiniert mit Herbstlaub und Eicheln, lassen sich schöne Kränze fertigen für die Zeit bis zum Advent.

Kann man zur Freude der Nachbarn auch außen an der Wohnungstür aufhängen. Und man muss gar nicht weit rausfahren, um die Zutaten zu finden: Überall werfen Kastanienbäume ihre Fracht ab. Zum Beispiel vorm Schloss Bellevue. Und ein paar Bäume weiter, im Tiergarten, gibt es die passenden Eicheln.

4. Musicalfilme zum Mitsingen
Cut loose, footloose, kick off the Sunday shoes … Na, wippt schon der Fuß? Wer Ren MacCormack in einer Masse von 80er-Jahre-Teenagern die Beine schwingen sieht, kann kaum anders, als auf dem Sofa hin und her zu rutschen. Auch der Anblick von Dr. Frank N. Furter in Strapsen und Mieder in der „Rocky Horror Picture Show“ dürfte für breites Grinsen sorgen.

Bei Musicalfilmen schnipst und klatscht und klingt es. Das wird nicht irgendein Filmabend, das wird ein Erlebnis. Und selbst wenn die Stimmung nicht für übertrieben fröhliche Gesänge reicht, hat die Musicalwelt auch hier was in petto: „Moulin Rouge“.

Die tragische Liebesaffäre zwischen der Kurtisane Satine und dem Schriftsteller Christian im berühmtesten Bordell Frankreichs bietet hoffnungsvolle bis melancholische Lieder und bunte Tanzeinlagen der Pariser Bohème. Fernseher aufdrehen und inbrünstig mitsingen.

5. Gefühlvoll schreiben
Glück lässt sich meistens nicht lange festhalten. Die Augenblicke voller Seligkeit tauchen meist so unerwartet auf, wie sie wieder verschwinden. Andere wiederum ziehen fast unbemerkt vorbei, wenn man nicht gut aufpasst. Wer sie einfangen will, sollte Glückstagebuch führen. Dort wird alles eingetragen, was einem jeden Tag an Glück widerfährt.

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Generell hilft das Schreiben gut, um sich zu sortieren. Notizen über besondere, selbst beobachtete Szenen oder Erlebnisse im Alltag weiten den Blick für das Surreale. Daraus sehr kurze Kurzgeschichten entwickeln, die allesamt gut ausgehen dürfen, wäre durchaus eine Möglichkeit, der Angst vor dem grassierenden Virus zu trotzen. Und nachdem man so etwas Zuversicht geschöpft hat, könnte man auch mit seinen Memoiren anfangen.

6. Reise durch die Zeit
Die alten CDs stapeln sich wie der Turm zu Babel – daher jetzt die Scheiben mal durchschauen und hören. Was für Schätze! Die Partymucke der vergangenen Feten, feinstes Reggae-Urlaubsfeeling, Kizomba-Sportkursus-Gutelaunemusik, gebrannte Reisemitbringsel aus aller Welt.

Was war das mal für eine herrlich unbeschwerte Tanz- und Partyzeit! Und wenn die Isolationsphase länger dauern sollte als erwartet: Da stehen noch ein guter Meter Schallplatten und etliche Kisten mit Kassetten zum Durchstöbern im Regal.

7. Und all das, was man im ersten Lockdown nicht geschafft hat...
Gedichte auswendig lernen, sich Gedanken über Weihnachtsgeschenke machen, Luft anhalten trainieren (soll gut sein für die Abwehrkräfte), Knete kaufen oder selbst machen (Rezepte gibt’s im Netz) und kreativ werden, mal wieder einen Brief schreiben, Kürbisse schnitzen, Linzer Torte backen (hält bis Weihnachten), Zaubertricks üben, ein Instrument lernen, sich selbst tätowieren (Anleitung und Material gibt’s online), das Online-Yoga-Abo reaktivieren.

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Das Haustier dressieren, Achtsamkeitsübungen und Meditation, sich mit Zimmerpflanzen befassen (Bonsais und Ikebana!), bei uralten Freunden und bei Oma anrufen, Origami falten, das Smartphone aufräumen, Laternen basteln mit Luftballons und Seidenpapier, Zauberwürfel knacken und Schach spielen, sich belohnen, Heimwerken, Möbel umherschieben, Höhlen bauen, Tageslichtlampe besorgen.

Sich kleine Herausforderungen mit schnellen Erfolgserlebnissen suchen, die Pilzsaison nutzen und etwas Leckeres kochen, eine Nachtwanderung machen, sich passend zum Wetter einen britischen Akzent zulegen, ohne schlechtes Gewissen ein Stubenhocker sein und Videospiele zocken. Die Dinge tun, die man sich beim ersten Lockdown vorgenommen und dann doch nicht gemacht hat.

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