In Berlin unter dem Hammer : Erotiksammlung des Beate Uhse Museums wird versteigert

Hunderte Exponate aus dem früheren Beate Uhse Erotikmuseum am Bahnhof Zoo werden in einer Auktion angeboten, darunter Zeichnungen, Möbel und Skulpturen.

Um 1900 entstanden in Österreich diese Meerschaumpfeifen mit Bernsteinmundstücken und eine Zigarettenspitze.
Um 1900 entstanden in Österreich diese Meerschaumpfeifen mit Bernsteinmundstücken und eine Zigarettenspitze.Foto: Auktionshaus Historia

Auf ihr Berliner Erotik-Museum am Bahnhof Zoo war Beate Uhse (1919 bis 2001) sehr stolz. In zwei Etagen präsentierte die Unternehmerin ab 1996 rund 5000 historische Exponate über Erotik aller Zeiten und Völker, besonders aus Asien, Afrika, Europa und Indien.

Die einstige Kunstflug-Pilotin war ab den 1950er Jahren mit ihrem Erotikversand und ab den 1960er Jahren mit den weltweit ersten speziellen Sexshops bekannt geworden. Im August 2014 mussten das Museum und der benachbarte Shop schließen. Der US-Investor Hines ließ die ganze Geschäftspassage an der Joachimsthaler Straße abreißen. Heute verkauft dort die Billigmodekette Primark im Neubau Zoom. Die frühere Beate Uhse AG suchte einen Ersatzstandort für das Museum, wurde aber nicht fündig.

Nun versteigert das Auktionshaus Historia rund 550 Exponate. Dazu gehören Skulpturen, ein Fruchtbarkeitsschrein, Phallussymbole, Malereien und Zeichnungen (unter anderem auch von Heinrich Zille), Porzellan, Elfenbeinfiguren, Uhren, Keuschheitsgürtel und Möbel – darunter drei hölzerne Erotikstühle „frei nach dem Vorbild“ eines erotischen Kabinetts der russischen Zarin Katharina die Große.

Der gesamte Katalog steht online. Moderne Sexspielzeuge gehören nicht dazu. So etwas verkaufte Beate Uhse am Zoo nur im Sexshop, durch den der Weg ins benachbarte Museum alle Besucher führte.

Der frivol verzierte Holzstuhl mit Samtbezug ähnelt angeblich Möbeln aus dem verschollenen Erotikzimmer von Zarin Katharina II.
Der frivol verzierte Holzstuhl mit Samtbezug ähnelt angeblich Möbeln aus dem verschollenen Erotikzimmer von Zarin Katharina II.Foto: Auktionshaus Historia

Vom Unternehmen der Branchenpionierin ist wenig übrig

Heutzutage haben es Sexshops gegen das Internet schwer. Von der zweiten Pleite des Unternehmens berichtete die Wirtschaftswoche im Juli 2019: „Die be you GmbH, Muttergesellschaft des Erotikhändlers, hat am Mittwoch in Flensburg Insolvenz angemeldet. Die Sanierung nach der ersten Insolvenz Ende 2017 ist offenbar nicht geglückt.“

Inzwischen firmiert der Online-Versand unter der Beate Uhse Group BV der niederländischen EDC Gruppe. Deutschlandweit gebe es nur noch rund 20 Beate-Uhse-Sexshops, schätzen Branchenkenner. Einer davon ist an der Oranienburger Straße in Mitte gelegen.

Bei diesen Keuschheitsgürteln handelt es sich vermutlich um Bühnenreplikate aus dem 20. Jahrhundert.
Bei diesen Keuschheitsgürteln handelt es sich vermutlich um Bühnenreplikate aus dem 20. Jahrhundert.Foto: Auktionshaus Histioria

Für die Versteigerung können online bereits Gebote abgegeben werden, abgeschlossen wird die Auktion am 25. Januar ab 10 Uhr in den Räumen des Auktionshauses Historia an der Manteuffelstraße 27 in Tempelhof. In einem Begleittext schreibt der frühere Kurator des Erotik-Museums, Hans-Jürgen Döpp, dieses habe dazu beigetragen, „unseren Toleranzrahmen zu erweitern und neue Sehweisen zu entwickeln“.

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Für ihn als Sammler und Kunstsoziologen sei es eine Freude gewesen, bei der Entstehung der Sammlung ein „Geburtshelfer“ zu sein. Nun wirke er daran mit, „das Museum zu Grabe zu tragen“. Doch immerhin „erwachen all die schönen Dinge jetzt wieder aus ihrem Museums-Schlaf und liebäugeln mit neuen Sammlern, die sie zu neuem Leben erwecken“.

Die Seychellen- bzw. Maledivennuss ist der größte bekannte Pflanzensamen, wächst an Palmen auf den gleichnamigen Inseln und ähnelt einer Vulva.
Die Seychellen- bzw. Maledivennuss ist der größte bekannte Pflanzensamen, wächst an Palmen auf den gleichnamigen Inseln und ähnelt...Foto: Auktionshaus Historia
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