"Indoor Skydiving" : Der Traum vom Fliegen wird in Lichtenberg wahr

Am Sonnabend eröffnet Berlins erster Windkanal – zum Fliegen ohne Flugzeug.

Sophie Krause
Abgehoben. Der Probeflug lief schon mal gut. Bald können auch die Berliner im 32 Meter hohen Kanal bei 280 km/h Windgeschwindigkeit schweben.
Abgehoben. Der Probeflug lief schon mal gut. Bald können auch die Berliner im 32 Meter hohen Kanal bei 280 km/h...Foto: Lienbacher/promo

Der Traum vom Fliegen soll in Lichtenberg wahr werden. Dort eröffnet das österreichische Unternehmen Windobona seinen „Indoor Skydiving“-Tunnel. Nach Wien und Madrid ist Berlin die dritte Metropole, in der die Bodyflyer einen Windkanal für Anfänger, Familien, Gruppen und Profis eröffnen. Im kommenden Jahr soll auch in Hamburg ein Windtunnel gebaut werden.

Das Gelände an der Landsberger Allee, an dessen Einfahrt bezeichnenderweise zwei Windmännchen wackeln, wirkt von außen unscheinbar, wie eine große Baustelle. Vor dem kleinen Skydiving-Center stehen Handwerker auf Leitern, bohren und schrauben noch. Bis Sonnabend, zur großen Eröffnung mit Lasershow, Feuerwerk und Skydive-Vorführung, muss alles schick sein. Im Hauptraum steht der runde verglaste Windkanal mit 4,3 Meter Durchmesser und einer Höhe von 32 Metern. Mutige können darin einen Fallschirmsprung mit bis zu 280 km/h Windgeschwindigkeit simulieren. Im Wiener Tunnel trainiere sogar das österreichische Militär, erzählt Marketing-Manager Philip Gaßmann. Denn gegenüber einem echten Fallschirmflug sei die Simulation im Tunnel wesentlich effizienter, da der Flug hinauf wegfällt und der Flug „hinab“ doppelt so lang dauert.

Im großen Hauptraum tummeln sich ein Dutzend junge Herren und Damen mit wohltrainierten Körpern in engen Ganzkörperanzügen. Sie sind die Flugtrainer. Es herrscht lockere Start-up-Atmosphäre; viele junge Menschen, die Sneaker, lange Haare und Bärte tragen. Für eine Kostprobe steigen je drei Spitzensportler des „Red Bull Skydiving“-Teams mit Fluganzügen und Helmen in den Tunnel. Während ihre Körper kopfüber im Wind zirkulieren und sich wie von Geisterhand hinauf- und hinabbewegen, erklingt außerhalb das Rauschen der Windmaschine, ähnlich einer Flugzeugkabine. Synchron und geschwind demonstrieren die Bodyflyer verschiedene Figuren.

Ein Vergnügen für Groß und Klein

Der Windkanal richtet sich an alle Altersgruppen. „Wir haben gerade über 80 Tickets für Kinder verkauft und wollen bald auch Kindergeburtstage veranstalten“, sagt Philip Gaßmann. Für Kinder sei es sehr leicht, das Fliegen zu lernen. Doch selbst seine 80-jährige Großmutter sei schon im Tunnel geflogen. Verglichen mit einem echten Fallschirmsprung sei der Windtunnel ja sicher: Seine Hülle besteht aus dreischichtigem, vier Zentimeter dickem Panzerglas. Unterhalb der Flughöhe von 17 Metern ist ein Sicherheitsnetz befestigt. Anfänger betreten den Tunnel immer mit einem Trainer, der ihnen Handzeichen gibt. Sie lernen zuerst die Grundposition, bei der sie auf dem Bauch in der Luft liegen.

Am Boden befindet sich die Düse, die den Wind beschleunigt. Vier sogenannte Axialventilatoren im hinteren Bereich treiben die Luft im Windkanal mit einer Leistung von insgesamt 1200 Kilowatt an. Zwei Flugminuten, inklusive Einführung und Material, kosten hier happige 49 Euro. Den hohen Betrag erklärt Gaßmann mit den starken Strom- und Personalkosten des Windtunnels sowie den Baukosten von rund zehn Millionen Euro. Der Traum vom Fliegen hat eben seinen Preis.

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Indoor Skydiving, Landsberger Allee 268. Eröffnung an diesem Sonnabend, 19 Uhr.

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