Inklusionspreis: ein Porträt von Graf Fidi : Battle-Rapper auf Mission

Graf Fidi ist Musiker, Sozialpädagoge - und „Inkluencer“. Jetzt trat er bei der Verleihung des Inklusionspreises im Roten Rathaus auf. Ein Porträt.

Hans-Friedrich „Fidi“ Baum alias Graf Fidi bei seinem Auftritt zur Verleihung des Berliner Inklusionspreises am 11. November.
Hans-Friedrich „Fidi“ Baum alias Graf Fidi bei seinem Auftritt zur Verleihung des Berliner Inklusionspreises am 11. November.Foto: Sandra Ritschel

Hip-Hop ist nicht gerade dafür bekannt, sensibel mit Sprache umzugehen: Wörter wie „Spast“ oder „behindert“ werden schnell und ohne nachzudenken als Beleidigung verwendet. Doch es geht auch anders. „Ich mach das mit links!“, kontert Graf Fidi, und zwar mit dem „Schlimmen Finger“, so heißt das Album des Berliner Rappers, der bei der Verleihung des Berliner Inklusionspreises des Lageso auftrat. Hans-Friedrich „Fidi“ Baum, so der bürgerliche Name des 38-Jährigen, hat an einer Hand nur einen Finger und benutzt aufgrund einer Spastik für größere Strecken einen Rollstuhl.

Als Musiker und Sozialpädagoge ist er erfolgreich in verschiedenen Welten unterwegs: Als Graf Fidi rappt er ganz selbstverständlich übers Partymachen und die Liebe zu Berlin, aber eben auch über Barrierefreiheit und Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung. Gleichzeitig ist er Inklusionsbotschafter, der über seine Erfahrungen vielfältig berichtet. „Ich kann darüber sprechen und rappen“, sagt Baum. Seit 2015 ist er stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Lebenshilfe Berlin.

Rap-Texte als eine Form von Tagebuch

Rückblickend sei klar gewesen, dass er später Hip-Hop machen würde, sagt Baum. „Meine Mutter hat im Radiosinfonieorchester gespielt, mein Vater war Fremdsprachenkorrespondent und Synchronsprecher.“ Als ihm ein Freund das Album „Hell On Earth“ von Mobb Deep in die Hand drückte, war es um ihn geschehen. Lange Zeit war das Schreiben von Rap-Texten für ihn vor allem eine Form von Tagebuch, etwa um Mobbing in der Schule zu verarbeiten, wie man im Song „Mitten im Leben leben“ nachhören kann. Baum sammelte viele Erfahrungen als Battle-Rapper, doch seine Hip-Hop-Karriere nahm erst 2011 Fahrt auf: An der Evangelischen Hochschule Berlin machte ihm das tägliche Treppensteigen zu schaffen. Seine Forderung, einen Fahrstuhl einzubauen, wurde mit Verweis auf den Denkmalschutz abgewiesen. Daraufhin produzierte er „EHBarrierefrei“, ein Track mit Video über den Missstand - zwei Jahre später wurde der Fahrstuhl eingeweiht.

Die Balance ist nicht immer einfach

„Als ich merkte, dass ich mit meiner Musik etwas bewegen kann, ist mir klar geworden: Ich habe ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt er. Umgekehrt half ihm sein Talent auch bei der Arbeit, denn als Sozialpädagoge bot er Rap-Workshops an. „Hip-Hop und Soziale Arbeit passen sehr gut zusammen, das ist nun mal die Musik, die die meisten Jugendlichen hören.“ Mittlerweile ist Baum in erster Linie als Musiker unterwegs. Er hat sein eigenes Studio, bietet Musikproduktionen an, arbeitet am sechsten Album, das 2020 herauskommen soll. Immer öfter werde er auch als Kampagnenbotschafter und „Inkluencer“, wie er selbst sagt, angefragt. Aktuell arbeitet er für die Caritas am Projekt „Fachkraft Leichte Sprache“.

Doch die Balance zwischen Hip-Hopper und Inklusionsbotschafter ist nicht ganz einfach. Immer wieder kommt es vor, dass Baum auf ältere Battle-Rap-Tracks im Netz angesprochen wird, in denen er Kraftausdrücke verwendet. Wie passt das zu seiner Vorbildfunktion? „Im Rap geht es nun mal um Übertreibung, das darf man nicht wörtlich nehmen“, sagt er. Mittlerweile ist er es gewohnt, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und Dinge erklären zu müssen: „Aber ich mache das sehr gerne.“

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