Innerdeutsche Umzüge : Hohe Mieten treiben Berliner nach Brandenburg

Im bundesweiten Vergleich ist Brandenburg die Nummer eins der innerdeutschen Wanderung. Das liegt vor allem an Berlin.

Neubau-Siedlung in Falkensee. Viele Berliner ziehen ins Umland, weil dort noch bezahlbarer Wohnraum zu haben ist.
Neubau-Siedlung in Falkensee. Viele Berliner ziehen ins Umland, weil dort noch bezahlbarer Wohnraum zu haben ist.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

„Des einen Freud, des anderen Leid“ – auf Berlin und Brandenburg trifft das immer wieder mal zu. So wurde die in dieser Woche veröffentlichte Mitteilung des Statistischen Bundesamtes in Potsdam begrüßt, in Berlin eher bedauert. Denn das Land Brandenburg profitiert mit Abstand am meisten von sogenannten innerdeutschen Wanderungen: Im vergangenen Jahr zogen 15 000 mehr Menschen in die Mark, als von dort weggingen. Weit abgeschlagen folgen die Länder Bayern mit einem Bevölkerungssaldo von 9000 und Schleswig-Holstein mit 8000 Zuwanderern.

Berlin hingegen hat 2018 unterm Strich um die 8000 Einwohner an andere Bundesländer verloren und liegt damit bei den Verlierern der innerdeutschen Wanderungen gleich hinter Nordrhein-Westfalen. Dass viele Berliner laut Statistischem Bundesamt nur ein paar Kilometer weiter ins Umland zogen, ist für die Hauptstadt kein Trost.

Die Gründe dafür werden beim Statistischen Bundesamt nicht erfasst, liegen aber auf der Hand, sagt der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild: „Früher waren es vor allem jene Berliner, die Eigentum bilden wollten, was im Umland viel preiswerter war. Inzwischen sind es aber auch Menschen, die sich die teuren Mieten in Berlin schlichtweg nicht mehr leisten können.“

Mietendeckel wird Berliner in der Stadt halten

Die Brandenburger Kommunen werben natürlich damit, sagt Wild. Erst kürzlich habe er in der S-Bahn ein Schild gesehen, wonach man in Eberswalde nur sechs Euro pro Quadratmeter Miete zahlen müsse. „Dass man dann auch eine Stunde und 15 Minuten Fahrzeit bis in die Hauptstadt braucht, stand da allerdings nicht“, sagt Wild. Dass die geplanten Maßnahmen zur Mietpreisdeckelung dazu beitragen können, mehr Berliner in der Stadt zu halten, bezweifelt Wild nicht, auch die stellvertretende Sprecherin der Senatsverwaltung und Wohnen, Petra Rohland, ist sich da sicher: „Das geht nicht von heute auf morgen, aber wir haben auch schon viele andere Schritte unternommen, wie etwa die Ausweisung von Milieuschutzgebieten.“

Außerdem sei die Situation so lange nicht dramatisch, wenn alles in allem aufgrund des Zuzugs aus dem Ausland, mehr Menschen nach Berlin kämen als von dort wegzögen, sagt Rohland. Davon profitiere letztlich auch Brandenburg.

Dort ist die Freude über die Zuwanderung auch nicht ganz ungetrübt. Tatsächlich sind es vor allem Familien mit Kindern, die oft ein Haus oder einen Garten wollen, sagt eine Sprecherin des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung in Potsdam: „Dadurch verjüngt sich die Bevölkerungsstruktur im Land und das können wir gut gebrauchen.“

Wenig Zuzug am Außenrand Brandenburgs

Aber die positive Entwicklung betreffe nach wie vor vor allem das Berliner Umland, an der Peripherie sehe es anders aus. „Erfreulich ist, dass inzwischen auch mehr Menschen in die kleineren Städte wie Luckenwalde oder Oranienburg ziehen, die mit Zügen von Berlin aus gut erreichbar sind“, sagt die Sprecherin: „Wir bemühen uns, mit der Bereitstellung von Wohnungsbauflächen noch mehr Menschen in den berlinfernen ländlichen Raum zu locken, dazu wollen wir ja auch die Schieneninfrastruktur weiter ausbauen.“ Letzteres sei auch im Zeitalter der Neuen Medien wohl entscheidend, sagt die Sprecherin, obwohl es in einigen ländlichen Gebieten schon Versuche mit sogenannten Coworking-Space-Projekten laufen.

Diese richten sich an Menschen, die raus aufs Land wollen, Wert auf Nachhaltigkeit und einen gewissen Baustandard legen und ihre Arbeit am Computer unabhängig von einem Ort erledigen können. Dafür stellen die Städte oder Gemeinden entsprechende Infrastruktur zur Verfügung; besonders wichtig sind stabile Internetverbindungen.

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