Instagram, Twitter & Co. : Soziale Medien und die Filmbranche

Influencer und sozialen Medien werden für Filme und deren Vermarktung immer wichtiger. Die Branche diskutiert, wie damit umzugehen ist.

Meinungen und Begehrlichkeiten werden immer öfter in sozialen Netzwerken gebildet.
Meinungen und Begehrlichkeiten werden immer öfter in sozialen Netzwerken gebildet.Foto: AFP

Werden Blogger und die Quotenkönige in den sozialen Medien die neuen Filmstars? Ein hochkarätiges Podium hatten die Anwaltskanzlei Morrison und Foerster und die Motion Picture Association aus Anlass der Berlinale zusammengebracht, um die zukünftige Rolle der sozialen Medien für den Film zu erforschen.

Michelle Logsdon, Kulturattacheé der US-Botschaft, wies auf die enge Beziehung hin, die Influencer mit fünfstelligen Follower-Zahlen haben. Man besucht sie jeden Tag, Jugendliche schauen schon mal stündlich nach, was ihren Vorbildern gerade wichtig ist und gefällt.

Influencer geben Filmtipps

Charles Rivkin, der Vorsitzende der Motion Picture Association of America, wies in seiner Keynote-Rede auf die Bedeutung der Phantasie als Konstante im Wandel der Medien hin. Das Vorstellungsvermögen habe in der Filmindustrie auch deshalb so eine starke Rolle, weil manchmal noch während der Dreharbeiten neue Technologien entwickelt werden müssen, um einen Stoff auf die Leinwand zu bringen.

Für ihn ist es wichtig, Ideen in der Zukunft noch mehr vor dem Abkupfern zu schützen. Anhand des Eröffnungsfilms „Isle of Dogs“ der mit Beteiligung aus Deutschland, Japan, Großbritannien und den USA gefertigt wurde, lobte er besonders die globale Vielfalt von Ideen.

Die Moderation hatte Christiane Stuetzle übernommen, Partnerin der Kanzlei, die als Rechtsbeistand auch im Abspann des Films vorkam. Sie trug ein viel bewundertes Kleid mit Motiven aus „Isle of Dogs“. Ute Zahn, Gründerin von „Artist Network“, berichtete, wie es immer wichtiger werde für Schauspieler, sich einen eigenen Auftritt zum Beispiel bei Instagram zu erarbeiten. Der Vorteil liegt aus ihrer Sicht auch darin, dass die Schauspieler da ihr eigenes Image gestalten können.

Der mehrfach ausgezeichnete Berliner Schauspieler und Produzent Tim Oliver Schultz verfügt inzwischen über eine Gemeinde von mehr als 250.000 Followern auf Instagram. Sagt ein Influencer dort, dass ihm ein Film gefallen hat, dann gilt das bei den Followern so viel wie die Empfehlung eines guten Freundes. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihn auch sehen wollen, steigt also. Insofern können Schauspieler hier die Einschaltquoten ihrer eigenen Filme erhöhen.

In seinem Film „Heilstätten“, einem deutschen Horrorfilm, hat Produzent Till Schmerbeck die Youtuber-Protagonisten mit echten Schauspielern besetzt, da man für einen Horrorfilm sehr gut und wirklich professionell spielen können muss.

„Ich würde nie etwas empfehlen, was mir nicht gefällt“

Wer eine Sache promoten will, muss eine Geschichte erzählen. Für Influencer Christoph Krachten ist es schon ein guter Plot, wenn eine Sache ausgepackt wird. Mit Levin Vostell war auch ein Startup-Gründer dabei, der einen Algorithmus entwickelt hat, mit dem Produkte und die dafür geeigneten Influencer zusammengebracht werden können.

Der Markt ist in Bewegung. Filme können von Influencern profitieren, aber es gibt neue rechtlicheVorschriften, nach denen kommerzielle Werbung erkennbar sein muss. Einladungen zu Filmpremieren, bei denen der Influencer keine Verpflichtung eingeht, aber vielleicht trotzdem gute Eindrücke postet, sind eine Möglichkeit, dem zu entgehen.

Tim Oliver Schultz freilich ist gar nicht scharf auf kommerzielle Einsätze. „Ich würde nie etwas empfehlen, was mir nicht gefällt.“

Mehr lesen? Jetzt E-Paper testen + Geschenk sichern!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar