Berlin : Integration mit Tricks und Kniffen

Auszeichnung für Bürgerstiftung Berlin

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So viel Aufsehens war ihnen fast ein wenig peinlich. Rania El-Hussein und Nevena Ljubinkovic stehen auf der Bühne im Forum der DZ Bank am Pariser Platz, und Bundespräsident Horst Köhler und Innenminister a.D. Otto Schily applaudieren kräftig. Doch den Beifall haben die 32-jährigen Lesepatinnen verdient: Mit anderen Ehrenamtlichen stemmen sie Integrationsprojekte für Kinder nichtdeutscher Herkunft der Bürgerstiftung Berlin. Dafür gab es Dienstagabend den ersten Preis des Dachvereins Aktive Bürgerschaft, begründet von den Volks- und Raiffeisenbanken.

Bürgerstiftung – das klingt nach viel Geld. Doch all die Projekte sowie ein Teil der Personal- und Sachkosten müssen über Fundraising finanziert werden, sagt Helena Stadler, Leiterin der Geschäftsstelle der Bürgerstiftung Berlin. Das Preisgeld von 15 000 Euro gab es nur als Fonds. Stadler konnte BP und Boeing als Förderer gewinnen. Zum Glück gibt es stille Mäzene wie das Berliner Ehepaar Braun. Die Projektideen mit pädagogischen Kniffen haben auch sie überzeugt.

Gudrun Wolff etwa, Lehrerin an einer Volkshochschule und der Teltow-Grundschule, hatte die Idee, Mütterkurse in der Schule zu erteilen – so haben die Frauen den Ehrgeiz, für und mit ihren Kindern Deutsch zu lernen. Wenn erfolgreiche Berlinerinnen nichtdeutscher Herkunft wie die Autorin Dilek Güngör mit jungen Deutschtürken lesen, springt die Leselust leichter über. Ähnlich erfolgreich arbeiten die gebürtige Libanesin Rania El-Hussein und Nevena Ljubinkovic, die serbisch, kroatisch und bosnisch spricht. Die beiden Mütter studieren Erziehungswissenschaften und Psychologie an der FU. Beim „Bilderbuchkino“ lesen sie mit Kindern und Müttern mal auf Deutsch, mal in der Herkunftssprache – und besprechen auch persönliche Sorgen und Nöte.

Bei der Berliner Bürgerstiftung (Tel. 8322 8113) mit Schirmherr Wolfgang Thierse engagieren sich bereits 250 Helfer an acht Schulen und einer Kita. Applaus haben sie alle verdient. kög

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