Internationales Frauenfußball-Festival : Fußball entdecken

Im Kreuzberger Willy-Kressmann-Stadion beginnt „Discover Football“, das internationale Frauenfußball-Festival. Dabei wird nicht nur mit dem Ball gespielt.

Das Frauen-Fußball-Fest lädt nicht nur zu vielen Spielen, sondern auch zu einem spannenden Beiprogramm.
Das Frauen-Fußball-Fest lädt nicht nur zu vielen Spielen, sondern auch zu einem spannenden Beiprogramm.Foto: Discover Football

Am Eingang des Willy-Kressmann-Stadions im Kreuzberger Viktoriapark hängen pinkfarbene Banner mit der Aufschrift „Discover Football“ – Fußball entdecken. Doch mit ein bisschen Entdeckung allein ist es nicht getan, das internationale Frauenfußball-Festival hat größere Ziele: „Lasst uns Fußballfelder, Tribünen und Bühnen beanspruchen, eine nach der anderen“, steht in der Festivalbroschüre. Es geht um die Gleichberechtigung von Mädchen, Frauen, trans- und intersexuellen Weiblichkeiten im Fußball durch ein weltweites Netzwerk.

Ab der Eröffnungsfeier am Dienstag (18 Uhr) werden im Stadion bis zum Finale am Sonntag die Bälle rollen; 100 Spielerinnen, Trainerinnen und Schiedsrichterinnen aus Kenia, Iran, Nepal, Serbien, Argentinien, Armenien, Bolivien, Deutschland, Kolumbien, Südafrika, Kamerun und Australien reisen dafür an. „Wir haben ein Netzwerk in über 90 Ländern auf insgesamt fünf Kontinenten“, erzählt die Fotografin und Pressesprecherin, Dana Rösiger. Seit 2009 engagiert sie sich im überwiegend ehrenamtlichen Team, in diesem Jahr feiern sie ihr zehnjähriges Jubiläum.

Entsprechend vielfältig ist das für Besucher öffentliche Kulturprogramm: Da gibt es Diskussionsrunden – die sogenannten „Pink Panels“ – Open Air Kino und Konzerte der Rapperin „Tice“ oder der musicalerprobten „Miss Malonda“. Eröffnet wird die Fußball-Kulturwoche am Dienstagabend von der Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne). Außerdem kommt Monika Staab, eine der erfolgreichsten Trainerinnen im Fußball der Frauen, die sich weltweit für den weiblichen Nachwuchs engagiert, etwa bei einem Projekt in Gambia.

„Vor dem Spielstart lernen sich die Frauen bei unserem Workshop-Programm zum Thema ,Fair Play’ kennen", so Rösiger. Thematisch dreht sich das Coaching um Geschlechtergerechtigkeit im Fußballsport, denn da liegt viel im Argen. Spielerinnen stoßen auf erhebliche soziale und familiäre Grenzen, um Fußball zu spielen. Das weiß auch die Workshop-Referentin Khalida Popal, ehemals Koordinatorin des afghanischen Nationalteams. 2018 ging sie mit dem Missbrauchsskandal um ihr Team an die Öffentlichkeit, die Fifa sperrte den Vergewaltiger Keramuddin Karim daraufhin lebenslänglich.

Fußball entdecken können Interessierte bei den zahlreichen Spielen und Veranstaltungen.
Fußball entdecken können Interessierte bei den zahlreichen Spielen und Veranstaltungen.Foto: Discover Football

Ein weiteres Beispiel der Repression: 2013, zwei Jahre nach dem Aufstand gegen den Diktator Muammar al Gaddafi, verhinderte der libysche Fußballverband die Teilnahme des Frauenfußball-Nationalteams bei „Discover-Football“. Über den Freiheitskampf aus der Sicht von Fußballerinnen im post-revolutionären Libyen gibt es am Donnerstag um 20 Uhr den Dokumentarfilm „Freedom Fields“ von Regisseurin Naziha Arebi zu sehen.

Neben der Geschlechtergerechtigkeit lässt sich das Motto „Fair Play“ auch auf den Teamgedanken unter den Spielerinnen übertragen. So werden beim Festival in Berlin die Teams völlig neu gemischt – eine spielerische wie sprachliche Herausforderung. Frauen verschiedener Nationen träfen das erste Mal aufeinander, erklärt Rösiger. „Das ist bereichernd für die interkulturelle Verständigung.“ Nicht nur für die Spielerinnen sei das neu, auch die Trainerinnen würden sich dabei ihrer Rolle als eventuelles Vorbild und Führungsperson bewusster. Immer vormittags trainieren die Spielerinnen außerdem den Nachwuchs – in Zusammenarbeit mit „Seitenwechsel“, einem Kreuzberger Sportverein für „FrauenLesbenTrans*Inter* und Mädchen“.

Gleichberechtigung noch nicht erreicht

Welche Teams am Festival teilnehmen entscheidet vorher ein Gremium aus Spielerinnen und Schiedsrichterinnen. Dabei sei die Motivation der Teilnehmerinnen entscheidend. Und so zeigen die Fotografien von Rösiger etwas Selbstverständliches: starke, selbstbewusste Frauen, die Fußball spielen. Umso mehr verwundert es, dass sowohl Frauen als auch ihr Fußballspiel in vielen Regionen noch längst nicht gleichberechtigt sind. Beansprucht werden müssen dafür neben dem Willy-Kressmann- Stadion in Kreuzberg noch viele andere Fußballfelder, Tribünen und Bühnen auf der ganzen Welt.

„Discover Football“, Internationales Frauenfußball-Kulturfestival, 30. Juli bis 4. August im Will-Kressmann-Stadion, Dudenstraße 40-46. Eintritt frei, Programm: discoverfootball.de

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