• „Jesus ist fucking auferstanden“: Was verschiedene Religionen in Berlin mit Ostern verbinden

Ostern in der islamischen Gemeinde

Seite 2 von 4
„Jesus ist fucking auferstanden“ : Was verschiedene Religionen in Berlin mit Ostern verbinden

Hawa Ö. (möchte Nachnamen nicht veröffentlichen), IT-Beraterin und Studentin im Bereich Embedded Systems, Muslimin, Vorstandsvorsitzende des Tauhid Jugendvereins
Ich freue mich darüber, dass es zu Ehren des Propheten Jesus einen Feiertag gibt. Wir lieben Jesus und wir schätzen seine Lehren. Genauso wie wir die Propheten des jüdischen Glaubens schätzen und würdigen. Ich fühle mich auch nicht durch etwas eingeschränkt, weil das ein christlicher Feiertag ist. Vielmehr nutzen wir die freien Osterfeiertage indem wir viele Angebote in unseren islamischen Gemeinden anbieten, gemeinsam lernen und Gott/Allah gedenken.

Wir haben Qurankreise, Seminare, Quran Wettbewerbe, Vorträge, Wandertage, Theatergruppen oder Nähkurse im Repertoire. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn wir stattdessen muslimische Feiertage hätten, aber es gibt nun keinen Grund zum Beschweren. Bisher nehmen wir Muslime uns an den für uns wichtigen Feiertagen frei. Unsere Feiertage, wie zum Beispiel das Zuckerfest nach Ramadan, sind wichtige Tage für Muslime. Die möchten wir auch gemeinsam mit unseren Liebsten feiern. Deshalb beantragen wir dann Urlaub.

Hawa Ö., IT Beraterin und Studentin im Bereich Embedded Systems.
Hawa Ö., IT Beraterin und Studentin im Bereich Embedded Systems.Foto: privat

Ich bin in einer ”muslimischen” Familie aufgewachsen, aber erst nach meiner spirituellen Phase im Ausland, in der ich mir viele Gedanken über den Sinn der Menschheit gemacht habe und mich intensiv mit dem Christentum und dem Judentum im Zusammenhang mit meinem wissenschaftlich basierten Studium auseinandergesetzt habe, entschied ich mich ganz bewusst für den Islam. Kurz darauf legte ich mir das Kopftuch an.

Muslime arbeiten auf ein vielversprechendes Leben nach dem diesseitigen Ableben. Das erreiche ich, in dem ich nützlich bin und Gute Taten vollbringe, das irdische Leben aller Lebewesen würdige, Nächstenliebe ausspreche sowie hilfreich für meine Umgebung bin. 

Leider gibt es viele Vorurteile gegenüber Muslimen, wo es mich schon nervt, dass ich dazu schon wieder Fragen beantworten muss. Ja, ich trage mein Kopftuch freiwillig und nein, niemand schreibt mir dazu irgendwas vor. Wir Muslime machen auch so viel Positives. Als Vorstandsvorsitzende des Tauhid Jugendvereins konnten wir ein Großprojekt letzten Winter umsetzen. Jede Woche haben Jugendliche von uns im Alter von 15 bis 30 Jahren Bedürftige und Obdachlose mit Grundbedürfnissen eingedeckt.

Wir haben Suppen, Eintopf, Hygieneartikel, warme Getränke, wintergeeignete Kleidung und Schlafsäcke verteilt. Obwohl Berlin toleranter ist als andere Städte in Deutschland, vergeht auch hier kein einziger Tag, in dem nicht ich oder ein Moslem oder eine Muslimin in meinem Bekanntenkreis diskriminiert wird. Mir wurde schon von potentiellen Arbeitgebern gesagt, wenn ich mein Kopftuch ablege, könnte ich dort anfangen. Ich möchte mir meine Freiheit nicht einschränken lassen und streite gerne darum. 

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!