• „Jesus ist fucking auferstanden“: Was verschiedene Religionen in Berlin mit Ostern verbinden

„Jesus ist fucking auferstanden“ : Was verschiedene Religionen in Berlin mit Ostern verbinden

Für Christen ist es das wichtigste Fest im Jahr. Muslime, Juden und Humanisten begehen die Tage anders. So verbringt die bunte Stadt Berlin die Feiertage.

Evangelische und katholische Würdenträger passieren bei der Karfreitagsprozession das Denkmal von Marx und Engels.
Eine Frage des Bewusstseins: Evangelische und katholische Würdenträger passieren bei der Karfreitagsprozession das Denkmal von...Foto: imago images / Christian Ditsch

Manuel Kowol, 21, Student der Medieninformatik aus Dahlem, aktiv in der katholischen Kirche
Ostern ist für uns Christen das wichtigste Fest des Jahres, noch vor Weihnachten. Wäre Jesus an Ostern nicht auferstanden, würde doch auch niemand seinen Geburtstag an Weihnachten feiern. Ich bin katholisch aufgewachsen und wir haben früher am Karfreitag, der Tag, an dem Jesus am Kreuz gestorben ist, in einer besonderen Form gefastet. Konkret war das so, dass wir kein Nutella gefrühstückt haben. Als Kind ist das schon krass, was bleibt denn da zum Frühstücken noch übrig? 

Mittlerweile ist es so, dass ich die ganzen 40 Fastentage Fleisch und Cola faste. Bis vor Kurzem fiel mir das mit dem Fleisch so schwer, dass ich sogar in der Osternacht zum Fastenbrechen direkt ein Bifi mitgenommen habe. Heute ist es für mich schwerer, auf Cola zu verzichten. Ich mache das, weil ich 40 Tage lang wie Jesus in der Wüste auf etwas verzichten möchte. Damit mir dann bis zur Osternacht klar ist, was für ein krasser Shit da passiert ist. Jesus ist fucking auferstanden. Daran glaube ich.

Er hat den Tod am Kreuz besiegt und er ist in der Nacht zum Ostersonntag auferstanden. Deshalb gehe ich, genauso wie viele andere Christen, am Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag mit meiner Familie in die Kirche, um das zu feiern. Ostereier und Osterhasen haben für uns keine Bedeutung. Mir ist nicht einmal klar, wo der Osterhase überhaupt herkommt.

Ich finde, dass auch das Tanzverbot am Karfreitag richtig ist. Wenn man das abschaffen möchte, sollte man stattdessen auch am Ostermontag arbeiten gehen. Denn man kann die Auferstehung doch nicht feiern, ohne dass es vorher den Tod gab. Das macht keinen Sinn. Das ist ein Komplett-Paket. Und das Tanzverbot ist nur dieser eine Tag im Jahr, das ist wirklich nicht zu viel verlangt.

 

Manuel Kowol, 21, Student der Medieninformatik.
Manuel Kowol, 21, Student der Medieninformatik.Foto: privat

Abgesehen von Ostern gehe ich auch so jeden Sonntag in die Kirche. Außerdem engagiere ich mich ehrenamtlich für katholische Jugendprojekte. Früher war ich vor allem wegen meiner Familie in der Kirche, aber als ich mit 14 einmal einen Jugendgottesdienst besucht habe, hat es mich richtig gecatcht.

Ich habe dann entschieden, dass ich meinen Glauben aktiv leben möchte. Mein Glaube gibt mir Gelassenheit und einen Sinn im Leben. Gott ist auch immer für mich da. Nicht, weil ich ein schwacher Mensch bin, aber Gott passt trotzdem auf mich auf. Und nicht nur auf mich oder auf alle Christen, sondern auch auf die, die gar nicht an ihn glauben.

Ich habe auch schon so oft gespürt, wie Gott durch Menschen wirkt. Als es mir mal nicht gut ging, wegen zu viel Stress in der Uni, hat mich genau in dem Moment eine Freundin angerufen, einfach, um zu fragen wie es mir geht. Bei dem Versuch, noch ein kurzfristiges Praktikum zu bekommen, war die Situation ganz ähnlich.

Außerdem bedeutet mir auch die christliche Gemeinschaft sehr viel. Zum Beispiel auf dem Weltjugendtag in Panama mit hunderttausenden Glaubensgeschwistern auf der ganzen Welt zusammen zu kommen. Ich habe auch viele Freunde, die keine Christen sind. Manchmal bekomme ich blöde Sprüche ab wegen meiner Überzeugung, aber meistens stoße ich auf Toleranz. Das finde ich schön. Bei bestimmten Jugendaktionen sagen sie auch mal „Hey, ich glaube ja nicht, aber was ihr da für ein Projekt gestartet habt, das finde ich echt cool.“

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