Jobmesse für Kreuzfahrten : Arbeiten auf hoher See

Die Messe "Cruise Jobs & Hotel Career Jobs" vermittelt Jobs auf Kreuzfahrtschiffen. 26 Aussteller informierten 550 Besucher über das Arbeiten an Bord.

Johannes Drosdowski
Die Flotten werden immer größer - die Kreuzfahrt ist ein boomender Markt.
Die Flotten werden immer größer - die Kreuzfahrt ist ein boomender Markt.Foto: Getty Images/iStockphoto

Julia Taggeselle zieht es aufs Wasser. Eigentlich steht die Hotel- und Restaurantfachfrau in einem Potsdamer Hotel an der Rezeption. Doch jetzt will sie etwas Neues wagen und versucht ihr Glück auf der Cruise Jobs & Hotel Career Lounge, einer Jobmesse speziell für Kreuzfahrten.

„Immerhin bin ich häufig im Schlauchboot oder Tretboot auf dem Wannsee unterwegs“, so die 24-Jährige. Aber manchmal auch eine Nummer größer: Mit ihrem Vater, der sie auch auf die Messe begleitet, verbrachte sie bereits eine Woche auf der Aida. Bald soll es wieder losgehen, diesmal auf Mittelmeer-Tour von Mallorca über Barcelona nach Pisa. Allerdings erst einmal privat.

Am Dienstag informierten 26 Aussteller auf der Messe im Mercure Hotel in Moabit die rund 550 Besucher über das Arbeiten an Bord. Auf den Bannern reiht sich Kreuzfahrtschiff an Kreuzfahrtschiff. Mehrstöckige schwimmende Hotels mit Platz für teilweise 2500 Touristen. Immer größere Flotten, die Kreuzfahrt ist ein boomender Markt.

Organisiert wird die Messe von der Connect Worldwide Recruiting Agency, der größten deutschen Arbeitsvermittlung, die auf Kreuzfahrten spezialisiert ist. „Im Vorfeld“, so Geschäftsführerin Daniela Fahr, „konnten sich die Interessierten schon bei uns melden, sagen, was sie suchen, und wir haben sie dann an die richtigen Stände hier vermittelt.“

Artistin für die See

Im Messeraum informieren die Aussteller über die Arbeit auf See, führen Vorstellungsgespräche, nehmen Bewerbungen an. Laut Fahr schlagen sich manche Bewerber so gut, dass extra für sie Jobs geschaffen werden. Die Besucher kommen aus Österreich, Holland und Frankreich, aus Berlin und Brandenburg.

Miriam van der Neut aus Prenzlauer Berg hat Probleme mit der Bewerbung vor Ort: Die 20-Jährige ist Artistin, aber kaum einer der anwesenden Stände richtet sich an Bewerber aus dem Show-Betrieb. Auf der Abschlusstour ihrer Ausbildung in diesem Sommer habe van der Neut gemerkt, wie sehr sie das Reisen liebt.

Vor dem offenen Meer habe sie keine Angst, auch die Arbeitsbedingungen - teilweise sechs oder sieben Tage pro Woche, Schlafen in einer kleinen zwei-Personen-Kajüte - bereiten ihr keine Sorgen. „Ich habe schon mit einigen Kollegen gesprochen, die auf Schiffen arbeiten – und die sind alle absolut begeistert.“

Der Fall Suhl

Ein Vertreter von Duty-Free-Shops baut im Nebenraum seinen Laptop auf. Seit dem Morgen laufen dort Vorträge der Betriebe. Die PowerPoint-Präsentation will nicht so recht starten. Stattdessen blicken die etwa 30 Zuhörer auf den an die Wand projizierten Desktop-Hintergrund:

Wonder Woman, mitten im Kampf. Mit einem wütenden und entschlossenen Blick über die Schulter nach hinten prescht sie nach vorn. Ein Bild, das auch zur Agentur für Arbeit aus Suhl passen würde.

Ja, Suhl: Mitten im Thüringer Wald, dort liegt die einzige aufs Meer spezialisierte Agentur für Arbeit. Es war ein Einfall des ehemaligen Geschäftsführers, der nicht mehr wusste, wohin mit all den Arbeitslosen. Inzwischen sind so viele Menschen von dort auf See tätig, dass die Agentur dort kaum noch Interessierte finde. Jetzt versucht sie es in Berlin.

Berliner unter Wasser

Hassan Haseno hofft, über diese Agentur einen Job zu bekommen. Der 34-jährige Syrer hat in seiner Heimat auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet, jetzt will er endlich wieder aufs Wasser.

Auch der Rudower Matthias Hache will wieder auf See. „Als freier Tauchlehrer richtet man sich nach der Saison, reist herum. Da hat sich das mit dem Schiff angeboten.“ Eine Kreuzfahrt habe ihn „angezeckt“. Doch nicht die fremden Unterwasserwelten, sondern die harte Arbeit, das „große Abenteuer“ sind sein Antrieb. Denn: „Hier ist es genauso spannend und schön. Der Helenesee ist einer der klarsten in Deutschland. Da ist es umwerfend.“

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