Berlin : John Kohlsaat

Geschäftsführer Easyjet-Deutschland

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Berlin hat viele Facetten, aber der Tourist, der nach Berlin kommt, kennt oft nur eine oder zwei davon. Wer wegen der Museen und Theater in die Stadt reist, ahnt oft nichts von der Club- und Musikszene und den jungen Galerien. Als ich nach Berlin kam, wusste ich nicht, dass hier viele junge Modemacher leben, die auch international anerkannt sind. Diese verschiedenen Facetten der Stadt sollten noch stärker herausgestellt werden.

Die meisten Touristen kommen einmal nach Berlin und sind zufrieden, weil sie gesehen haben, was sie sehen wollten. Sie fahren selten ein zweites Mal in die Stadt – das merken wir an den Buchungen unserer Flugzeuge. Ganz anders London, das zwar größer ist als Berlin, aber auch nicht mehr Facetten hat. Da fahren die Menschen zwei- oder dreimal im Jahr hin und haben jedes Mal das Gefühl, eine andere Stadt zu sehen.

Auch sollte man den alten Leuten das junge Berlin zeigen und umgekehrt. Diese Gegensätze machen die Stadt doch aus, das raue Neukölln neben dem bunten Kreuzberg und dem bürgerlichen Charlottenburg, die Hochkultur neben der Off-Kultur, diese schroffen Widersprüche dürfen nicht glattgelutscht werden, sonst wird Berlin so langweilig wie München. Allerdings müssen die verschiedenen Einwanderergruppen in der Stadt lernen, friedlicher miteinander umzugehen.

Seine alte industrielle Basis vor der Wende wird Berlin sicherlich nicht zurückbekommen. Die Stadt ist für die Kopfarbeit da, zum Beispiel auf dem Gesundheitssektor. Hier kann sich die Stadt auch international noch besser profilieren.

John Kohlsaat ist gebürtiger Hamburger. Er hat keine feste Wohnung, sondern wohnt in einem Hotel in Köpenick. Ein festes Büro kennt er nicht, auch keine Sekretärin. Ständiger Begleiter ist ein rollender „Viertagekoffer“ mit Wäsche und Laptop.

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