Justiz in Berlin : Weihnachten hinter Gittern - die schlimmste Zeit des Jahres

Wie wird Weihnachten im Gefängnis gefeiert? Ente, Fischragout und eine Kerze pro Zelle - das ist das offizielle Programm. Für die Betäubung der Weihnachtsstimmung sorgen die Gefangenen selbst.

Glitzer hinter Gittern. Weihnachten hat im Knast seine eigenen Regeln.
Glitzer hinter Gittern. Weihnachten hat im Knast seine eigenen Regeln.Foto: dpa

145 Männer und elf Frauen hatten Glück. Sie traf der diesjährige Gnadenerlass der Justiz. Entlassen wurden nur ganz leichte Fälle, die in den nächsten Wochen ohnehin freigekommen wären. 4100 Gefangene haben dieses Glück des „Sammelgnadenerweises zum Jahresende“ nicht, sie müssen Weihnachten hinter Gittern verbringen. Es ist – für Menschen in Freiheit kaum vorstellbar – die schlimmste Zeit des Jahres. In dieser Einschätzung sind sich Knackis und Knastleitung ausnahmsweise einig.

„Möglichst schnell hinter sich bringen“ will das Fest ein langjähriger Gefangener in Tegel. Die Knastzeitung „Lichtblick“, hatte einmal von „den verhasstesten Feiertagen“ geschrieben. Ein zu lebenslang verurteilter Häftling formulierte seinen Wunsch so: „Jetzt einschlafen und am 2. Januar wieder aufwachen“ – nur keine Rührseligkeit aufkommen lassen. Ein leitender Justizangestellter sprach von einer „emotional schwierigen Zeit“.

Drogen trotz Paketverbot

Weihnachtspakete wird es zum zweiten Mal nicht mehr geben, diese Vergünstigung wurde 2016 vom Land Berlin gestrichen. „Im neuen Strafvollzugsgesetz ist dieses Zeichen der Freude an einem christlichen Fest nicht mehr vorgesehen“, kritisierte der katholische Pfarrer Alexander Obst in seinen Weihnachtsgrüßen im „Lichtblick“.

Früher waren drei Pakete pro Jahr erlaubt, das zu Weihnachten durfte mit 7,5 Kilogramm besonders dick sein. Vorbei, es wurde zu viel geschmuggelt – Drogen, Alkohol. Womit wir beim Thema wären. Kurz vor dem 3. Advent wunderte sich der Justizsenator über Twitter, dass ein knappes Kilo Hasch über die Mauer geworfen wurde.

Wie Gefangene berichteten, flog drei Tage später das nächste Päckchen, das abgefangen wurde. Sehr viel scheint jedoch reinzukommen: „Es gibt derzeit genug Drogen hier“, sagte ein Gefangener, der sich auskennt, „wir haben über Weihnachten garantiert keine Langeweile.“

Zelle mit Kerzenschein

Das offizielle Programm dagegen ist über Weihnachten schlechter: früherer Einschluss, Sportgruppen fallen aus, weil der Dienstplan des Personals ausgedünnt ist. Bleiben Langeweile, Einsamkeit und Frust. Die Justizverwaltung verweist auf Anfrage auf „200 g Butterstollen“, die verteilt wurden. „Für die Adventszeit typische Süßigkeiten wie Dominosteine und Schokoladenweihnachtsmänner sind bereits anlässlich des diesjährigen Nikolaustages ausgegeben worden“, teilte Justizsprecher Sebastian Brux mit.

Justitia gibt sich milde und besinnlich: „Den Insassen ist aus Anlass des Weihnachtsfestes der Besitz einer Wachskerze im Haftraum gestattet.“ Diese eine erlaubte Kerze müssen sich die Gefangenen allerdings selbst vom kargen Geld kaufen – alle 14 Tage darf ein Bestellschein ausgefüllt werden, sie kostet zwei Euro. Pakete sind ja verboten.

Zum Essen: Alle Jahre wieder spendiert die Anstalt am 1. Feiertag Entenkeule mit Rotkohl, Heiligabend gibt es Fischragout mit Reis, am 2. Feiertag Hirschragout mit Nudeln. „Alles wie in den letzten 20 Jahren“, resümiert einer, der diese 20 Weihnachtsfeste hinter den Mauern von Tegel verbrachte.

Weihnachtsbäume gibt es in allen Häusern. Kugeln und elektrische Beleuchtung stellt die Justiz, im Haus der Sicherungsverwahrten hat Torsten M. das Schmücken übernommen. Für ihn ist es das 16. Weihnachten in Tegel. M. fiel nicht unter die Weihnachtsamnestie, Sexual- und Gewalttäter sind ausgeschlossen.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

Autor

38 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben