JVA Tegel : Berliner Knastzeitung feiert 50. Geburtstag

Die Gefängniszeitung „Lichtblick“ gibt es seit 50 Jahren. Zensur gibt es nicht: Was die Häftlinge schreiben, entscheiden sie selbst.

Hinter Gittern. Auch gedruckt wird im Gefängnis.
Hinter Gittern. Auch gedruckt wird im Gefängnis.Foto: Ole Spata/dpa

Im Knast gibt es kein Rasierwasser mehr zu kaufen – es enthält nämlich Alkohol und brennt daher gut. Auch Teelichter sind nicht mehr erhältlich. Drogen gibt es dafür reichlich, natürlich nicht im offiziellen Verkauf. Die Droge „Spice“ ist auf dem Vormarsch. „Ob in der freien Gesellschaft oder im Gefängnis, die Menschen folgen ihren Süchten“, heißt es dazu in der aktuellen Ausgabe der Gefangenenzeitung „Lichtblick“. Und das sind nur zwei der Themen, mit denen sich der „Lichtblick“ befasst.

Die Zeitschrift gibt es seit nunmehr 50 Jahren; nun wurde das Jubiläum in den Redaktionszellen der JVA Tegel begangen. Auch Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) ließ sich blicken und sprach ein Grußwort – ein richtiges Interview hat er dem „Lichtblick“ bisher nicht gegeben, anders als seine Vorgänger. Ausgabe 2/2017 hatte sich Behrendt in äußerst kritischer Weise gewidmet. Ob das der Grund für die Ablehnung ist? Unklar.

Über das Leben im Knast erfährt man viel

Die Jubiläumsausgabe ist wie alle jüngeren Ausgaben komplett im Internet veröffentlicht. Sie enthält diesmal zudem lesenswerte Grußworte von Personen, die mit Häftlingen zu tun haben oder hatten: von Anstaltsleiter Martin Riemer, Strafrechtsprofessorin Kirstin Drenkhahn oder auch Oberstaatsanwalt Ralph Knispel. Seit den ersten, mit Schreibmaschine getippten Loseblattausgaben ist einiges passiert. Mittlerweile wird das Blatt in einer Auflage von 8500 Stück gedruckt und verteilt; es wird auch im Frauengefängnis gelesen. Das Abo ist kostenlos.

Über das Leben im Knast erfährt der Leser hier so einiges. Über Hygienemängel, marode Sanitäranlagen, gebrauchte Matratzen. Wie ist es mit Ansprüchen auf Rente für Häftlinge? Was sind die Bedingungen einer vorzeitigen Entlassung? Worum geht es in dem Resozialisierungsprogramm Prison Smart?

Der „Lichtblick“ ist die auflagenstärkste und am längsten durchgängig existierende Gefangenenzeitung Deutschlands. Sie unterliegt keiner Zensur. Auch der Anstaltsleiter ist nach eigenen Angaben immer wieder überrascht davon, was sich die Redaktion so alles hat einfallen lassen.

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